Dr. Klaus-Heiner Röhl

Wirtschaftswissenschaftler am Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Heiner Röhl

„Ich halte diese Frage für unsinnig, da sie auf eine alternative Realität abzielt. Man kann das Gesamtumfeld nicht ausblenden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Hätten die alte Bundesrepublik und damit die Teilung Europas weiter existiert, hätte sie auch die hohen militärischen Kosten als Frontstaat zum Warschauer Pakt weiter aufbringen müssen. Man könnte natürlich sagen, ohne die Milliardentransfers hätten wir im Westen vergoldete Straßen. Aber das wäre zu einfach. Denn der größte Teil dieser Milliardentransfers, die sich wohl auf brutto 1,8 Billionen Euro summieren lassen, ist verfassungsgemäß garantiert oder politisch begründet. Ein Beispiel dafür sind die Rentenzahlungen auf angeglichenem Niveau. Der Osten weist ein Leistungsbilanzdefizit auf, gibt also mehr für Konsum und Investitionen aus, als er erwirtschaftet. Und das wird vom Westen durch die Milliardentransfers finanziert. Sie helfen der Besserstellung der Menschen in den neuen Ländern, die aus eigener Kraft in diesem Maße noch nicht erreichet wird. Aber das zuvor transferierte Geld fließt auch wieder zurück in die westdeutsche Wirtschaft. Es ist also ein Kreislauf.

Der wirtschaftliche Vorteil, den Deutschland aus der Wiedervereinigung gezogen hat, ist ebenfalls schwer zu berechnen. Es hat sehr viele zusätzliche Arbeitskräfte bekommen, aber wenig Kapital. Das hat lange den Arbeitsmarkt belastet. Und der neue Stellenwert in der EU ist Fluch und Segen zugleich. Schließlich hat die Bundesrepublik nun mehr Einfluss, es werden aber auch viel umfassendere Forderungen an uns gestellt.

'Jein' wäre meine Antwort, müsste ich die Frage beantworten. Sicherlich ist die wirtschaftliche Position im internationalen Vergleich stärker geworden, aber ob es den Menschen in der Bundesrepublik ohne Wiedervereinigung nun besser oder schlechter gehen würde, lässt sich nicht sagen.“

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In der DDR gab es keine Arbeitslosen – Stimmt

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