Die Rechtslage

In der DDR-Verfassung war das Recht auf Arbeit festgeschrieben. Darauf weist User Luca Falcone hin. Zugleich sah Artikel 24 auch eine Pflicht zur Arbeit vor:

(1) Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht auf Arbeit. Er hat das Recht auf einen Arbeitsplatz und dessen freie Wahl entsprechend den gesellschaftlichen Erfordernissen und der persönlichen Qualifikation. Er hat das Recht auf Lohn nach Qualität und Quantität der Arbeit. Mann und Frau, Erwachsene und Jugendliche haben das Recht auf gleichen Lohn bei gleicher Arbeitsleistung.

(2) Gesellschaftlich nützliche Tätigkeit ist eine ehrenvolle Pflicht für jeden arbeitsfähigen Bürger. Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit.

(3) Das Recht auf Arbeit wird gewährleistet
durch das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln;
durch die sozialistische Leitung und Planung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses;
durch das stetige und planmäßige Wachstum der sozialistischen Produktivkräfte und der Arbeitsproduktivität;
durch die konsequente Durchführung der wissenschaftlich-technischen Revolution;
durch ständige Bildung und Weiterbildung der Bürger und durch das einheitliche sozialistische Arbeitsrecht.

Wer nicht arbeiten wollte, musste mit harten Strafen rechnen. Paragraf 249 des DDR-Strafgesetzbuchs regelte die „Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“:

(1) Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung dadurch gefährdet, dass er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit hartnäckig entzieht, obwohl er arbeitsfähig ist, oder wer der Prostitution nachgeht oder wer sich auf andere unlautere Weise Mittel zum Unterhalt verschafft, wird mit Verurteilung auf Bewährung oder mit Haftstrafe, Arbeitserziehung oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Zusätzlich kann auf Aufenthaltsbeschränkung und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.

(2) In leichten Fällen kann von Maßnahmen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit abgesehen und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.

(3) Ist der Täter nach Absatz 1 oder wegen eines Verbrechens gegen die Persönlichkeit, Jugend und Familie, das sozialistische, persönliche, oder private Eigentum, die allgemeine Sicherheit oder die staatliche Ordnung bereits bestraft, kann auf Arbeitserziehung oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren erkannt werden.

Nach diesem „Asozialen-Paragrafen“ wurden jährlich mehrere tausend Personen verurteilt. „Im Jahr 1973 gab es über 14.000 und im Jahr 1980 gut 13.000 Verurteilungen; in den anderen Jahren pendelte die Zahl der Verurteilungen in der Regel zwischen 5.000 bis 10.000“, schreibt der Politikwissenschaftler Prof. Klaus Schroeder in seinem Buch „Der SED-Staat“. Der Paragraf sei auch angewandt worden, um politisch motivierte Verurteilungen zu kaschieren, etwa bei Adoptionen oder Heimeinweisungen von Kindern ohne Einwilligung der Eltern.

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