28.10.2014

Die DDR war der Bundesrepublik bei Kinderbetreuung und Gleichberechtigung voraus – Stimmt teilweise

Frauen, die ohne schlechtes Gewissen Karriere machten, Betreuungsplätze im Überfluss, traumhafte Kita-Öffnungszeiten: Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf war die DDR der Bundesrepublik meilenweit voraus – so der Mythos. Das #ZDFcheck-Fazit: stimmt teilweise.

Mythos:

In der DDR gab es für jedes Kind einen Kita-Platz. Dadurch konnten alle Mütter problemlos arbeiten gehen und waren den Männern gleichgestellt.

Bisherige Rechercheergebnisse:

So funktioniert's

Der Mythos

Ein Stichwort fällt fast zwangsläufig, wenn die Sprache auf die positiven Errungenschaften der DDR kommt: gut organisierte Kinderbetreuung. Jedes Kind in der DDR hatte einen Betreuungsplatz, alle Mütter konnten somit problemlos arbeiten gehen, so der Mythos, der sich bis heute hält und insbesondere in Wahlkampfzeiten von Politikern gern hervorgehoben wird.

So sagte beispielsweise der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Bundestagswahlkampf 2013 in einem Interview mit der „Zeit“: „Sie haben Recht – dass so viele Frauen arbeiten, ist ein positives Erbe der DDR. Ebenso die bessere Kinderbetreuung.“

Auch der frühere FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle hob im Wahlkampf 2005 gegenüber der „SuperIllu“ hervor, das in der DDR realisierte „flächendeckende Angebot an bezahlbarer Ganztags-Kinderbetreuung [sei] eine wichtige Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Die Tatsache, dass sich etwas schon in der DDR bewährt habe, „kann doch nicht bedeuten, dass es für ganz Deutschland nie und nimmer in Frage kommt“.

Fest steht: In der DDR wurde nicht nur der Frauentag am 8. März groß gefeiert, auch in der Verfassung waren die Frauenrechte von Beginn an festgeschrieben. So hieß es in Artikel 7 der DDR-Verfassung vom 7. Oktober 1949: „Mann und Frau sind gleichberechtigt. Alle Gesetze und Bestimmungen, die der Gleichberechtigung der Frau entgegenstehen, sind aufgehoben.“

Erich Honecker, damaliger Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, behauptete am 15. Juni 1971: „Es ist in der Tat eine der größten Errungenschaften des Sozialismus, die Gleichberechtigung der Frau in unserem Staat sowohl gesetzlich als auch im Leben weitgehend verwirklicht zu haben. Kein kapitalistisches Land der Erde kann dies von sich behaupten.“

Gab es in der DDR mehr Betreuungsplätze für Kinder?

Für beinahe jedes zweite Kind unter drei Jahren gab es 1985 einen Betreuungsplatz in der DDR – in der Bundesrepublik hingegen konnten nur 1,5 von 100 Kindern in einer Krippe versorgt werden. Diese Zahlen zeigen deutlich: In der DDR gingen im Verhältnis wesentlich mehr Kinder in Krippen als in der damaligen Bundesrepublik. Seit den 60er Jahren wurde die Kinderbetreuung in der DDR kontinuierlich ausgebaut, und erreichte in den 80er Jahren eine Versorgungsquote von 56,4 Prozent bei den Null-bis-Dreijährigen und 93,4 Prozent bei den Drei- bis Sechsjährigen. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik betrug die Quote 1,5 Prozent für Krippenkinder und 69,3 Prozent für Kindergartenkinder.

Seit 1976 konnten Frauen – zunächst ab dem zweiten, später auch ab dem ersten Kind – ein bezahltes „Babyjahr“ in Anspruch nehmen. Da die meisten Mütter in der DDR deshalb im ersten Lebensjahr eines Kindes zuhause blieben, lag die tatsächliche Versorgungsquote im Krippenbereich sogar noch höher. Im Bildungsbericht 2006 heißt es: „So konnten von den 1980er Jahren an praktisch alle Eltern, die das wünschten, für ihr Kind ab dem zweiten Lebensjahr einen Platz bekommen.“ Allerdings mussten Eltern mitunter weite Wege in Kauf nehmen, wie unsere User Ottersleber und JuBe2014 berichten.

Obwohl die Zahl der Krippenplätze nach der Wende deutlich zurückgegangen ist, gibt es bis heute in den östlichen Bundesländern ein größeres Angebot als in den westlichen Flächenländern.

 

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Die Öffnungszeiten waren den Arbeitszeiten der berufstätigen Mütter angepasst. Es war durchaus üblich, dass Krippen und Kindergärten schon um sechs Uhr morgens aufmachten und bis 19 Uhr aufhatten, viele waren auch samstags geöffnet. Das bestätigen auch unsere User Uta Natzke, Werner Beneke und Petra Meyer. Darüber hinaus gab es die so genannten Wochenkrippen, wo die Kinder montagmorgens hingebracht und freitagnachmittags wieder abgeholt wurden.

Die Betreuung selbst war kostenlos, Eltern mussten lediglich einen geringen Zuschuss für das Essen zahlen (lag etwa zwischen etwa 35 Pfennig und 1,40 Mark, je nach Einrichtung).

Schaut man nur auf die Zahlen, lautet das Zwischenfazit des #ZDFcheck-Teams: Es stimmt, dass es in der DDR mehr Betreuungsplätze für Kinder gegeben hat.

War die Kinderbetreuung qualitativ dem Westen voraus?

Um die Ausgangsfrage beantworten zu können, muss zunächst geklärt werden: Was heißt Qualität in der Kinderbetreuung? Wir haben versucht, uns der Beantwortung dieser Frage anzunähern. Als gängige Kriterien gelten u.a. der Erzieher-Kind-Schlüssel, die Ausbildung des Personals und das subjektive Wohlbefinden des Kindes.

Ein guter Betreuungsschlüssel gilt heute als Qualitätsmerkmal. Darauf weist auch Karolus1 hin. Ein Erzieher, der drei Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren betreut, gilt als vorbildlicher Schlüssel. Das Verhältnis vergrößert sich mit dem Alter des Kindes. So gelten bis zu acht Kinder zwischen drei und sechs Jahren für einen Erzieher als betreubar. Für die DDR sind die Betreuungsschlüssel nur als die parteipolitischen Vorgaben auf dem Papier bekannt. Gesicherte Erkenntnisse dazu, ob sie tatsächlich umgesetzt werden konnten, liegen aber nicht vor. Daher haben wir drei Experten befragt. Ihre ausführlichen Statements erhalten Sie per Klick auf die Bilder.

Die Autorin und Psychotherapeutin Agathe Israel erinnert sich, dass in der DDR Anspruch und Wirklichkeit nichts miteinander zu tun hatten: „Die offiziellen Betreuungsschlüssel sahen einen Erzieher für fünf bis acht Kinder vor. In der Realität waren aber Gruppengrößen von bis zu zwanzig Kindern keine Seltenheit. Zusätzlich führten die langen Öffnungszeiten zu Frustration und Überforderung der Erzieherinnen.“

Thomas Trautmann, Schulpädagoge und Zeitzeuge, unterstreicht hingegen die gute Ausbildung der Betreuerinnen in der DDR: „Die jungen Frauen, die zur Erzieherin ausgebildet wurden, waren die Besten der Besten. Die Ausbildung war exorbitant und international hoch geachtet. Sechs Semester wurde studiert. Und dann kamen sie in den Dienst.“

Im Mittelpunkt dieser Ausbildung stand das Kollektiv. Margot Honecker formulierte als langjährige Ministerin für Volksbildung (1963 – 1989): „Wir wollen einen Menschen erziehen, der ein Kollektivmensch unserer Zeit ist, der weit mehr für das gesellschaftliche Leben als für seine persönlichen Interessen lebt.“

Diese Ausrichtung entscheidet sich grundlegend vom individuellen Ansatz des Westens. Doch was von der politischen Ideologie bei den Kindern tatsächlich ankam, darüber entschied eine andere Variable. Sozialpädagoge Jürgen Reyer: „Zwei Ebenen sind klar voneinander zu trennen: Zunächst existiert eine Programmatik, die für alle Betreuungseinrichtungen gleich war. Dann ist da der Bereich, in dem das tatsächliche Zusammentreffen von Kind und Erzieher stattfand. Und eben dieser Kontakt war im Zweifel völlig unterschiedlich.“

Die Berichte unserer User, die die Krippen- und Kindergartenrealität der DDR erlebt haben, fallen mehrheitlich positiv aus: Thomas Voigt, Buelter oder Ottersleber schwärmen geradezu. Allerdings weiß Sylvia Horlacher auch von Sanktionen zu berichten, welche diejenigen trafen, die sich nicht einpassten. Doch es ist anzunehmen, dass nicht nur DDR-Kinder positive Erinnerungen mit ihrer Kindergartenzeit verbinden und es werden auch westdeutsche Kinder negative Erfahrungen in den Kindergärten gemacht haben. Es ist also die individuelle Wahrnehmung, die zur Beurteilung der DDR-Kinderbetreuung herangezogen werden muss. Und sie ist keine verlässliche Größe. Der Schulpädagoge Thomas Trautmann sieht keinen geeigneten Ansatzpunkt: „Der DDR-Kindergarten war von der Ausrichtung her substantieller. Die Erziehung bereitete direkt auf den Schuleinstieg vor. Aber von der Freiheit und Heterogenität her, hatte der Kindergarten der Bundesrepublik die Nase vorn. Wir vergleichen hier die Artischocke mit der Stachelbeere. Die Systeme und Ansätze sind zu unterschiedlich, als dass man sie verantwortungsvoll abwägen könnte.“

Nach Betrachtung der qualitativen Fragen kommt das #ZDFcheck-Team zu dem Ergebnis: Wo das subjektive Wohlbefinden des Einzelnen die entscheidende Größe ist, ist eine Gesamtbewertung nicht möglich. Denn sie ist weder einheitlich noch verantwortlich messbar. Auch die Beurteilungen der Experten geben keine klare Richtung vor. Da für den Betreuungsschlüssel in der DDR keine Zahlen und Daten vorliegen, sehen wir auch hier keine Grundlage für eine klare Wertung.

Das #ZDFcheck-Zwischenfazit bleibt daher offen.

Haben in der DDR mehr Frauen gearbeitet?

Es war ein erklärtes Ziel der Regierung und für die wirtschaftliche Entwicklung unabdingbar, möglichst alle Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wie sutoka richtig anmerkt, waren in Artikel 24 der DDR-Verfassung das Recht auf Arbeit und zugleich die Pflicht zur Arbeit für alle Bürger festgeschrieben.

Die Berufstätigkeit von Frauen in der DDR hat kontinuierlich zugenommen. 1950 waren 44,6 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter auch berufstätig, im Wendejahr 1989 lag diese Zahl bei 82,9 Prozent (Frauen in der Ausbildung und bei staatlichen Institutionen, die der Geheimhaltung unterlagen, noch nicht eingerechnet).

Zum Vergleich: In der Bundesrepublik stieg die Erwerbstätigenquote bei den Frauen von 47,2 Prozent im Jahr 1960 auf 53,8 Prozent im Jahr 1990.

Infografik Berufstätige Frauen - Öffnen
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Obwohl die DDR-Statistik nicht in allen Einzelheiten mit den Erhebungsmethoden der Bundesrepublik übereinstimmt, zeigen die vorliegenden Zahlen doch eine eindeutige Tendenz. Betrachtet man die verfügbaren statistischen Daten, lautet das Zwischenfazit des #ZDFcheck-Teams deshalb: Es stimmt, dass in der DDR prozentual mehr Frauen gearbeitet haben als in der damaligen Bundesrepublik.

Waren Frauen durch ihre Berufstätigkeit wirklich gleichgestellt?

Durch ihre Berufstätigkeit erlangten die Frauen der DDR eine relative wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Mann, die Freiheit und Sicherheit gab. Sie durften sich ihre Berufe im Rahmen der verfügbaren Stellen selbstständig aussuchen. Der Mann hatte kein Mitspracherecht. Dies ist als Vorteil gegenüber der Bundesrepublik zu werten, in der der Frau die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis weit in die siebziger Jahre deutlich schwerer gemacht wurde. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 1356 BGB) hieß es dazu: „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, so weit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.“ Erst nach der Reformierung des Gesetzes am 1. Juli 1977 waren in der Bundesrepublik beide Ehepartner gleichermaßen berechtigt, erwerbstätig zu sein.

Ein weiteres Indiz für die Gleichstellung der Frauen sehen Wissenschaftler in einer höheren Scheidungsrate der DDR im Vergleich zur Bundesrepublik.

Mit Klick Infografik "Wie viele Ehen geschieden werden" öffnen
  • Infografik: Wie viele Ehen geschieden werden

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Die internationale Frauenrechtlerin Helga E. Hörz deutet die Scheidungsrate als Indikator für das gewachsene Selbstbewusstsein der Ostfrauen: „Die Frau war ökonomisch nicht vom Mann abhängig und ihr Selbstvertrauen war gewachsen. Sie suchte nicht nur ihre Jobs völlig frei aus […], auch für den Partner galt das.“

Dennoch hatten Frauen durch ihre Erwerbstätigkeit nicht nur Vorteile. Viele litten unter einer Doppelbelastung. Beruf auf der einen, Haushalt und Kinderbetreuung auf der anderen Seite. Der Mann blieb von diesen Aufgaben weitgehend unberührt. Klassische Rollenbilder durchzogen die Gesellschaft. Zugleich bekamen die Frauen zwar für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn wie ein Mann, es waren aber kaum Frauen auf Führungsebenen anzutreffen. Das betont auch die Historikerin Gunilla Budde: „Ungeachtet der berühmten Traktoristinnen und Ingenieurinnen arbeitete das Gros der DDR-Frauen in typischen Frauensparten, im Angestelltensektor und in traditionell weiblich dominierten Branchen der Industrie.“

Ähnlich sieht es in der Politik aus. Denn von den über 130 Ministern, die zwischen 1949 und 1989 in der DDR eingesetzt waren, waren nur vier weiblich: Elisabeth Zaisser, Margot Honecker, Helga Labs (alle Ministerin für Volksbildung und Jugend) und Hilde Benjamin (Ministerin für Justiz). Im gleichen Zeitraum finden sich in der Bundesrepublik immerhin elf Ministerinnen. So ist es kein Zufall, dass sich Margot Honecker während einer Staatsratsitzung im Jahre 1968 völlig allein unter Männern aufhielt.

Bundesarchiv, Bild 183-G0920-0021-001 / Junge, Peter Heinz / CC-BY-SA

Bundesarchiv, Bild 183-G0920-0021-001 / Junge, Peter Heinz / CC-BY-SA

In der DDR folgten erst nach dem Mauerfall bis zur Wiedervereinigung weitere Ministerinnen nach. Unter ihnen auch Tatjana Böhm, Ministerin ohne Geschäftsbereich, die die Gleichstellung der DDR-Frauen insgesamt differenziert betrachtet: „Tendenziell gab es eine stärkere Gleichstellung rechtlicher Art, die aber in der Realität durch eine Doppelbelastung in Beruf und Arbeit in einem Mangelsystem auf Kosten der Frauen gelebt wurde.“

Die ausführlichen Statements der drei Expertinnen lesen Sie hier. Bitte klicken Sie dazu auf die Bilder:

Geht mit der Berufstätigkeit der Frauen eine wirkliche Gleichberechtigung einher? Das #ZDFcheck-Team kommt zum Zwischenfazit: Nein, es stimmt so nicht, dass die Frauen der DDR durch ihre Berufstätigkeit den Männern wirklich gleichgestellt waren.

Das #ZDFcheck-Fazit

In der DDR gab es mehr Betreuungsplätze für Kinder und mehr Frauen, die gearbeitet haben, als in der Bundesrepublik. Was die Quantität angeht, stimmt der Mythos. Doch die Zahlen geben weder Aufschluss über die Qualität der Kinderbetreuung noch über den Grad der Gleichberechtigung. Hinsichtlich des Erziehungsprogramms der DDR scheiden sich die Geister: Die Experten sind uneins, die Auswertung der Merkmale führt zu keinem klaren Ergebnis und die persönlichen Erfahrungen der User sind unterschiedlich. Darum sehen wir hier von einer Bewertung ab. Dass die DDR-Frauen jedoch durch ihre Berufstätigkeit wirklich gleichgestellt waren, stimmt so nicht. Sie hatten dem Mann gegenüber zwar eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit und durften frei über ihren Beruf entscheiden, doch es blieb trotzdem bei der traditionellen Rollenaufteilung - wie im Westen. Daraus resultierte eine Doppelbelastung der Frau, die sich neben ihrer Arbeit oft noch um den Haushalt und die Kinder kümmerte. Diese Muster führten auch dazu, dass nur wenige Frauen in Führungspositionen zu finden waren. Von einer wirklichen Gleichstellung durch die Berufstätigkeit, kann also nicht gesprochen werden. War die DDR der Bundesrepublik bei der Kinderbetreuung und in Sachen Gleichberechtigung voraus? Der #ZDFcheck zieht das Fazit: stimmt teilweise.


Lesen Sie hier den heute.de-Artikel zum Check und sehen Sie das Video aus dem ZDF mittagsmagazin:



Dieser #ZDFcheck wurde beendet. Die Redaktion hat ein Fazit gezogen. Vielen Dank an alle Helfer für die Hinweise und Beteiligung.

Insgesamt 53 Hinweise

  1. Ein Hauptmerkmal an der sich die Qualität der Vorschul-Kinderbetreuung in der DDR messen lässt, ist der zu Grunde liegende Bildungs- und Erziehungsplan für den Kindergarten, ebenfalls war dieser auch für -Kinderkrippen vorhanden. Ich beziehe ich hierbei auf den Erziehungsplan von 1977. Dieser Erziehungsplan reiht sich systematisch in das „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“ ein und fußt auf der planmäßigen körperlichen, geistigen, sittlichen und ästhetischen Bildung und Erziehung der Kinder und hat als Hauptziel die allseitige Entwicklung des Kindes sowie die Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“, welche später in der Schule fortgesetzt wurde. Genauso anspruchsvoll und breit gefächert sieht der Erziehungsplan dann auch aus, die wesentlichen Inhalte sind:
    -Spiel , unter Anleitung und auch freies Spiel
    -Sport, körperliche und motorische Entwicklung
    -Sprachliche Entwicklung
    -musische Entwicklung, Musik und Singen
    -Bekanntmachen mit Kinderliteratur
    -Bekanntmachen mit der Natur, Tiere und Pflanzen
    -Bekanntmachen mit Mengen, Längen, Breiten und Höhen
    -Malen, Zeichnen und Formen
    -Bauen und Basteln
    -Bekanntmachen mit dem gesellschaftlichen Leben

    Gesellschaftliche oder gar politische Inhalte wurden kind- und altersgerecht vermittelt, zB Erleben von verschieden Berufen bei einem Spaziergang, wie Bäcker, Bauarbeiter. Basteln von Schmuckelementen zum Tag der Republik etc. , auch der Volkspolizist oder gar ein NVA-Soldat war nicht tabu. In der Gesamtheit des Bildungsplanes machen solche, im Nachhinein kritisch betrachtende Elemente, quantitativ jedoch nur ein sehr kleinen Teil des Gesamtumfanges aus, so dass dies nicht überbewertet werden sollte. Ebenfalls spielte die Erziehung und Gewöhnung an feste Tagesabläufe, sittliche Normen, und hygienische Gewohnheiten eine wichtige Rolle.
    Der Kindergarten arbeitete eng mit der örtlichen Schule zusammen. Durch das einheitliche Bildungssystem war eine optimale Vorbereitung auf die polytechnische Oberschule möglich. Ergänzend zum Bildungsplan standen den Kindergärtnerinnen noch eine Fülle von weiterführender Literatur und Hilfsmitteln, herausgegeben vom Ministerium für Volksbildung und Verlag Volk und Wissen, zur Verfügung.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kindergärten in der DDR durch den Bildungs- und Erziehungsplan im Zusammenwirken mit der guten Ausbildung der Kindergärtnerinnen und der materiellen Ausstattung der Kindergärten nicht nur eine qualitativ hochwertige und weitgehend ideologiefreie Betreuung, sondern darüber hinaus eine abwechslungsreiche, allseitige und fröhliche Vorschulbildung den Kindern bieten konnten. Sie waren, und das werden wohl die meisten DDR-Kinder bestätigen können, Stätten frohen Kinderlebens.

  2. Meine Tochter ging in LEIPZIG / STÖTTERITZ in den Kindergarten, mein Enkel jetzt in ESSEN/STOPPENBERG in einen Kindergarten.
    Es gibt deutliche Unterschiede.Ich vermisse die Einteilung in Altersgerechte Gruppen und finde die Durchmischung jeden Alters in einer Gruppe schlecht.
    einen generellen Mittagschlaf gibts nicht, die Kinder halten durch bis sie abgeholt werden und schlafen zu Hause fast ein quengeln.
    Die Eltern haben nichts vom Kind.
    Ich habe mein Enkel schon zu verschiedenen Zeiten abgeholt und habe nie gesehen, das die Betreuer aktiv mit den Kindern sich abgegeben hätten.
    Man stand nur beobachtend abseits.

    Kinder, die um 16 Uhr aggeholt

  3. War die Kinderbetreuung qualitativ dem Westen voraus?

    Ein Maß für die Qualität der Kinderbetreuung ist der Betreuungsschlüssel:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Betreuungsschl%C3%BCssel

    Nun ist mir nicht bekannt, wie dieser zu DDR-Zeiten aussah. Nach den heutigen Statistiken ist jedoch der Betreuungschlüssel in den 5 neuen Bundesländern deutlich schlechter als der Bundesschnitt (vgl. Tabelle 1 auf Seite 6):
    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Soziales/KinderJugendhilfe/KindertageseinrichtungenPersonalschluessel5225409129004.pdf
    oder für 2013 (Tab.1, Seite 7:
    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Soziales/KinderJugendhilfe/KindertageseinrichtungenPersonalschluessel5225409139004.pdf

    Tab. 1: Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen der Gruppen mit Kindern im Alter von 2 bis unter 8 Jahren (ohne Schulkinder) und Ländern am 1. März
    Land 2012 2013
    Baden-Württemberg 8,3 7,8
    Bayern 8,8 8,8
    Berlin X X
    Brandenburg 11,1 10,9 <==
    Bremen 7,6 7,3
    Hamburg 9,3 9,0
    Hessen 9,6 9,5
    Mecklenburg-Vorpommern 14,2 14,1 <==
    Niedersachs en 8,6 8,4
    Nordrhein-West falen 9,0 8,9
    Rheinland -Pfalz 8,6 8,3
    Saarland 9,8 9,9
    Sachsen 13,0 12,8 <==
    Sachsen -Anhalt 11,8 12,1 <==
    Schleswig-Holstein 8,8 8,7
    Thüringen 10,6 10,3 <==
    —————————————–
    Deutschland 9,3 9,1
    =========================================
    Ob sich das erst nach dem Mauerfall verschlechtert hat, wäre zu untersuchen. Es sei auch darauf hingewiesen, dass aufgrund der U3-Platzgarantie aktuell ein drastischer Sparzwang entstanden ist, der wahrscheinlich ab 2014/2015 zu einer Verschlechterung der Betreuungsschlüssel in den alten Bundesländern führt, wenn nicht gegengesteuert wird.

  4. Bei der Kinderbetreuung habe ich den direkten Vergleich. Meine Tochter besuchte den Kindergarten von 1988 bis 1992. Zwei Jahre Ost, zwei Jahre West. Bis auf die Leiterin, die den Kindergarten 1990 fluchtartig verließ, weil sie natürlich versucht hatte, politisch Einfluss auf die Knirpse zu nehmen, waren die Erzieherinnen für die Kinder sehr engagiert und ohne politischen Einfluss. Bis 1990 hatte die spielerische Beschäftigung mit dem Alter angemessenen Lehrinhalten Vorrang. Die Kinder mochten es, gingen gern in ihre Kindereinrichtung. Einer, durch die Leiterin der Einrichtung durchgeführten Veranstaltung, in der sie den Kindern von der Friedenssicherung an der Grenze erzählte, widersprach ich vehement, verbat mir weitere solcher Angriffe auf das Seelenleben (offensichtlich durcheinander gebracht) meiner Tochter. Nach 1990 hatte ich zwar diesbezüglich keinerlei Kritikpunkte mehr, jedoch Bildung der Kinder hatte nicht mehr Vorrang, sondern nur noch die Betreuung derselben. Die Erzieherinnen waren unterfordert, die Kinder gleichermaßen. Man vergab sich die Chance, Kindern in einem extrem aufnahmefähigem Alter Bildung beizubringen, sie effizient auf die Schule vorzubereiten.
    Und – ein negatives Erlebnis bleibt bis heuten in Erinnerung. 1992 – als meine Tochter in die Schule verabschiedet wurde und wir uns bei allen Mitarbeitern der Einrichtung bedankten – traten mir die Mitarbeiter der Küche mit Tränen in den Augen entgegen. Sie hatten alle auch ihre letzten Arbeitstage. Sie, die jahrelang kindgerecht und vor allem frisch gekocht hatten, mussten gehen, weil es sich nicht mehr rechnete.
    Vielleicht ist das auch ein Baustein zu Ihrer Recherche zur Kinderbetreuung… Man sollte sie vor allem nicht pauschalieren. Überall arbeiteten Kindergärtnerinnen – aber jede von ihnen hatte ihre Ideale. Und meine Tochter hatte tolle Erzieherinnen.

  5. Der Beruf der Kindergärtnerin war in der DDR gesellschaftlich recht hoch angesehen und war deshalb ein Wunschberuf vieler Frauen. Die Stellenpläne waren regelmäßig überfüllt. Es wurden Eignungstests durchgeführt. Z.B. mußte eine Bewerberin eine ausreichend laute Stimme haben, gesundheitlich, musikalisch und sportlich geeignet sein.

    Die Ausbildung war eine 3-jährige Fachschulausbildung mit Praktika. Es wurde obligatorisch ein Instrument erlernt. Zur Stundentafel gehörte:

    – Pädagogik
    – Psychologie
    – Entwicklungsphysiologie
    – Sport
    – Musik
    – Literatur
    Kunsterziehung
    Deutsche Sprache
    Marxismus/Leninismus
    Gesundheitserziehung

    Kindergärtnerinnen waren materiell Unterstufenlehrerinnen nahezu gleichgestellt. Es bestand die Möglichkeit sich durch eine Hochschulausbildung zur Leiterin weiterzuqualifizieren. Der Ausbildungsberuf der Kindergärtnerin war ein Beruf in der DDR mit 100%iger Frauenquote.

  6. Ich erinnere mich, dass ich 1978 mit jungen Frauen in Rostock sprach über Themen wie Ausbildung, Karriere, Zukunft etc. Und ich erinnere mich, wie selbstbewusst die Frauen waren und wie selbstverständlich sie den Service des Staates für sich beanspruchten (Kinderbetreuung z.B.). Übrigens weiß man auch aus der DDR Belletristik, wie sehr die Frauen den Männern voraus waren und wie hoch dementsprechend die Scheidungsquote war. Während es bei uns noch eine Frauengeneration (vor 1930 geboren) gab, die gar kein eigenes Bankkonto hatten und stets auf den Gatten und dessen Großzügigkeit angewiesen waren, haben die Mädels in Rostock nur erstaunt gelächelt, als sie danach befragt wurden.

  7. Nach meinen Erfahrungen – nein. Zwar kenne ich nur die Kinderbetreuung Ostdeutschlands aus nicht so ferner Vergangenheit, da ich mit meinen Kindern dort gelebt habe, aber es gibt noch immer zahlreiche Groß-Einrichtungen, in denen sich (auch was das Personal betrifft) nicht so viel verändert hat. Natürlich kann jeder einen Kitaplatz bekommen, zu dem Preis, dass es meist (in den großen Einrichtungen, die noch immer einen Großteil der Betreuungsplätze stellen) eben hauptsächlich um die Unterbringung des Kindes und nicht um Förderung und liebevolles Begleiten des Kindes geht… Kindergartenplätze in denen letzteres im Mittelpunkt steht – das scheint damals nicht Intention gewesen zu sein und heute gibt es sie, aber eben auch schwer zu bekommen. Dann lieber so wie ich es aus Süddeutschland kenne, wo Betreuungsplätze über die Mittagszeit hinaus zwar keine Selbstverständlichkeit sind, dafür aber dass das Wohl des Kindes im Mittelpunkt steht…

  8. Die Kinderbetreuung war zu den Zeiten möglich, wie man es auch gebraucht hat.
    Ob man dies nun richtig findet,sei mal dahingestellt, aber von Wochenkrippen(die Kinder kamen nur am Wochenende heim) bis Früh-Hort (ab 6 Uhr war ich in der Schule) gab es alles. Für uns (Baujahr 67) war es völlig normal, den ganzen Tag betreut zu werden.Natürlich war die Erziehung in der Betreuung „sozialistisch“ geprägt, aber die meiste Zeit waren wir einfach Kinder, die ganz normal gespielt haben.Und da es fast alle Kinder gleich betroffen hat und wir es gar nicht anders kannten, hat es uns auch nicht sonderlich gestört.In meiner Klasse gab es gerade mal eine einzige Mutter,die nicht Vollzeit gearbeitet hat.

  9. Leider verhielt es sich in der DDR so, daß nicht nur das Rechtauf Arbeit sondern auch die Pflicht zur Arbeit bestand. Dazu kam, daß die Verdienstmöglichkeiten sehr beschränkt waren. Viele Frauen waren ja zum Arbeiten gezwungen. Um dies zu ermöglichen, gab es eben so viele Kinderkrippen bzw. Kindergärten. Sicherlich arbeiteten mehr Frauen im Osten. Das war für mich aber ganz selbstverständlich. Ich habe nichts anderes kennengelernt. Ich bin auch der Meinung, daß die Einrichtungen wesentlich effizienter waren. Wenn ich da nur an die Beschäftigungsstunden denke: Rechnen, Malen, Sport und Schwimmen lernen. Eine Selbstverständlichkeit. Negativ an der ganzen Sache war eben nur der absolute Einfluß des SED-Regimes. Fazit: geschadet hat es mir nicht. Stehe mit beiden Beinen fest im Leben und in der Arbeitswelt.

    • ich glaube, das die Frauen, die damals generell trotz Kind
      arbeiten mussten, heute sehr darüber froh sind.
      Denn dadurch haben Sie eine viel bessere Rente als die Frauen
      die in Westdeutschland lebten und auf einmal merken wie wenig sie Rente bekommen.

  10. Ja es gab für alle Kindergartenplätze.
    Die sozialistische Erziehung konnte nicht früh genug anfangen.
    Wer da ( ich bin Jahrgang 62) nicht in diese Norm gepresst werden konnte; der musste seelische und körperliche Misshandlungen arg hin nehmen.
    Kollektives Mobbing unter Anleitung der Erzieher….hießt da eben noch; sozialistische kollektive Erziehung.
    Auf dem Klo Mittagsschlaf machen zu müssen und dann dass kollektive auslachen ( alle Kinder mussten sich um mich herum stellen, mit den Finger auf mich zeigen und auslachen), weil ich beim schlafen noch eingenässt habe, waren da so Maßnahmen, die ich nicht vergesse.
    Es lebe der Sozialismus mit all seinen sozialistischen Errungenschaften?
    Für mich nicht.

  11. Ich fühlte mich in meiner Kindheit aufgehoben und beachtet.Nie allein oder mißverstanden.Besonders über die Schulzeit kann ich nichts schlechtes sagen.
    Dinge, wo man sich heute vieleicht echauffieren würde, waren für uns ganz normal und auch nicht wichtig.Zum Beispiel ging ich in eine Schule die schon recht alt war und eine Sanierung,zumindest der Heizung und der Sanitärräume notwendig gewesen wäre.Es kam schon mal vor,dass wir in Jacken den Unterricht verfolgen mußten.Trotzdem wünschte ich mir für meine Kinder dieses Schulsystem und nicht das heutige.

  12. Ich habe in der ehemaligen DDR ein Hochschulstudium im Fernstudium absolviert. Es dauerte 5 Jahre. Zu diesem Studium wurde ich von meinem Betrieb delegiert. Während der 5 Jahre heiratete ich und bekam auch ein Kind. Damit ich auch trotz Kind,das Studium beenden konnte wurde ich für die Konsultationen an der Hochschule von der Arbeit freigestellt. Der Betrieb kümmerte sich auch um einen Ü3 Platz und anschließend um den Kindergartenplatz. Unser Betrieb hatte einen eigenen Betriebskindergarten. Ich konnte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie damals erleben. Ich wünsche dies auch heute vielen Frauen. Aber wir laufen ja den Dingen hinterher. Sich wegen der Karriere gegen Kinder auszusprechen, finde ich sehr schade.

  13. Die Kinderbetreuung in der DDR war sehr viel besser. Die Erzieherinnen in meiner Kinderkrippe waren ausgebildete Kinderkrankenschwestern. Der Kindergarten in der ehemaligen DDR scheint mir besser pädagogisch Organisierter und alltags tauglicher für die Kinder gestaltet worden zu sein. Die Meinung das der Statt sehr viel Politischen Einfluss auf die Erziehung hatte kann ich leider so nicht teilen, wie konnten dann so viele Menschen 1989 dann auf die Straßen gehen. Mein Kindertage möchte Ich ohne dieser Erfahrung nicht missen die zur Prägung meiner Persönlichkeit dazu gehören.

  14. Es gab 100% für jedes Kind einen Kitaplatz selbst wenn man Hausfrau war durfte das Kind in die Kita.

  15. „Haben in der DDR mehr Frauen gearbeitet?“

    Mit Sicherheit nein, da die DDR nur ca. 1/4 der Einwohner der Bundesrepublik hatte.

    Wenn die Frage lauten würde, war der prozentuale Anteil der arbeitenden Frauen in der DDR höher, dann ja. Ich bin mir sicher, das weit über 70 % der Frauen in der DDR gearbeitet haben.

  16. Die Kinderbetreuung war besser, es hat ja fast jede Frau gearbeitet, ob die Qualität besser war weiß ich nicht, man hatte das Gefühl das die Frauen gleichgestellt waren

  17. Ich bin 1960 geboren,ich bin aus dem Staunen nicht raus gekommen wie Frauen im westen Deutschlands behandelt werden.Ich bin im Dienstleistungsgewerbe tätig.

    (Der Beitrag wurde editiert)

  18. Natürlich war die Kinderbetreuung in der DDR viel besser. Ich kann mich an meine Kindheit noch gut erinnern. Unsere Nachbarskinder gingen alle in den Kindergarten. Ich leider nicht, da meine Mutter Hausfrau war. Ich habe immer sehnsüchtig gewartet bis diese endlich abgeholt wurden und wir dann gemeinsam spielen konnten. Außerdem war ich oft neidisch, wenn ich gehört hatte, was sie im Kindergarten erlebt haben. Das setzte sich in der Schulzeit fort. Während ich nach der Schule nach Hause ging durften meine Schulkameraden in den Hort. Haben dort ein warmes Mittagessen preiswert erhalten (über den Geschmack läßt sich sicherlich streiten) und haben gemeinsam die Hausarbeiten gemacht. Außerdem haben sie viel unternommen.
    Als wir dann selber Kinder hatten, sind diese auch in die Kinderkrippe und den Kindergarten gegangen. Es war nicht immer ganz einfach einen entsprechenden Betreuungsplatz in der Nähe zu erhalten. Das war bei unserem Sohn (Jahrgang 1979) komplizierter als dann bei unserer Tochter (1982). Neben dem Vorteil, dass wir beide voll arbeiten konnten haben die Kinder auch sehr viel gelernt. Sie waren in jedem Fall schneller „sauber“. Auch wenn Prof. Pfeiffer dieses kollektive Töpfchensitzen als Ursache krimineller Entwicklungen sieht, kann ich nur über soviel Dummheit nur lächeln. Unsere Kinder sind jedenfalls davon nicht ins kriminelle Milieu abgeglitten. Im Gegenteil, sie haben sich beide sehr positiv entwickelt. Auch sie schwärmen heute noch von ihrer Zeit im Kindergarten und in der Schule und erzählen ihren Kindern davon.

  19. Ich bin auch in die Kinderkrippe gegangen und auch meine Kinder sind gern in die Krippe gegangen.Es war wie eine große Familie.

  20. Die Frauen in der DDR haben mehr gearbeitet. Wenn berufstätige Frauen nach Feierabend IRGEND ETWAS einkaufen wollten.Entweder die Partei oder die Leute aus den befreundeten Nachbarländern waren schneller . Also mussten die Frauen in der Mittagspause losrennen um etwas zu bekommen.Nur ein Beispiel ……..

  21. Meine drei Kinder waren alle in einer Kindertagesstätte. Die wohnungsnahen Einrichtungen waren überall in der Stadt verteilt. Es waren Gebäude mit zwei Eingängen, wovon einer die Kinderkrippe und eins der Kindergarten war. Deshalb wurde es Kinderkombination genannt. Die Betreuung war kostenlos, nur ein sehr geringer Beitrag für das Essen war zu entrichten. Die Kinder wurden von 05:00 bis 17:00 betreut. Sie spielten, aßen, und schliefen zur Mittagszeit zusammen. Sie lernten viel über Umwelt, Farben, Zahlen und sonstiges, was sie schon sehr gut auf die Schule vorbereitete.
    Während der Schulferien, wenn die Eltern arbeiteten, gab es sogenannte Ferienspiele, wo eine Ganztagsbetreuung kostenlos, nur für ein Essengeld, angeboten wurde. Dort wurden jeden Tag andere Ausflüge, Kinobesuche, Badetage, Wandertage usw durchgeführt.
    Durch diese Betreuungsmöglichkeiten waren fast alle Frauen berufstätig. Zumindest eine verkürzte Arbeitszeit von täglich 4 oder 6 Stunden war jeder Frau ein Bedürfnis und half das Familieneinkommen zu verstärken.

  22. Die Kindergärten waren super, die Kindergärtnerin hat jeden Tag gefragt ,ob der Sandmann auf der Wolke daherkam .(verstehen nur Deutsche aus Mitteldeutschland )

  23. Es gibt dazu eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung. Demnach kann flächendeckende von einer nahezu vollständigen Abdeckung gesprochen werden. Die Studie spricht von 80% für Krippen, 95% für Kindergärten und 80% für Grundschulhorte. Die bloße Gegenüberstellung der Zahlen in Ost- und Westdeutschland ist aber irreführend, da es auch noch andere wichtige Aspekte gibt:
    http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2001-003.pdf

    In der Bundesrepublik ist die Erziehung der Kinder Aufgabe und Recht der Eltern und Erziehungsberechtigten, also eine Familienangelegenheit. Außerhäusliche Betreuung wird eher als Kompensation dazu gesehen. In der DDR war die Erziehung eher eine Staatsaufgabe im Rahmen einer einheitlichen Erziehung, an die die Grundschule anschloss. Dazu gehört natürlich auch die ideologische Beeinflussung der Kinder, beispielsweise politisch (Liebe zur Sowjetunion) oder militaristisch (Kriegsspielzeug, Tag der NVA). Obwohl es keinen Zwang zum Besuch einer außerhäuslichen Betreuung gab, kann davon ausgegangen werden, dass ein Besuch dieser Einrichtungen von Seiten des Staates durchaus erwünscht war. Ein Beleg dafür ist die starke Subventionierung dieser Einrichtungen.

    Ein weiterer Unterschied ist, dass in der DDR eine einheitliche Erziehung (zu „allseitig und harmonisch entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten“, so die offizielle Formulierung) wichtiger war als die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Dem entspricht auch, dass es neben staatlichen und einigen betrieblichen Einrichtungen so gut wie keine in freier Trägerschaft gab.

    Weiterhin ist zu beachten, dass die hohe außerhäusliche Kinderbetreuungsquote nicht automatisch die Emanzipation der Frauen im Beruf bedeutet. Frauen sind zwar in der DDR von Anfang an rechtlich gleichberechtigt und die Gleichberechtigung der Frau wurde vom Staat bzw. von der SED öffentlich propagiert. Auch wenn ein gewisser Modernisierungsvorteil gegenüber der Bundesrepublik festgestellt werden kann, kann von Gleichberechtigung keine Rede sein. Traditionelle Rollenmuster führten zur Mehrfachbelastung von Frauen in Familie und Beruf (vgl. DDR-Kinderbücher oder DDR-Kinderlieder). Teilzeitbeschäftigung war in der DDR für Frauen wenig verbreitet, wurde eher als Option für kranke oder ältere Arbeitnehmerinnen gesehen. Die vollzeitbeschäftigte Frau entsprach dem offiziellen Rollenbild, die nicht berufstätige Hausfrau oder der kinderlose Singel widersprach diesem offiziellen Bild.

    • Worauf es ankommt ist Menschlichkeit und Solidarität.Warum ist es denn so schlecht,wenn man das Gemeinschaftsempfinden fördert und nicht den Egoismus wie es heutzutage der Fall ist.
      Sie betreiben Propaganda für den freien Kapitalismus bzw den freien Markt.Brauchen wir diese Freiheit?

  24. Ja – das stimmt tatsächlich! Wir DDR-Kinder sind fast alle in den Kindergarten gegangen. Es gab für jedes Kind ein schmackhaftes Mittagessen, das genauso wie das Frühstück, gemeinsam eingenommen wurde. Die kleineren Kinder machten nach dem Essen Mittagsschlaf. Wir haben viele Lieder gelernt (auch Volkslieder), waren in der Natur unterwegs u .a. auch Heilkräuter sammeln, haben Theater gespielt usw. usw. Jedes Kind konnte sich nach seinen Talenten entwickeln! Das war auch in den Schulen so. Es gab Nachmittags Arbeitsgemeinschaften: z.B. Theatergruppe, Chor, Musikunterricht zum Erlernen eines Instrumentes, Junge Sanitäter, Malen, schreibende Schüler und noch einige andere mehr.
    Ich war jeden Nachmittag beschäftigt und habe viel gelernt.
    Bei meinen Enkeln habe ich es total anders erlebt, und erlebe es nach wie vor täglich aufs neue. Oft genug muß ich als Oma einspringen, weil die Arbeitszeiten meiner Tochter und die Öffnungszeiten des Kindergartens nicht harmonieren. Außerdem waren die Kindergärten auch in den Ferien in der DDR geöffnet. Hier muß man sehen, wo die Kinder in dieser Zeit untergebracht werden können. Es gibt ja auch Familien ohne Oma und Opa.
    Zudem gab es in der DDR Ferienspiele oder Ferienlager, die sich jede Familie leisten konnte!
    Ich habe einmal meinem Enkel hier in der BRD ein Ferienlager bezahlt : 420,00 DM. Das konnte ich mir nur einmal leisten!
    In dieser Beziehung war die DDR der BRD weit voraus.

  25. Ob es für jedes Kind einen Betreuungsplatz, in der DDR, gab entzieht sich meinen Kenntnissen, aber viele Eltern mußten lange Wege, bis zur KITA zurücklegen.
    Frauen waren nicht emanzipierter, nur das Miteinander in der Ehe war ausgeprägter.

  26. Ich bin froh das ich immer auf Arbeit gehen konnte.trotz zweier Kinder.Ich habe zwei Berufsabschlüsse .Meine Jungs sind selbstbewußte Männer geworden,sie sind in Krippe und Kindergarten gut betreut worden.Frauen wurden durchaus unterstützt.Damit will ich nicht sagen das es leicht war,aber für dasSelbstbewußtsein war es sehr gut.

  27. Ja das stimmt. Ich habe beide Seiten kennen gelernt. Bei meinem ersten Sohn, das DDR Muster und bei meinem zweiten Sohn das Bundesrepublik Muster. Und ich muss sagen, das DDR Muster war einfacher und besser durchdacht wie das von der Bundesrepublik. Und zwar für beide Seiten. Für Kind und Eltern. Ich musste mir keine Gedanken um Öffnungszeiten oder gar um Mahlzeiten der Kita sorgen. Es gab ein Rundumpaket, was sogar bezahlbar war. Bei meinem zweiten Sohn, der dann in BaWü aufgewachsen ist, gab es riesige Diskusionen als es um die Ganztagsbetreuung ging. Wenn das Kind schon morgens in die Kita kommt, darf es nicht mehr am Nachmittag kommen, dürfen Kinder überhaupt einen Mittagsschlaf in der Kita machen, was und wer darf für die Kinder kochen und und und. In der DDR wurde da gar nicht diskutiert. Es wurde angeboten, entweder man nimmt davon Gebrauch oder nicht. Fertig. Und die Kinder sind auch in der DDR sehr gerne in den Kindi gegangen und haben dort auch richtig was gelernt.
    Die Frauen waren dort zu 99 % berufstätig und konnten selbst entscheiden wie lang das Kind in den Kindergarten geht und ohne das Kind schon direkt nach der Zeugung anmelden zu müssen.

  28. Ja,wenn gleich ich dsagen muss, es lag sicher auch daran, daß wir Frauen gebraucht wurden. Wir waren denn Männern gleichgestellt.

  29. Beitreuungsplätze:
    In der Tat gab es in der DDR mehr Betreuungsplätze für Kinder als in der Bundesrepunklik. Aber die Ursache lieht in zwei Umständen: (1) Auch verheiratete Frau mussten in der DDR durch ihre Arbeit zum Lebensunterhalt beitragen. (2) Die DDR nahm die kleinen Kinder gerne unter die staatseigene „Obhut“, um so zeitig die staatliche Ausrichtung einzuleiten, z.B. auch durch die sog. vormilitärische Erziehung.

    Qualität der Kinderbetreuung:
    Ausgehend vom pädagogischen Ansatz der Kinderziehung in der Bundesrepublik war die Kinderbetreuung in der DDR nicht besser. Vielmehr gelang es dem Staat in der DDR, bereits die Kinder politisch „auf die richtige Spur“ zu bringen.

    Arbeit der Frauen in der DDR:
    Ja, die Frauen haben mehr gearbeitet. Aber die Ursache liegt in dem zwangsläufigen Umstand, dass auch verheiratete Frauen durch ihre Arbeit zum Lebensunterhalten der Familie beitragen mussten.

    • War dass in Berlin so??
      Ich habe derartiges weder in meiner Schulzeit kennengelernt, noch habe ich keinerlei Erinnerungen, dass eines meiner 3 Kinder politisch gedrillt wurden … weder in KK, KG noch in der Schule.

  30. Es ist richtig, es gab viele Kinderbetreuungsplätze.Mein Kind besuchte Kinderkrippe und Kindergarten.

  31. Frauen gingen genauso selbstverständlich arbeiten, wie Männer. Meine Mutter war mit mir alleinerziehend in der DDR. Natürlich ging ich in die Krippe und dann in den Kindergarten. Es gab für jedes Kind einen Platz. Es war selbstverständlich. Und oh Wunder, ich habe mich ganz normal entwickelt, bin nicht Beziehungsgestört und habe auch studiert. Leider wird man hier eher als Rabenmutter gesehen, wenn man sein Kind in die Betreuung gibt.
    Einige Frauen sind in Westdeutschland leider heute noch nicht emanzipiert. Bleiben auch aus Bequemlichkeit lieber zu Hause und begeben sich in die Abhängigkeit. Ist glaube ich auch eine Erziehungssache.

  32. Kinderbetreuung war flächendeckend, aber auch dominierend.
    Mir war es nicht möglich, nach dem zweiten Kind noch drei Monate länger zu Hause zu bleiben, mir wurde mit Versetzung gedroht.
    Es gab auch die Wochenkindergärten und Krippen, für mich Auswüchse des Wunsches nach Vollbeschäftigung der Mütter und Väter. Montags wurden die Kleinen abgegeben und Freitags wieder abgeholt. Meist waren solche Einrichtungen in der Nähe von Kombinaten, in denen viele Frauen arbeiteten.
    Wir Frauen konnten selbst bestimmter leben, aber die freie Wahl hatten wir nicht.

  33. Ich bin jedes Jahr zwei Wochen ins Ferienlager gefahren. Das hat meine Eltern gerade einmal 8 Mark gekostet. Heutzutage zahlt man dafür fast ein Vermögen. Und samstags hatten wir noch vier Stunden Schule. In den untersten Schulklassen gab es auch eine Hortbetreuung, die bis 16 Uhr ging. Schulbeginn war bei uns übrigens schon um 7.00 Uhr. Auch an den in den Sommerferien stattfindenden Ferienspielen waren die Lehrer mit eingebunden. Da wurden dann Ausflüge unternommen, gespielt, gebastelt, Verkehrs-AGs durchgeführt und dergleichen mehr.

  34. Die Frauen durften schon zuhause bleiben. Allerdings wurde die Berufstätigkeit durchaus gefördert. Und man war ja auch auf ein zweites Einkommen angewiesen. Ich hatte einen Klassenkameraden, der nicht in den Kindergarten ging. War also kein Problem.

  35. Hier im westlichen Teil Deutschlands gab es früher, viel mehr Mütter, welche sich überwiegend, um Haushalt und Betreuung der Kinder gekümmert haben, gerade in den Familien, wo die Männer gut verdienten … Wir hier auch Kindergärten hatten, wenn die Eine oder Andere arbeiten mußte, nur war es keine Pflicht, sein Kind in den Kindergarten zu schicken … Die Mütter früher auch in den Grundschulen mitgeholfen haben und auch auf die ersten Ausflüge und Klassenfahrten mitgekommen sind, wenn es ihnen möglich war … Es in der DDR mehr Betreuungsplätze geben musste, da es sich bekanntlich, um den berühmten Arbeiter und Bauerstaat handelte, wo keine Frau zu hause bleiben durfe, um sich allein, um Familie und Kind zu kümmern …
    Hier ist der passende Link dazu: http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/ddr/leben_in_der_ddr/alltag.jsp

    • Im der BRD gibt es ein Gesetz zur freien Meinungsäußerung. Sie dürfen gerne von diesem Recht Gebrauch machen, aber das nächste Mal bitte mithilfe der neuesten Auflage des Duden zur Kontrolle von Rechtschreib- und Satzbaufehlern! Herzlichen Dank!

    • Keine Frau war verpflichtet arbeiten zu gehen, man konnte sich nur mehr leisten wenn beide erwerbsfähig waren, denn Haushaltsmittel (außer Lebensmittel) waren sehr teuer.

  36. Die Kinderbetreuung in der DDR war super. Es gab für jedes Kind einen Kita- bzw. Krippenplatz. In den Kindergärten wurde viel gelernt und selbst den Kleinsten schon viel beigebracht. Es wurden gemeinsame Mahlzeiten eingenommen und gemeinsam gespielt. Es gab Regeln, die für das weitere Leben sehr wertvoll sind. Unser Kindergarten hält diese Regeln auch heute noch bei, worauf ich sehr stolz bin. In vielen westdeutschen Kindergärten (wenn es welche gibt), ist das nicht so. Es gibt ein Buffett. Jedes Kind kann innerhalb von 3 Stunden essen wann es will. Auch die ganze Schulbildung war viel besser. Wir hatten ein einheitliches Schulsystem. Es gab Noten von der 1. Klasse an und wir lernten gleichzeitig die Schreib- und Druckschrift von Anfang an mit einem Füller. Wir haben selbst 2 Kinder und ich bin von dem heutigem Schul-/Bildungssystem nicht sehr überzeugt. Es werden keine Diktate mehr geschrieben, was sich deutlich in der Rechtschreibung wiederspiegelt. Unser Jüngster fängt jetzt mit Bleistift an zu schreiben und auch nur Druckschrift. Noten gibt es erst ab der 3. Klasse. Statt dessen wird gelernt, wie man sich am besten verkauft und darstellt – Schauspielunterricht. Der Wechsel auf die nächste Schule (in der 5. Klasse) ist dann doppelt schwer. Das Zusammenspiel zwischen Lehrern und Eltern war in der DDR viel besser. Heute steht man als Eltern oft allein und hilflos dar. Die Lehrer haben heute nur noch mit sich selbst zu tun und sind völlig fertig. So etwas gab es in der DDR nicht und dort haben die Lehrer auch noch Nachmittag´s fakultative Kurse gegeben. Es gab viele Wandertage und Klassenfahrten (kostenlos) und wir hatten noch am Samstag Unterricht.

    • Ziel des Regimes war es, dass die Frauen arbeiten gehen und in dieser Zeit die Kinder in der Krippe oder im Kindergarten abgeben. Manche Leute sehen in der hohen Quote arbeitender Frauen der DDR noch heute ein Gutes dieses Staates, das Kindergartenregime eingeschlossen. In Wahrheit unterlagen die Frauen der DDR häufig einer noch größeren Ausbeutung, ja geradezu Diskriminierung, als die Männer. Die meisten Frauenberufe gab es in der miserabel bezahlten Leichtindustrie oder bei Dienstleistungen. Ich erinnere mich an Verkäuferinnen in Gemüseläden, die die schweren Kästen und Säcke, ja sogar die Kohle für die Heizung schleppen mussten. Das war harte und sehr schlecht bezahlte Knochenarbeit. Wie sehr die Arbeit und Leistungsfähigkeit der Frauen missachtet wurde, zeigt der verschwindend geringe Anteil bei Führungspositionen. In Betrieben mit hohem Frauenanteil, zum Beispiel in der Spinnerei oder Weberei, waren die Führungsposten überwiegend mit Männern besetzt. Noch weiter »oben« war ihr Anteil nahe null. Der hohe Anteil berufstätiger Frauen bedingte eine entsprechende Zahl von Krippen- und Gartenplätzen. Gerade Letztere sollten zur Erziehung der Kinder im Sinne der Politik von Partei und Regierung beitragen. Erster Grundsatz war die atheistische Erziehung. Die Kinder sollten zudem vorbereitet werden auf die sozialistische Schule der Deutschen Demokratischen Republik. Darauf waren das Erziehungsprogramm und die Ausbildung der Erzieherinnen abgestellt. Junge Pioniere, das Vorbild Nationale Volksarmee, die führende Rolle der Partei u. a. m. waren Teil dessen, was im Kindergarten an Arbeit geleistet werden sollte. Wir nennen es heute Indoktrination, ein Begriff, der uns in seiner Tragweite nicht bewusst war. Die Vorteile der Kindergartenerziehung, Selbständigkeit, Vorschulerziehung und -bildung, kurz Persönlichkeitsförderung, haben uns glauben gemacht, dass der Kindergarten eine feine Sache sei. Nicht ohne Grund aber waren die Kindergärten Teil des »Einheitlichen sozialistischen Bildungssystems der DDR«. Relativiert wird es nur dadurch, dass viele Erzieherinnen (Männer habe ich nicht gesehen) versucht haben, die Forderungen der Ideologie zu ignorieren oder abzumildern und sich möglichst auf eine wirklich kindgerechte Erziehung zu konzentrieren. Das war beispielsweise zum Teil bei unseren drei Kindern so. Sie sind bis zum dritten Lebensjahr zu Hause geblieben, und danach haben sie bis zur Schule den Kindergarten und in den ersten Schuljahren den Hort besucht. Ihnen hat der Besuch des Kindergartens sehr geholfen, im Leben besser zurechtzukommen.

  37. Die Frauen konnten arbeiten gehen, ist vielleicht nicht die richtige Aussage. Die Frauen mußten arbeiten gehen. Auch wenn die Lebenshaltungskosten gering waren, verdiente der Mann nicht soviel, daß die Frau zu Hause bleiben konnte. Mein Vater hat als Koch im Monat 300,- Mark verdient. Auch wenn die Miete nur bei 50,- Mark lag, konnte damit keine Familie ernährt werden. Die Kinderbetreuung ist mit Betreuung von hier nicht zu vergleichen. Was sind das hier für Zeiten, morgens um 09:00 Uhr das Kind in den Kindergarten bringen aber um 12:00 Uhr schon wieder abholen. Ich selber war von 07:00 Uhr morgens bis nachmittags 16:30 Uhr im Kindergarten. Mit Frühstück, Mittagessen, Schlafen und Nachmittag Kuchen essen alles inbegriffen. Die Kinder waren den ganzen Tag aufgehoben, waren immer unter Kindern und haben die Erzieher auch als Respektperson angesehen.

  38. Die ZDF-Doku von 1973 trifft es schon sehr gut vor allem hinsichtlich des pädagogischen Konzepts, das zuhause nur von Mutter so nicht zu leisten wäre. Schade dass das freie Spielen nicht zu sehen war, denn das war wirklich die Gelegenheit für Individualität, Vorlieben, Freundschaften, Streit usw.. So habe ich es nämlich selbst persönlich erlebt ein paar Jahre später. Bei uns wurde vielleicht noch mehr gesungen sowie gebastelt und gemalt, jedenfalls habe ich am letzten Tag eine dicke Mappe mit meinen „Frühwerken“ mit nachhause genommen.

    Im Ergebnis waren die Kinder bei Schuleintritt auf einem ähnlichen Level und es konnte in der 1. Klasse richtig losgelegt werden. Bis Weihnachten konnten dann idR. alle mehr oder weniger Lesen und Schreiben. Defizite in Ausmaßen wie sie heute sogar in den weiterführenden Schulen – auch auf dem Gym – ausgeglichen werden müssen, waren wirklich unbekannt.

    Und für die „richtige politische Linie“ haben sowieso meine ELtern zuhause gesorgt, die sich da auch nicht reinreden lassen haben. Ich wusste schon früh als Kind wann ich wie wo und was erzählen konnte oder auch „auf Durchzug schalten“ konnte.

  39. Die Kinderbeteuung war besser in der DDR, so konnte ich arbeiten gehen, meine Kinder groß ziehen und war finanziell unabhängig.Dieses vermisse ich jetzt sehr, wie unsere Kinder darum käpfen müssen. Die frauen sind doch immer noch abhängig von ihren Männern, die ja meist nur arbeiten gehen können, da die Frauen zu Hause sind und die Kinderbetreuung alleine übernehmen.

  40. „War die Kinderbetreuung qualitativ dem Westen voraus?“ Das kann man so nicht sagen, die Kinderbetreuung war anders- teilweise viel umfangreicher und bezog auch die Jugendlichen mit ein.

  41. Ich denke schon das in der DDR mehr Frauen gearbeitet haben, weegen der Kinder mußte schließlich niemand wirklich zu Hause bleiben. Das war auch nicht gern gesehen. Die DDR hat sich da auch gern als Vorreiter gesehen. nur war es den Frauen nicht wirklich freigestellt zu entscheiden ob Sie lieber arbeiten gehen oder wegen der Kinder zu Hause bleiben. Alleinerziehend hatte man da sowieso keine Wahl. In der DDR arbeitslos zusein war genausowenig ein Zuckerschlecken wie heute in der BRD.

  42. Richtig ist schon das für jedes Kind ein Kitaplatz da war.Es sollte niemand zu hause sitzen, die Kinder von Angang an im Sinn der Politik erzogen werden. Positiv war es schon das die Kinder und Jugendlichen nicht sich selbst überlassen waren, es gab ein sehr großes Angebot an Möglichkeiten. Viel besser und umfangreicher als heute, diese Möglichkeiten waren vorallem auch bezahlbar, was man heute nicht sagen. Die meisten Jugendclubs oder Kinder – und Jugendtreffs sind nach der Wende geschlossen worden umd Betroffenen hat sich niemand gekümmert. Die meisten Kinder und Jugendlichen waren fast von heute auf morgen sich selbst überlassen und hatten keine Ansprechpartner mehr. Das rächt sich immer.

  43. Auf jeden Fall, das stimmt.
    Ich konnte mit Anfang 20 zwei Kinder zur Welt bringen, nebenbei studieren, bzw. eine Auszeit nehmen, bekam erhöhtes Stipendium und sofort einen Krippenplatz und einen entsprechenden Wohnheimplatz für studierende Mütter mit Kind.
    Auch nachdem ich den Studienort aufgrund der schwächelnden Gesundheit eines meiner Söhne wechseln musste, gab es sofort eine Unterbringungsmöglichkeit im Wohngebiet. Da ja Samstag noch Schule war, gab es Kindergärten, die extra für Kinder, deren Eltern Samstag arbeiten mussten, geöffnet waren.

  44. Die Kindererziehung war in der DDR wesentlich besser organisiert und besser durchgeführt als in der westdeutschen Besatzungszone. Als Jugendlicher zu Zeiten der Wende kann ich nur sagen, dass das Rumlungern an Tankstellen oder anderen öffentlichen Plätzen so niemals in der DDR gewesen ist. Man hatte als Jugendlicher und auch als Kind immer ein Rahmenangebot öffentlicher Hand, um eben in der Freizeit auch eine sinnvolle Gestaltung zu haben Sei dies das Organisieren in Vereinen oder bei Fakultativen Rahmenkursen (FKR) oder auch über die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) um dort in verschiedenen Interessenbereichen gefördert zu werden. Slche eine Möglichkeit ist mir aus der alten Bundesrepublik kostenfrei nicht bekannt.

  45. Ich habe meine Kindheit in der DDR verbracht und erinnere mich auch mit großer Freude an diese Zeit. Die Erziehung war anders als heute, man hat die Kinder von Anfang an mehr gefordert und auch mehr nachgefragt, wenn Kinder plötzlich ein auffälliges Verhalten hatten. Die Gemeinschaft hat auf jeden Fall besser zusammengehalten, ein Grund hierfür war auch mit Sicherheit, dass der Großteil der Bevölkerung einen einheitlichen Lebensstandard besaß und dadurch weniger Neid und Überheblichkeit im Vordergrund standen. Annett M.

  46. Die Kinderbetreuung war ohne Zweifel super organisiert. Ich erinnere mich nur mit Freude an meine Kita- und Schulzeit. Kinder und Eltern waren einfacher zufriedener. Wir durften Kinder sein wurden auch pädagogisch wertvoll erzogen, haben Werte beigebracht bekommen, die ich mir bis heute bewahre und meinen Kindern weitergeben möchte. Das immer ein partei-politischer Hauch dabei war, hat man als Kind gar nicht so registriert. Wie man das alles empfunden hat, hängt vielleicht auch damit zusammen, wo man gelebt hat und unter welchen familiären Situationen. Ich finde die Kinder der DDR sind bis heute viel selbständiger.

Die DDR war der Bundesrepublik bei Kinderbetreuung und Gleichberechtigung voraus – Stimmt teilweise - Stimmt teilweise

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