13.05.2013

Klaus Wiesehügel (SPD): Jeder fünfte Arbeitnehmer prekär beschäftigt – Stimmt so nicht

Jeder fünfte Arbeitnehmer arbeitet in einem „prekären“ Job. Das behauptet Klaus Wiesehügel, Steinbrücks neuer Mann für Arbeit und Soziales im Wahlkampf. Fazit: Das stimmt so nicht. Grund: Nicht jeder Job, von dem Wiesehügel spricht, ist wirklich prekär.

 

Zitat:

"Wir haben mittlerweile in diesem Land - man kann durchaus sagen - 20 Prozent, über 20 Prozent Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich in sogenannten prekären und ungeschützten Arbeitsverhältnissen befinden."

Bisherige Rechercheergebnisse:

So funktioniert's

Gibt es eine Definition für „prekäre Arbeitsverhältnisse“?

Wir gehen auf Spurensuche bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Recherche ergibt: Dort gibt es keine Definition. Die BA begründet das auf Nachfrage mit ihrer Neutralitätspflicht. Sie stehe weder auf Arbeitgeber- noch Arbeitnehmerseite.

Als Beispiel nennt die BA den Begriff „Minijob“: Dieses Arbeitsverhältnis koenne eine Notlösung und damit finanziell prekär, oder aber gewollt und unproblematisch sein.

Die Definitionsuche geht weiter: Wir landen beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der BA.

Das IAB liefert eine Definition: „Unter den Begriff „Prekäre Beschäftigung“ fallen Arbeitsverhältnisse mit niedrigen Löhnen, die häufig nicht auf Dauer und Kontinuität angelegt sind, keine Absicherung durch die Sozialversicherung und nur geringe arbeitsrechtliche Schutzrechte aufweisen.“

Das IAB räumt aber selbst ein, dass der Begriff „prekär“ umstritten sei. Besonders die Frage, ob prekäre Beschäftigungsverhältnisse immer ausgrenzend wirken oder auch einen notwendigen Beitrag zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes leisten.

Also Definitionssuche, dritter Teil: Recherche beim Statistischen Bundesamt. Das Statistische Bundesamt spricht lediglich von „atypischen Verhältnissen“, die prekär sein können, aber nicht zwingend sein müssen.

Was meint Herr Wiesehügel mit „prekärem Arbeitsverhältnis“?

Wir fragen, was Klaus Wiesehügel unter „prekären Arbeitsverhältnissen“ versteht. Nach Aussage seines Sprechers handelt es sich bei prekär Beschäftigten um Personen in Minijobs, Leiharbeiter, befristet Beschäftigte sowie Personen mit Niedriglöhnen, von denen man nicht leben könne. Dabei sei von rund 7 Millionen Minijobbern und 1,3 Millionen Aufstockern – Personen, die neben ihrem Lohn noch Sozialleistungen erhalten – die Rede. Demnach handele es sich bei rund 40 Millionen Beschäftigten in Deutschland um 8,3 Millionen Personen in prekären Arbeitsverhältnissen.

Erster Schritt: 1,3 Millionen Aufstocker – Stimmt das?

Klaus Wiesehügel geht also von rund 1,3 Millionen Beschäftigten aus, die neben ihrem Lohn noch Sozialleistungen beziehen. Wir schauen nach bei der Bundesanstalt für Arbeit. Dort gibt es eine Statistik mit dem Namen „Erwerbstätigkeit von erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Beziehern“.  Demnach waren es im Dezember 2012 exakt 1.302.824 Millionen erwerbstätige ALG-II-Bezieher. Wiesehügel hat mit seiner Aussage hier also Recht.

Zweiter Schritt: Rund 7 Millionen Minijobber gibt es – Stimmt das?

Wieder geben die Daten der BA Auskunft. Im Februar 2013 gab es demnach 7,34 Millionen geringfügig entlohnte Beschäftigte. Diese Gruppe teilt sich noch einmal auf in diejenigen, die ausschließlich in einem Minijob beschäftigt sind (4,74 Millionen), und diejenigen, die den Minijob neben einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit ausüben (2,59 Millionen).  Auch diese Aussage von Klaus Wiesehügel ist also korrekt: Das #ZDFcheck-Symbol zeigt grün – die Zahlen stimmen.

Dritter Schritt: Sind alle acht Millionen Arbeitsverhältnisse prekär?

Rund 1,3 Millionen Aufstocker, 7,3 Millionen geringfügig Beschäftigte – folgt man Wiesehügels Aussage, sind alle diese Menschen in prekären Anstellungsverhältnissen. Aber stimmt das?

Wir hinterfragen diese These und stoßen auf eine Studie der BA und des Statistischen Bundesamtes.

Die Institute befragten Menschen, die im September 2010 ausschließlich geringfügig beschäftigt waren, also als Minijobber arbeiteten. Dabei wurden vier Kategorien unterschieden: Arbeitslose, Schüler/innen und Studierende, Hausfrauen/Hausmänner und Rentner/innen. Ergebnis der Befragung: Über 90 Prozent der arbeitslosen Minijobber würden gern mehr arbeiten. Das unterstützt Wiesehügels Aussage.

In der Kategorie Hausfrauen/Hausmänner sind aber 41 Prozent mit ihrer Situation zufrieden. Das zeigt, dass man bei diesen zufriedenen Minijobbern nicht eindeutig von „prekären Arbeitsverhältnissen“ sprechen kann.

Hinzu kommt, Personen mit einem sozialversichungspflichtigen Job, die zusätzlich einen Minijob ausübten, wurden nicht befragt. Dabei handelt es sich um 2,6 Millionen Menschen. Auch hier ist demnach nicht klar, ob diese 2,6 Millionen Menschen ihre Arbeitssituation als prekär empfinden.

Somit erscheint die Schlussfolgerung, die Wiesehügel aus den Zahlen zieht, nicht zweifelsfrei belegt. Er geht mit dem Begriff „prekär“, anders als die oben zitierten Institute, eher undifferenziert um. Dass Menschen vielleicht auch freiwillig in Minijobs arbeiten, ignoriert er. Dieser Zwischencheck  wird deshalb mit rot bewertet.

Das #ZDFcheck-Fazit

Die Zahlen, die Klaus Wiesehügel zitiert, stimmen. Seine Schlussfolgerung daraus scheint stark politisch motiviert. Der Begriff "prekär" selbst ist umstritten. Es ist nicht klar, ob er eine vom Betroffenen tatsächlich als "prekär" empfundene Situation meint, oder ein zum Beispiel arbeitsrechtlich schlicht unsicheres Beschäftigungsverhältnis.

Wiesehügel geht davon aus, dass sich a l l e Minijobber, Leiharbeiter, befristet Beschäftigte und Niedriglöhner in einer prekären Situation befinden. Diese Annahme widerlegt eine Studie der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes. Zumindest ein Teil der von Wiesehügel als prekär beschäftigt genannten Arbeitnehmer war demnach mit seiner persönlichen Situation zufrieden, fühlte sich also nicht prekär beschäftigt. Darauf weisen auch unsere Nutzer in ihren Beiträgen hin: Zum Beispiel Hans Kurz.


Das #ZDFcheck-Fazit:: Die Aussage von Klaus Wiesehügel stimmt s o nicht.


Neben dem Faktencheck stellt sich die Frage des politischen Kalküls hinter der Aussage von Herrn Wiesehügel. Dazu eine Einschätzung von ZDF-Hauptstadtkorrespondent Andreas Kynast:



Dieser #ZDFcheck wurde beendet. Die Redaktion hat ein Fazit gezogen. Vielen Dank an alle Helfer für die Hinweise und Beteiligung.

Insgesamt 24 Hinweise

  1. Um auch noch zu begründen, warum es unerheblich ist, ob die i. w. S. in prekären Arbeitsverhältnissen sich Befindenden weiteren Tätigkeiten nachgehen, will ich noch Folgendes anmerken. Die hohe Zahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse zeigt eine Umstrukturierung des Arbeitsmarktes weg vom sog. Normalarbeitsverhältnis. Diese Art der Erwerbsarbeitsverhältnisse verliert relativ zur atypischen Beschäftigung an Bedeutung. Man könnte sich nun fragen, ob die Ermöglichung atypischer Beschäftigung in den vergangenen Jahren nicht auch zulasten eines größeren Anwachsens von Normalarbeitsverhältnissen ging, indem diese etwa in mehrere atypische Beschäftigungsverhältnisse aufgesplittet wurden. Ein Indiz dafür liefert das Anwachsen atypischer Beschäftigung in Bereichen des Arbeitsmarktes, die bislang nicht ausschließlich der atypischen Beschäftigung vorbehalten waren.

  2. Zu bedenken ist, dass die Aussage Wiesehügels lautete, dass sich gut 20 % „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, […] in sogenannten prekären und ungeschützten Arbeitsverhältnissen befinden.“ Ob diese Arbeitnehmer(innen) außerdem noch irgendwo zusätzlich eine sozialversicherungspflichtige Festanstellung haben oder ob sie der sog. atypischen Beschäftigung nur um des Zuverdienstes willen nachgehen, wie das bei vielen Hausfrauen/-männern der Fall ist, ansonsten aber mit den Mini- oder Minijobs, denen sie nachgehen, mehr oder minder zufrieden sind, ist für die Beurteilung der Aussage Wiesehügels unerheblich. Entscheidend ist nur, dass sie sich – so der Wortlaut Wiesehügels – in solchen Arbeitsverhältnissen befinden, was ja – wenn man die statistischen Daten ernst nimmt – fraglos der Fall ist. Wer nun jedoch weitergehende Interpretationen anstellt, wie dies im dritten Schritt des Faktenchecks unzulässigerweise getan wird, der schiebt der etwas behauptenden Person eine Intention unter, die diese Person (in diesem Fall Wiesehügel) womöglich gar nicht teilt. Daher sollte man sich strikt an den Wortlaut halten und weitergehende Spekulationen unterlassen. Es geht schließlich um Faktenprüfung und nicht um ‚Wünsch dir was!‘.

    • Hallo Slapsticker,

      genau Ihre Argumentation haben wir auch diskutiert. Aber: Die Definition der Institute von „prekärer Arbeitssituation“ in Kombination mit den Ergebnissen der Studie zur Befragung von Arbeitnehmern über ihre Jobsituation sagt aus, dass Klaus Wiesehügel mit seiner Aussage nicht recht hat. Denn zieht man die Arbeitnehmer ab, die in eben jener Studie Zufriedenheit mit ihrer Situation geäußert haben, sind es keine 20 Prozent mehr, die sich in einer prekären Arbeitssituation befinden, sondern weniger. Insofern hat Klaus Wiesehügel die richtigen Zahlen, aber die falsche Schlussfolgerung.

  3. Das Problem dürfte tatsächlich der hauptsächlich in SPD und Gewerkschaftskreisen verwendete Begriff sein. Die objektive Bedeutung ist durch übliche Statistiken kaum zu greifen, wie man an Minijobs sieht. Dazu kommt eine subjektive Bewertung der eigenen Arbeit.

    Neben den Aufstockern und einen Teil der Minijobber dürften andere Gruppen zuzurechnen sein. Beispielsweise Scheinselbständige oder verheiratete Frauen mit extrem niedrigen Stundenlohn.

    Hier eine Sammlung von Studien der Hans-Böckler-Stiftung:

    http://www.boeckler.de/themen_33210.htm

    Und zur Begriffsklärung eine Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung mit veralteten Daten:

    http://library.fes.de/pdf-files/asfo/03514.pdf

  4. Hmm, der Check läuft ein bisschen fehl, gerade wegen der (nicht einheitlichen) Definition von Prekarität.

    Prekäre Arbeitsverhältnisse sind nicht zwingend schlecht bezahlt! Auch durchschnittlich bezahlte Jobs mit Befristung führen zu prekären Lebensverhältnissen! Und die Befristungen fallen hier unter den Tisch!

    Prekarität ist nicht in Euro pro Stunde zu bemessen, sondern zunächst mal das Gegenteil von (Planungs-)Sicherheit. Das ist z.B. gerade für die Familenplanung maßgeblich. Und dass in der „Generation Praktikum“ unbefristete Arbeitsverträge bald einem Lottogewinn gleich kommen, ist ein gesellschaftliches Grundproblem. Genauso wie Zukunftsangst durch Armutsrenten.

    S. Scholl, Dipl.-Soziologe

  5. Zwei Gedanken zum Thema:
    1. Wie schon angeklungen ist: Nicht jedes der von Wiesehügels Sprecher als „prekär“ bezeichneten Arbeitsverhältnisse würden die Betroffenen als „prekär“ bezeichnen. Viele Studenten haben hauptsächlich deshalb einen Minijob und keinen Midijob (oder mehr), weil sie sonst Sozialbeiträge zahlen müssten, von denen sie definitiv nichts haben. Also studentische Arbeit ist selten „prekär“. Man kann also die (wenn ich die oben verlinkte Studie richtig querlese) eine Million Schüler und Studenten stark in Frage stellen.
    2. Aufgrund der schwierigen Definition von „prekär“ würde ich auf den zweiten Teil von Wiesehügels Aussage gehen: Er spricht auch von „ungeschützten Arbeitsverhältnissen“. Damit dürften so ziemlich alle „fraglich prekären“ Beschäftigungen wieder eingefangen werden, da (und dafür habe ich noch keine Quelle gesucht) die meisten Minijobs de facto nicht dem üblichen Kündigungsschutz, Urlaubsregelungen etc. unterworfen sind. Oder Zeitverträge sind. Und da stellt sich wieder die Frage: Ist ein Zeitvertrag „ungeschützt“…?

  6. In welcher Statistik werden Personen mit geringen Einkommen erfasst, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht „Aufstocken“?
    Wo finden sich Personen mit Einkommen über dem „HartzIV-Satz“ wieder, die zwar von ihrem Lohn leben können, aber für ihre „Einkommenserzielung“ einen prozentual hohen Anteil aufwenden müssen(Fahrten-evtl PKW, Kleidung) und dadurch wiederum realistisch betrachtet „Aufstocker“ sein müssten?

  7. Sind wirklich alle acht Millionen Arbeitsverhältnisse prekär?
    Nein!
    Allein die 2,6 Millionen Nebenjobbler sind definitiv nicht prekär Beschäftigt, das die sich ja etwas zu ihrem Hauptjob dazu verdienen. Als prekär Beschäftigt würde ich jemanden ansehen, der von diesem Minijob seinen Lebensunterhalt bestreiten muss.
    Auch sind ja 41% Prozent der Hausfrauen zufrieden mit ihrem 450€ Job. Die 58% die mehr arbeiten wollen würden, meinen damit sicherlich das sie Sozialversicherungsfrei gerne mehr verdienen wollen. Aber das bleibt Spekulation. Fakt ist, die Aussage das 20% der Beschäftigten prekär Beschäftigt sind ist falsch, aber die Aussage das 20% der Beschäftigten Geringverdiener sind ist richtig!
    Also die meisten Minijobs sind so gewollt und daher bleibe ich dabei, das Hauptaugenmerk ist auf die Arbeitslosen zu richten, die einen Arbeitsplatz brauchen um endlich ein Leben beginnen zu können, da ALG II lediglich das Überleben sichert! Es ist zwar nett gemeint sich um die Geringverdiener zu kümmern, aber letztendlich sind die für ihren Lohn selbst mitverantwortlich. Primäre Aufgabe des Staates muss es sein die Schaffung von noch ca. 4 Millionen Sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen zu fördern. Soweit meine Ansicht der Fakten und meine kleine bescheidene Meinung!

    • Ich verstehe deine Aussage nicht wirklich, denn eigentlich sagst du nur, dass Hausfrauen mit Minijob nicht prekär beschäftigt sind. Dies aber nur wenn sie nicht auf das Geld angewiesen sind.
      Wenn ich den Minijob zusätzlich zu einem anderen Job benötige um über die Runden zu kommen, so bin ich sehr wohl prekär beschäftigt.
      Wenn ich nur Minijobs habe, evtl. mehrere davon so bin ich auch prekär beschäftigt.

      Allgemein: Wenn ich einen Minijob zwingend brauche so bin ich nach den gängigen Definitionen prekär beschäftigt.
      Also sagst du letztlich, dass von den 2,6M die Mehrheit Hausfrauen sind und den Job eigentlich nicht brauchen?

      Auf den Rest der Aussage gehe ich nicht ein.

      Offensichtlich ist der Begriff „prekär“ sehr schwer genau zu definieren.
      Wenn man nach der Definition von IAB geht, so sind sogar alle mit einem Zeitvertrag prekär beschäftigt.

      lg

    • Hallo Bluescreen_o_D

      Nebenjob, das sagt doch schon der Name, es ist ein Zweitjob. Und in der Statistik der BA sind diese Nebenjobs bei den 7,3 Millionen gering Beschäftigten aufgeführt, laut dem Unterpunkt hier beim ZDF (Dritter Schritt: Sind alle acht Millionen Arbeitsverhältnisse prekär?) sind eben 2,6 Mio. Menschen in einem Nebenjob, sprich die haben einen Hauptberuf, in dem sie Sozialversicherungen bezahlen und sie haben dann zusätzlich noch einen 450€ Job um ihr Gehalt aufzubessern. Diesen tun sie frewillig und wohlwissend das der Verdienst auf 450€ begrenzt ist. Diese Menschen sind also nicht prekär Beschäftigt, das sie den Nebenjob nicht zum Leben brauchen, aber ihn haben um sich noch mehr Luxus zu gönnen, den sie ja auch haben sollen. Und mit den restlichen 4,7 Mio. Minijobbern sieht es ähnlich aus, das sind meist Ehefrauen die zum Beispiel die Rechnungen für einen Handwerksmeister schreiben und dreimal die Woche für fünf Stunden kommen, also auch nicht prekär Beschäftigt, da ihre Ehemänner gutes Geld mitbringen.
      Nein das Problem liegt nicht bei den 7,3 Mio. gering Beschäftigten, die kommen klar. Nein das Problem liegt bei den 3,1 Mio. Arbeitslosen, die haben gar kein Einkommen, die bekommen Almosen, da müssen wir helfen, denen müssen wir wieder Arbeit anbieten können, dazu sollte man Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze fördern. Leiharbeit ist dafür ein Weg, aber nicht der beste und bei weitem nicht der einzige. Aber andere Wege möchte die CDU geführte Bundesregierung hier ja momentan nicht gehen, denn man holt sich ja nicht selbst die Konkurrenz ins Geschäft. Bedenken Sie die Klientel der Parteien, in der CDU sitzen viele Handwerksmeister usw. Nur mal so nebenbei! Politik lebt von Meinungen und Mehrheiten und Meinungen machen Mehrheiten!

    • Hallo Herr Kurz

      Die Annahme, Arbeitnehmer mit sozialversicherungspflichtiger Arbeit würden nur aus Luxusgründen einen Minijob annehmen ist denke ich höchst fragwürdig.
      Ich möchte das jetzt nicht mit Beispielen ausführen, jedoch kann ich das gleichstellen von sozialversicherungspflichtiger Arbeit mit einem ausreichenden Einkommen nicht so stehen lassen.

      Aber sie haben Recht, dass ein Teil der 2,6 Mio. Menschen nicht prekär beschäftigt sind, wie groß dieser Teil(Freiwillige) ist kann ich jedoch nicht beurteilen.(evtl. sind Daten verfügbar, ich kann die Studie der BA leider momentan nicht einsehen)

      Letztlich sei noch gesagt, der oft genannte Satz „sozial ist, was Arbeit schafft“ trifft nicht zu.
      Arbeit von welcher man nicht leben kann bringt dem betroffen nicht mehr als ALGII.
      Insofern muss das Ziel nicht in der Schaffung von möglichst viel Arbeit liegen sondern in der Schaffung sicherer und auskömmlicher Arbeit.

      lg

  8. Die Anzahl an Schwarzarbeitern wird in keiner Studie erhoben, man sollte ihre unbekannte Menge evtl. berücksichtigen, wenngleich ihre Anzahl vergleichsweise gering sein mag.

    • Schwarzarbeit, die z. B. auf dem Bau von gelegentlicher stundenweiser Arbeit für private Auftraggeber bis hin zum Vollzeitjob bei einem Subunternehmer reichen kann, bedeutet ja auch, dass außer Steuern auch keine Sozialversicherungsbeiträge entrichtet werden und daher der Arbeiter für seine als Schwarzarbeit geleistete Tätigkeit zum Beispiel keine Rentenanwartschaft aufbauen kann. Insoweit handelt es sich m. E. um ungeschützte Arbeitsverhältnisse.

  9. Auch wenn das für die Analyse jetzt nicht unbedingt hilft: die Böckler-Stiftung definiert prekäre Arbeitsverhältnisse „Menschen, die nicht aus dem Erwerbsleben herausfallen, denen es aber auch nicht gelingt, sich eine statussichere und auf Dauer gestellte Position in der Arbeitswelt zu erobern“.

  10. Laut Agentur für Arbeit gab es im Februar 2013 28.988.000 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 7.340.000 geringfügig Beschäftigte (alos Beschäftigte die keine Sozialverischerungsbeiträge zahlen). Ebenfalls im Februar gab es 3.156.000 Arbeitslose, also ALG I + II Empfänger und 905.000 Unterbeschäftigte, also Aufstocker.

    Also gab es im Februar 2013 8.245.000 Beschäftigte die keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen oder aufstocken und somit insgesamt 37.233.000 Beschäftigte und 3.156.000 Arbeitlose. Also 22 % der Beschäftigten Menschen im Februar zahlen keine Sozialversicherungsbeiträge oder stocken auf und sind somit wohl prekär Beschäftigt. Hier liegt nun das Problem, da die Bundesagentur ja wie hier auch schon erwähnt, nicht die Gründe für einen Minijob oder Aufstocker aufführt. Zu den Minijobs gehören auch die Nebenjobs. Aber man kann schon sagen das 20% aller Beschäftigten Geringverdiener sind, manche aber wohl auch weil sie es so wollen (Nebenjob), viele auch aus Gründen der Teilzeit, Mütter die ein bisschen dazu verdienen aber nicht voll Arbeiten wollen. Also ja es sind 20% Geringverdiener, aber wieviele davon als Prekär Beschäftigt, also in einer Notlage sind, ist mit Statistischen Mitteln wohl nicht erhoben worden und daher bleibt es Spekulation.

    Fakt ist, wir haben ca 3 Mio. ALG I+II Empfänger die wollen Arbeiten und zwar Sozialversicherungspflichtig unterstelle ich jetzt mal und dann haben wir ca. 900.000 Aufstocker, die z.T. sogar Sozialversicherungsbeiträge zahlen aber trotzdem Staatlich subventioniert werden. Wir benötigen also noch ca. 4 Mio. Sozialversicherungspflichte Arbeitsplätze, darüber sollte man sich Gedanken machen, wie können wir diese Arbeitsplätze schaffen?

    Quelle: http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Arbeitsmarkt-im-Ueberblick/Arbeitsmarkt-im-Ueberblick-Nav.html

    Definition Geringfügig Beschäftigte laut Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Minijob

    Definition von Aufstocker laut Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstocker

  11. Unklar also frei zur Interpretation ist die Aussage „ungeschützt“. Was ist damit gemeint: ohne Kündigungsschutz, ohne Arbeitsvertrag, ohne Arbeitssicherheit, ohne?

  12. Zum Thema: was sind prekäre Arbeitsverhältnisse gibt es hier weiterführende Informationen: http://www.lohn-info.de/prekaere_arbeitsverhaeltnisse.html

  13. Befristete und Leiharbeitsverhältnisse dürfen nicht mit Niedriglohn-Arbeitsverträgen gleichgesetzt werden. In ersteren muss man nicht zwangsläufig wenig verdienen.

  14. „Der Anteil der Niedriglöhne ist bei Berechnung einer gemeinsamen Niedriglohnschwelle für Ost- und Westdeutschland von 17,7% im Jahre 1995 auf 23,1% der Beschäftigten im Jahre 2010 gestiegen.“
    in: Gerhard Bosch: “Prekäre Beschäftigung und Neuordnung am Arbeitsmarkt
    Expertise im Auftrag der Industriegewerkschaft Metall“
    Duisburg, September 2012, [http://www.iaq.uni-due.de/iaq-standpunkte/2012/sp2012-02.pdf]

  15. Laut Hans-Böckler-Stiftung, hat der Mann Recht: http://www.boeckler.de/hbs_showpicture.htm?id=26634&chunk=2

    20,6 % sind es genau genommen, insgesamt 7,19 Mio. Beschäftigte. Auch sehr interessant: http://www.boeckler.de/hbs_showpicture.htm?id=38493&chunk=1

  16. Zum 1. Mai in Schwäbisch Hall – 20% der Beschäftigten mit Niedriglohn abgespeist

    -> http://die-linke-sha.de/zum-1-mai-in-schwabisch-hall-20-der-beschaftigten-mit-niedriglohn-abgespeist/

Klaus Wiesehügel (SPD): Jeder fünfte Arbeitnehmer prekär beschäftigt – Stimmt so nicht - Stimmt so nicht

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