11.06.2013

Merkel (CDU): Anteil berufstätiger Frauen steigt in Deutschland EU-weit am stärksten – Stimmt teilweise

Wahlkampf als Frauensache: Kanzlerin Angela Merkel erklärt vor der Frauen Union, dass der Anteil berufstätiger Frauen hierzulande seit 2005 EU-weit am stärksten gestiegen sei. Deutschland sei von Platz zehn auf Platz vier geklettert. Das Fazit: Stimmt teilweise.

Zitat:

„Der Anteil der berufstätigen Frauen ist seit 2005 – seitdem wieder eine Unionsregierung dabei ist – stärker angestiegen als in jedem anderen Land der Europäischen Union. Und Deutschland liegt heute EU-weit auf Rang 4 und 2005 war das noch Platz 10 in der Europäischen Union.“

Bisherige Rechercheergebnisse:

So funktioniert's

Was checken wir genau?

Wir überprüfen, wie hoch der Anteil berufstätiger Frauen in Deutschland 2005 war und wie hoch er nach den aktuellsten verfügbaren Daten ist. Diese Zahlen vergleichen wir mit denen der anderen EU-Länder.

Stimmen die Zahlen, die Angela Merkel nennt?

Betrachtet man die Eurostat-Daten zur Frauenerwerbstätigenquote, liegt Deutschland 2005 auf Platz zehn. 59,6 Prozent der deutschen Frauen zwischen 15 und 64 waren damals berufstätig. 2012 steht Deutschland im EU-Vergleich mit 68 Prozent auf Platz fünf. Der Anteil der berufstätigen Frauen stieg EU-weit in Malta am stärksten, Deutschland liegt auf Platz zwei. Unser User Genderforschung hat das zu einer sehr übersichtlichen Wikipedia-Tabelle zusammengefasst.

Auch Slapsticker recherchiert bei Eurostat und kommt zu dem Ergebnis: „Nach den letzten EU-Daten lag Deutschland nicht auf Rang vier bei der allgemeinen Frauenerwerbsquote, sondern auf Rang fünf. Der Teil von Merkels Aussage ist also in jedem Fall so nicht korrekt.“

Liegt Merkel also knapp daneben? Wir fragen am Mittwochmittag (12. Juni) beim bei der CDU-Pressestelle nach, da Merkel in ihrer Funktion als CDU-Vorsitzende bei der Frauen Union gesprochen hat, nicht als Bundeskanzlerin. Dort sagt man uns nach mehrmaligen Nachfragen zu, sich um die Anfrage zu kümmern, eine Antwort stand bis zum Donnerstagabend (13. Juni) aber noch aus.*

Unsere weitere Recherche ergibt:

Betrachtet man die Zahlen von 2011, so lag die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen in Deutschland EU-weit tatsächlich auf Platz vier. Und der Anstieg im Vergleich zu 2005 ist mit 8,1 Prozentpunkten der höchste. Nach Angaben von Eurostat wurden die Zahlen für 2012 am 12. April 2013 veröffentlicht, also acht Wochen vor Merkels Rede.

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Damit bleibt festzuhalten: Mit Blick auf die 2011er-Werte stimmen Merkels Angaben. Zum Zeitpunkt ihrer Rede gab es allerdings schon Zahlen für 2012, bei denen Deutschland im EU-Vergleich einen Platz tiefer liegt – sowohl was die Frauenerwerbstätigenquote, als auch was den Anstieg im Vergleich zu 2005 angeht. Damit kommen wir für diesen Punkt zu dem Ergebnis: Genau betrachtet stimmt Merkels Aussage nicht 100-prozentig – weicht allerdings auch nur minimal von den aktuellen Zahlen ab. Unser Zwischenergebnis deshalb: halb rot, halb grün.

*Nachtrag:

Am 17. Juni antwortet die CDU auf unsere Anfrage. Sie verweist auf eine Veröffentlichung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom Juli 2012 und die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln „Beschäftigungsperspektiven von Frauen“ vom Januar 2013.

Das ZDFcheck-Team hat sich beide Quellen angeschaut. Die aktuellsten dort genannten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2011 – und wie oben beschrieben, lässt sich Merkels Aussage mit den Zahlen von 2011 belegen,  während die aktuelleren Zahlen für 2012, die der Check-Redaktion vorliegen, allerdings von Merkels Aussage wie beschrieben leicht abweichen.

Stimmt Merkels Aussage, wenn man sie qualitativ checkt – sie also unter dem Blickwinkel der Vollzeit- und Teilzeitarbeit betrachtet?

Dieser Rechercheschritt ist für Nutzer nicht unwichtig: User OMeyer weist auf einen Artikel der Frankfurter Rundschau hin, in dem es heißt: „Die Frauenerwerbsquote alleine sagt allerdings wenig über den zeitlichen Umfang der Arbeit aus. Wie der Mikrozensus 2011 des Statistischen Bundesamtes zeigt, arbeiten viele Frauen in Teilzeit.“ Und Slapsticker schreibt: „Mir scheint es wesentlich, wirklich auch die Frauenerwerbsquote nach Vollzeitäquivalenten als Grundlage zu nehmen, denn sonst ergibt sich ein völlig verzerrtes Bild.“

Dieser Ansicht ist auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Es bezeichnet die Zahl der Erwerbstätigen als „nur die halbe Wahrheit“ – denn ob eine Frau eine oder 40 Stunden die Woche arbeitet, bleibt dabei unberücksichtigt. Und selbst die Sachverständigenkommission, die im Auftrag der Bundesregierung den „Ersten Gleichstellungsbericht“ erstellt hat, kommt 2011 zu dem Schluss:

„Da die Möglichkeiten für eine eigenständige Existenzsicherung (…) maßgeblich über den Erwerbsumfang bestimmt werden, vermag die VZÄ-Quote die Performanz des Beschäftigungssystems sehr viel besser zu beschreiben als die Erwerbstätigenquote.“

VZÄ steht für Vollzeitäquivalent – also die Darstellung der Frauenerwerbstätigkeit in vollen Stellen. (Beispiel: Wenn zwei Frauen je eine 50-Prozent-Stelle haben, fließt das als eine volle Stelle in die Statistik ein.) Eurostat hat für den #ZDFcheck die Zahlen umgerechnet. Die Ergebnisse zeichnen ein anderes Bild als die reine Erwerbstätigenquote: Umgerechnet auf volle Stellen sind 52,4 Prozent der Frauen in Deutschland berufstätig, im EU-Ranking macht das Platz 14.

Doch auch in dieser Statistik hat Deutschland aufgeholt ist seit 2005 um fünf Plätze nach oben geklettert. Insgesamt hat der Erwerbstätigenanteil der Frauen in vollen Stellen hierzulande um 6,6 Prozentpunkte zugenommen, das ist der drittstärkste Anstieg in der EU. Im europäischen Schnitt lag die Zunahme bei 1,9 Prozentpunkten.

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Dass Deutschland in der Frauenerwerbstätigenstatistik deutlich besser abschneidet als in der Rechnung nach Vollzeitäquivalenten liegt daran, dass hier besonders viele Frauen Teilzeit arbeiten oder einen Minijob haben. Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 30,3 Stunden – der drittniedrigste Wert in der EU.

Am durchschnittlichen Arbeitsumfang der Frauen in Deutschland hat sich in den letzten Jahren so gut wie nichts geändert. Das zeigen Zahlen des IAB: Demnach lag der Schnitt 2005 bei einer 67-Prozent-Stelle, 2012 bei einer 66-Prozent-Stelle. 2012 waren in Deutschland 1,3 Millionen Frauen mehr berufstätig als 2005. Das macht nach der IAB-Rechnung ein Plus von 830.000 vollen Stellen.

Betrachtet man Merkels Aussage also unter dem Aspekt der Arbeitszeiten, lautet der Schluss: Gemessen in vollen Stellen ist Deutschland bei der Frauenerwerbstätigkeit im EU-Vergleich nicht vorne mit dabei. Doch die Aufholjagd liegt hier deutlich über dem europäischen Schnitt. Daher das Zwischenfazit: halb rot, halb grün.

Das #ZDFcheck-Fazit

Die Beteiligung der Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist nicht so rosig, wie es die Statistik zur Frauenerwerbsquote zunächst glauben macht.


Angela Merkel hat vor der Frauen Union minimal bessere Werte genannt, als die aktuellen Eurostat-Werte hergeben. Und sie hat nur auf die Zahl der berufstätigen Frauen geschaut, den Arbeitsumfang – bei dem Deutschland im EU-Ranking deutlich weiter hinten steht – aber nicht erwähnt. Das Fazit der Redaktion:: Merkels Aussage stimmt teilweise.


Jenseits des reinen Faktenchecks stellt sich die Frage des politischen Kalküls hinter Merkels Aussage. Dazu eine Einschätzung von ZDF-Hauptstadtkorrespondent Mathis Feldhoff:


 


Dieser #ZDFcheck wurde beendet. Die Redaktion hat ein Fazit gezogen. Vielen Dank an alle Helfer für die Hinweise und Beteiligung.

Insgesamt 28 Hinweise

  1. Zusatzcheck: Teilzeitquote

    deStatis-Pressemitteilung vom 7.3.2013: „EU-weit arbei­ten Frau­en nur in den Nieder­lan­den häu­figer Teil­zeit als in Deutsch­land“

    https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2013/03/PD13_086_132.html

    Einer quantitativen Überprüfung nach der Arbeitszeit wird Merkels Aussage so also nicht standhalten.

  2. Hier die Tabelle zum sortieren. Die Eurostat-Datenbank ist ja etwas sperrig. Alter von 15 bis unter 65 Jahre.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Genderforschung/ZDFcheck_-_Anteil_berufst%C3%A4tiger_Frauen

    Es bleibt dabei. Die Aussage kann man, von ein paar Unschärfen abgesehen, durchwinken.

    • Hallo Genderforschung,

      danke für die übersichtliche Tabelle. Wir haben sie oben nochmal verlinkt.

      Herzliche Grüße

      Ihr #ZDFcheck-Team

    • @ Genderforschung
      Kann mich nur anschließen – wirklich schick! LG

      Pssst! Zumindest beim 2005er Wert hat sich das Fehlerteufelchen eingeschlichen, da sind’s für D ein Prozent zu viel.

    • @ Genderforschung
      Die ja für diesen Teil decs Checks bereits erfolgte Bewertung („halb rot, halb grün“) halte ich für richtig. Denn objektiv ist Merkels Aussage zur Platzierung falsch. Der eine Platz Differenz ist in dem Fall keine Kleinigkeit, da die Differenz zwischen Fünft- und Viertplatziertem in diesem Fall 2,1 % beträgt, was immerhin ein Fünftel des gesamten Anstiegs des viertplatzierten Landes und sogar 25 % des Anstiegs des fünftplatzierten Landes im Gesamtzeitraum ausmacht. Daher kann man Merkel bestenfalls konzedieren, dass sie von den Daten her nicht auf dem aktuellen Stand gewesen ist. VG

    • @Slapsticker

      Bei Eurostat wird für Deutschland im Jahr 2005 60,6 % ausgewiesen (Code=Y15-64).

  3. Für mich persönlich berechnet sich der „stärkste Anstieg“ weder in der Platzierung noch in der Änderung in Prozentpunkten.

    Meiner Ansicht nach gilt folgende Rechnung (in diesem Beispiel für 2011):

    Deutschland:
    Anstieg von 59,6 % (2005) auf 67,7 % (2011) = Erhöhung um 8,1 Prozentpunkte, aber nur um 13,6 % (67,7 durch 59,6 = 1,1359)

    Malta:
    Anstieg von 33,7 % (2005) auf 40,9 % (2011) = Erhöhung „nur“ um 7,2 Prozentpunkte, aber um 21,4 % (40,9 durch 33,7 = 1,2136)

    Dementsprechend war der prozentuale Anstieg auch für 2011 nicht in Deutschland am stärksten.

    • Lieber David Best,

      vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihre Rechnungen. Sie haben Recht, wenn man den Anstieg in Prozenten misst, liegt Malta auch 2011 vorn. Wir hatten auch beide Werte berechnet und dann beim Statistischen Bundesamt nachgefragt, welcher der richtige ist, um die Veränderung darzustellen. Die Antwort der Arbeitsmarktexperten dort: die Prozentpunkte. Denn die Werte der Frauenerwerbstätigenquote sind ja an sich schon Prozentwerte. Und wenn man die Veränderung wieder in Prozent misst, steht ein Land deutlich besser da, wenn es von einem niedrigen Niveau startet. Extrembeispiel: Wenn sich die Quote von 1% auf 2% erhöht, wäre das ein Anstieg um 100%. Daher haben wir die Prozentpunkte als Grundlage genommen.

      Viele Grüße

      Ihr #ZDFcheck-Team

  4. 2012 weist die EUROSTAT-Datenbank zur EU-27 Deutschland an 5. Stelle aus. 2005 lag Deutschland an 14. Stelle (EU-25; noch ohne Bulgarien und Rumänien).

    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&plugin=1&language=de&pcode=tsdec420

    Diese „politische Aussage“, wie im Check-Text angeführt, kann man also so durchgehen lassen.

    Auf einem anderen Blatt steht, dass man schon ab einer Stunde Beschäftigung pro Woche als erwerbstätig gilt. Welche Statistik sie benutzt hat wäre interessant, in Normalfall wird das aber aus den Ministerien zusammengemixt, da unterliegen die Zahlen je nach Datenquellen (destatis u.a.) einer gewissen Schwankungsbreite. Siehe auch Quellen im Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenerwerbsquote#Deutschland; den ich wohl demnächst überarbeiten muss. Seufz.

    • Hallo Genderforschung,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Die Zahlen, nach denen Deutschland 2005 auf Platz 14 und 2012 auf Platz 5 liegt, beziehen sich auf die 20- bis 64-jährigen Frauen. Eurostat rechnet bei den Erwerbstätigen aber auch oft mit der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen. Dabei liegt Deutschland 2005 auf Platz 10, 2011 auf Platz 4 und 2012 auf Platz 5. Da Angela Merkel offenbar von diesen Zahlen ausging, haben wir uns entschieden, in dem Check auf die 15- bis 64-Jährigen zu schauen.

      Viele Grüße aus Berlin,

      Ihr #ZDFcheck-Team

  5. Für 2012 finden sich folgende Daten: 68 % der Frauen waren erwerbstätig, davon 45 % in Teilzeit (<- Teilteitquote). http://epp.eurostat.ec.europa.eu/statistics_explained/index.php?title=File:Employed_persons_number,employment_rates_and_share_of_part-time_employment,_by_sex,_2012_V2.png&filetimestamp=20130531091300 D. h.: 30,6 % aller Frauen gingen einer Teilzeitbeschäftigung nach, weitere 37,4 % waren erwerbstätig in Vollzeit und 32 % der Frauen im Erwerbsalter 15-64 waren nicht erwerbstätig. Die Teilzeitquote war EU-weit die zweithöchste nach den Niederlanden (vgl. Tabelle).
    Für 2005 finden sich folgende Daten: 59,6 % der Frauen waren erwerbstätig, 25,8 % aller Frauen in Teilzeit – und demnach 33,8 % in Vollzeit. http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_OFFPUB/KS-NK-06-013/EN/KS-NK-06-013-EN.PDF (Tabelle, S. 5) 40,4 % aller Frauen im Erwerbsalter 15-64 waren nicht erwerbstätig. Die Teilzeitquote betrug 43,3 %.

    Demnach stieg der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen von allen Frauen zwischen 2005 und 2012 um nominal 4,8 %, die Teilzeitquote in diesem Zeitraum erhöhte sich um 1,7 %.
    Die Frauenerwerbsquote in Vollzeitäquivalenten lag 2012 bei 55,2 %, 2005 waren es 45,x %. http://www.iza.org/conference_files/BaFaLi_2007/thevenon_o3797.pdf (Graph 1, S. 4) Die Frauenerwerbsquote in Vollzeitäquivalenten hat sich in diesem Zeitraum also nominal um ca. 10 % erhöht. Gleichwohl liegt Deutschland 2012 – wie bereits erwähnt – auf Platz 16 im EU-Ranking. Ob die Bundesrepublik im genannten Zeitraum Plätze gutgemacht hat, lässt sich daraus noch nicht ableiten. Es fehlt noch eine vollständige Eurostat-Datenreihe zur Frauenererswerbstätigkeit nach Vollzeitäquivalenten für das Jahr 2005. Diese sollte aber zu recherchieren sein. Auch ließe sich anhand der oben verlinkten Datenquellen berechnen, auf welchem Platz Deutschland bei der Teilzeitquote im Jahr 2005 stand. Das habe ich mir aber erspart; es ließe sich jedoch ohne Probleme mit einem einfachen Excel-Sheet herausfinden. Gleiches gilt natürlich für die Vollzeitquoten und diverse Steigerungsraten.
    Interessant ist noch, dass die Erwerbsquote vollzeitbeschäftigter Männer in Deutschland im untersuchten Zeitraum von 66,3 % (2005) auf 70,5 % (2012) stieg – eine Erhöhung um nominal 4,2 %, während sich die Vollzeiterwerbsquote der Frauen nur um nominal 3,6 % erhöhte. Die Steigerung der Vollzeiterwerbsquote der Frauen blieb also hinter der der Männer zurück. Die Erwerbsquote teilzeitbeschäftigter Männer (nicht zu verwechseln mit der Teilzeitquote!) erhöhte sich von 4,9 % auf 7,1 %, also um nominal 2,2 %, womit der Anstieg hinter dem der Frauen zurückblieb. Die Teilzeitquote der Männer stieg von 6,9 % auf 9,1 %, erhöhte sich also um nominal 2,5 %. Der Zuwachs war also geringer.

    Ggf. nochmal nachrechnen. LG

    • Hoppla, der letzte Satz muss lauten: %. Der Zuwachs (der Teilzeitquote) war bei den Frauen also geringer.

    • Der Anstieg der Teilzeitquote bei den Männern betrug natürlich nur 2,2 %, wenn ich ansonsten richtig gerechnet habe.

    • Doch noch einmal zum besseren Verständnis:

      Die Steigerung im Zeitraum 2005-2012 war …

      – bei der allgemeinen Erwerbsquote für die Frauen größer als für die Männer (Differenz: 2 %)
      – bei der Vollzeiterwerbsquote für die Frauen kleiner als für die Männer (Differenz: 0,6 %)
      – bei der Teilzeiterwerbsquote für die Frauen größer als für die Männer (Differenz: 2,6 %)
      – bei der Teilzeitquote (= Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen Erwerbstätigen eines Geschlechts) für die Frauen kleiner als für die Männer (Differenz: 0,5 %)

      Der Zuwachs bei den Frauen wurde also zum größeren Teil über Teilzeitstellen realisiert, während die Vollzeitbeschäftigung bei den Männern stärker anstieg. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil Teilzeitbeschäftigter bei den Männern mehr. Klingt vielleicht etwas kurios, ist aber – wenn ich richtig gerechnet habe – so.

      Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die Erwerbsquote in Vollzeitäquivalenten 2012 bei den Männern im Alter von 20 bis 64 Jahren nominal um 23,1 % größer als die der Frauen war. Damit stand Deutschland bei den Männern im EU-Vergleich auf Rang 5, bei den Frauen dieses Altersbereichs(!) auf Rang 16. Die genannte Zahl bezog sich also nicht auf die Altersgruppe 15-64 Jahre. Demnach weicht die Frauenerwerbsquote in Vollzeitäquivalenten 2012 nach gängiger Altersspanne von der in der Tabelle wiedergegebenen ab. Es fehlen also noch die Frauenerwerbsquoten in Vollzeitäquivalenten für 2005 UND 2012. Da die allgemeinen Erwerbsquoten für Frauen zwischen 20 und 64 Jahren höher ausfallen als die für Frauen zwischen 15 und 64 Jahren, was ja auch logisch ist, dürfte die tatsächliche VZÄ-Quote für Letztgenannte ebenfalls niedriger sein. Das gilt allerdings gleichfalls für alle anderen EU-Staaten. Daraus können sich daher noch Änderungen bei der Platzierung Deutschlands ergeben. Ob die Diskrepanz erheblich ist, wird sich zeigen.

    • Uta Meier-Gräwe, Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft, sagte in der gestrigen 3sat-Sendung Scobel, dass die Arbeitszeitvolumina der Frauen sogar seit 1991 stagnierten: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/sendung-verpasst#/beitrag/video/1922758/Mann-oder-Frau—Wer-hat-die-Macht? Dies wäre, denke ich, auch noch eine interessante Perspektive.

  6. Jetzt hab ich noch einen interessanten Vergleich gefunden. Der Frauenerwerbsquote nach Vollzeitäquivalenten gemäß stand Deutschland zuletzt nur auf Platz 16 der EU-Staaten, vgl. http://ec.europa.eu/europe2020/pdf/themes/31_labour_market_participation_of_women.pdf (S. 2, Figure 2) Daran sieht man, dass es mit dem tatsächlichen Beschäftigungsanteil der Frauen hierzulande im EU-Vergleich nicht weit her ist.

    • Nachtrag: In „Figure 10“ ist auch noch das Zahlenmaterial aufgelistet. Demnach betrug die Frauenerwerbsquote nach Vollzeitäquivalenten lediglich 55,2 %, was knapp über dem Durschschnitt der EU27-Staaten von 53,6 %, jedoch weit unterhalb von Spitzenreiter Schweden mit 69,1 % lag. Wenn zwar nach der allgemeinen Frauenerwerbstätigenquote Deutschland auf Platz 4 liegt, nach der Frauenerwerbstätigenquote in Vollzeitäquivalenten jedoch nur auf Platz 16 im EU-Vergleich, dann ist das schon ziemlich aussagekräftig.

    • Lieber Slapsticker,

      vielen Dank für Ihre vielen tollen Hinweise. Wir werden der Frage nach den Vollzeitäquivalenten auf jeden Fall nachgehen.

      Herzliche Grüße aus Berlin

      Ihr #ZDFcheck-Team

    • Erratum: Nach den letzten EU-Daten aus der o. g. Quelle lag Deutschland nicht aud Rang 4 bei der allgemeinen Frauenerwerbsquote, sondern auf Rang 5. Der Teil von Merkels Aussage ist also in jedem Fall so nicht korrekt.

    • Nach Merkels Aussage geht es im wesentlichen (ausgewählte Überschrift) aber nicht um den Vergleich der Frauenerwerbsquote, sondern um den Vergleich der Veränderung der Frauenerwerbsquote. Diese kann größer sein, auch wenn die Frauenerwerbsquote relativ niedrig wäre. Das Deutschland einer anderen Statistik zufolge auf Platz 5 statt 4 liegt, ist wohl den veränderten Bedingungen geschuldet, zeigt aber in die selbe Richtung.
      Man sollte Frau Merkel fragen, welche Statistik sie zugrunde legt.

    • @ istegalis2013
      Warum sollte man Frau Merkel fragen, welche Statistik sie zugrunde gelegt hat? Sie spricht ja expressis verbis vom Heute. Daher muss man auch die aktuellste verfügbare Statistik (hier also die Jahresstatistik von 2012) nehmen. Wenn die Kanzlerin aber nicht auf dem aktuellsten Stand ist und lieber veraltete Daten benutzt, weil diese für sie positiver ausfallen, dann ist das ihr Problem. Des Weiteren ist ja – was ich auch zunächst scharf kritisiert habe – der Faktencheck darauf ausgelegt, vermeintlich oder tatsächlich irreführende Behauptungen auch zu kontextualisieren. Unter diesem Aspekt ist dann aber die Frauenerwerbsquote in Vollzeitäquivalenten durchaus relevant. Zwei einfache Beispiele. 1. Es gibt fünf Einkommen: 10.000, 11.000, 12.000, 20.000 und 100.000 € p. a. Das mittlere Jahreseinkommen (auch Median genannt) beträgt 12.000 €, das Durchschnittseinkommen jedoch 30.600 €. Wenn man nun nur das Durchschnittseinkommen nennt, könnte leich der falsche Eindruck entstehen, dass die Einkommen in der Stichprobe doch eigentlich ganz manierlich seien, obwohl 80 % deutlich unter dem genannten Wert liegen. Daher ist hier eine Nennung des Durchschnittseinkommens irreführend. 2. Das arbeitgebernahe IW Köln rechnet Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern klein, indem es in der Studie (s. u.), aus der wohl auch Merkel ihre Behauptung hat, u. a. die Dauer der Betriebszugehörigkeit miteinbezieht. Wenn Frauen aber nachwuchsbedingte ‚Ausfallzeiten‘ haben, ist das für ihre Leistung im Job irrelevant. Auch hier ist also die behauptete geringe Einkommensdifferenz irreführend. Daher ist es schon auch bedeutsam, was suggeriert wird, und eben nicht bloß das, was wortwörtlich formuliert worden ist. – Warum z. B. auch ein Abheben auf die Steigerungsrate irreführend sein kann, hatte ich ja schon ein wenig erläutert. Ergänzend noch ein Beispiel direkt dazu: Die Frauenerwerbsquote nach VZÄ ist in Schweden mit 69 % am höchsten. Wenn nun aber Schweden schon seit 2005 diese Rate gehabt hätte, wäre die Steigerung null. Wenn Deutschland dagegen eine Erhöhung um – sagen wir – nominal 10 % im selben Zeitraum gehabt hätte, aber immer noch nur auf 55 % kommt, dann ist das wenig beeindruckend. Man könnte sogar noch mehr tricksen, indem man behauptete, dass die Zunahme von 45 auf 55 % eine Steigerung von 22 % (nach Dreisatz ist ja 10 von 45 22 %) bedeutet. Lange Rede, kurzer Sinn: Man sollte schon gute Argumente haben, um bestimmte Kontextfaktoren nicht oder gerade einzubeziehen. Warum ein Einbezug von VZÄ in dieser Frage sinnvoll erscheint, habe ich andernorts zu erläutern versucht.

      @ #ZDFcheck-Team resp. Kathrin Wolff

      Gerne! LG

  7. Mir scheint es wesentlich, wirklich auch die Frauenerwerbsquote nach Vollzeitäquivalenten als Grundlage zu nehmen, denn sonst ergibt sich ein völlig verzerrtes Bild. Hierzu – gewissermaßen als Begründung – zwei ältere Quellen: 1. http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2008/report2008-04.pdf Zitat: „Der Anteil der Frauen in Deutschland,
    die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, nimmt langfristig zu und betrug 2006 61,5% aller Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren. Auf Vollzeitstellen umgerechnet stagniert dieser Anteil jedoch seit Beginn des Jahrzehnts, weil vor allem durch den Minijob-Boom die Arbeitszeit pro Person abnimmt. / Deutschland geht hier im Vergleich mit anderen europäischen Ländern einen Sonderweg. Die auf Vollzeitstellen umgerechnete Beschäftigungsquote von Frauen ist in den letzten Jahren unter den EU-Durchschnitt gesunken. Die Arbeitszeiten von Frauen (Vollzeit und Teilzeit zusammengenommen) sind die zweitkürzesten in Europa, bei den Teilzeitbeschäftigten sogar die kürzesten.“ Dies zeigt, wie fragwürdig ein Vergleich nur nach dem Beschäftigtenanteil der Frauen ist. 2. http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Dokumente/Genderreport_Erwerbst%C3%A4tigkeit_Arbeitsmarktintegration.pdf Aus Abb. 2.3 ist ersichtlich, dass im Zeitraum 1992-2003 zwar die Erwerbstätigenquote der Frauen deutlich gestiegen ist, die Frauenerwerbsquote nach Vollzeitäquivalenten jedoch gesunken. Es arbeiteten also anteilig mehr Frauen, deren anteiliges Arbeitsvolumen hat sich jedoch verringert.
    Zwar denke ich nicht, dass sich dieser Trend fortgesetzt hat, aber die gennanten Beispiele zeigen sehr deutlich, dass die bloße Frauenerwerbsquote ein völlig schiefes Bild liefert. Daher halte ich es für unabdingbar, eine in Vollzeitäquivalente umgerechnete Frauenerwerbsquote zugrundezulegen. Denn sonst ist Deutschlands Position im EU-Ranking nicht aussagekräftig (s. o.). Aktuelle Daten wird man mit Sicherheit dazu recherchieren können.

  8. Zur Erwerbstätigkeit von Frauen ist interessant, dass 2010, also im vorletzten statistisch ausgewiesenen Jahr, der Frauenanteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter 46 % und der Anteil an den Beamten 41 % betrug, wohingegen sie bei den ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigen mit einem Anteil von zwei Dritteln deutlich überrepräsentiert waren. Während im Juni 2011 6,45 % der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männer in Teilzeit arbeiteten, waren es bei den Frauen 35,92 %. Der Anteil sozialversicherungspflichtig beschäftigter und vollzeiterwerbstätiger Frauen ist zwischen Juni 2001 und Juni 2011 sogar zurückgegangen (s. Abb. 3). http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berichte-Broschueren/Arbeitsmarkt/Generische-Publikationen/Frauen-Maenner-Arbeitsmarkt-2012-07.pdf Dies deutet zumindest darauf hin, dass die Vollzeitquote oder Vollzeitäquivalentquote bei den Frauen hierzulande nicht sonderlich hoch ausfallen dürfte. Ob sich in anderen Ländern ein ähnliches Bild ergibt, müsste man anhand von Eurostat-Daten klären, die wahrscheinlich eine einheitliche Datengrundlage schaffen würden. Die Frage ist ja, ob in anderen europäischen Staaten auch geringfügig Beschäftigte, Menschen in Arbeitsgelegenheiten und mithelfende Familienangehörige überhaupt statistisch als erwerbstätig gezählt werden.

  9. Oft ist es ja so, dass die Steigerungsraten dann besonders groß sind, wenn der Nachholbedarf groß und das Ausgangsniveau niedrig sind. Kleine Analogie: Die durchschnittlichen Wachstumsraten Polens waren auch seit 2005 größer als die Deutschlands. Das besagt also nicht allzu viel.
    Auch kann man natürlich fragen, ob und, wenn ja, wie das überhaupt mit politischen Maßnahmen unter Kanzlerin Merkel zusammenhängt. Es ergibt sich also schlicht das Problem der Zurechenbarkeit. Die Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit kann ja auch schlicht dem (zeitverzögerten) gesellschaftlichen Wandel geschuldet sein oder auch soziallagenbedingt sein (Notwendigkeit (zusätzlicher) (Familien-)Einkünfte o. Ä.). Auch kann die Steigerungsrate einfach das Ergebnis einer allgemeinen Zunahme der Erwerbstätigkeit aufgrund hierzulande guter Konjunktur – im Unterschied zu den meisten EU-Staaten – sein. Um Vergleichbarkeit zu gewährleisten, müsste man also zumindest die allgemeine Entwicklung der Erwerbstätigkeit in europäischen Ländern statistisch kontrollieren. Zudem muss man definitiv in Vollzeitäquivalenten rechnen. Denn eine Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit kann ja sonst auch bedeuten, dass das Arbeitsvolumen auf mehr Köpfe verteilt wurde. Daher schlage ich vor, zunächst die Frauenerwerbstätigkeit und ihre Steigerung im genannten Zeitraum in Vollzeitäquivalenten zu berechnen und im Zuge dessen auch zu prüfen, an welcher Stelle Deutschland dann im EU-Ranking steht. Danach müsste man dann noch die Statistik um die unterschiedlichen konjunturellen Effekte länderspezifisch bereinigen. Erst danach hat man dann wirkliche Vergleichbarkeit hergestellt. Dass natürlich in Ländern, die – mithin aufgrund der von Deutschland aufgezwungenen Austeritätspolitik – ’schwächelnde‘ Arbeitsmärkte und somit eine stagnierende oder sinkende Erwerbstätigkeit haben, auch die Frauenerwerbstätigkeit auf gleichem Niveau verharrt oder gar rückläufig ist, dürfte klar sein, wobei der Effekt auf die Frauenerwerbstätigkeit sogar noch größer sein kann, da diese vermutlich eher in Positionen oder Arbeitsmarktsegmenten arbeiten, die stärker von Arbeitsplatzverlusten betroffen sind als die traditionell stärker männlich geprägten ‚Domänen‘, was dann auch den Anteil der Frauenerwerbstätigkeit von Ländern in wirtschaftlich schwieriger Lage betrifft. Daher müsste man die Statistik auch auf Arbeitsplatzverluste der Frauen im Vergleich zu denen der Männer in den jeweiligen EU-Staaten kontrollieren. Erst dann ließe sich ermessen, ob Merkels Behauptung Substanz hat.

  10. Ich gehe davon aus, dass dies wohl stimmen wird…
    Interessant wäre allerdings zu checken was für Jobs dies sind und wieviel weniger Frauen verdienen.

Merkel (CDU): Anteil berufstätiger Frauen steigt in Deutschland EU-weit am stärksten – Stimmt teilweise - Stimmt teilweise

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