27.08.2013

Angela Merkel (CDU): Hessen steht in vielen Bereichen so gut da wie noch nie – Stimmt teilweise

Kanzlerin Merkel stärkt Ministerpräsident Bouffier (CDU) vor der Hessenwahl den Rücken. Hessen habe so viele Arbeits-, Ausbildungs- und Kinderbetreuungsplätze wie noch nie, sagt sie. Gleiches gelte für Lehrerstellen. Die Zahl der Straftaten sei so gering wie nie. Das Fazit: Stimmt teilweise.

Zitat:

„Noch nie hat es so viele Arbeitsplätze in Hessen gegeben, noch nie so viele Ausbildungsplätze, noch nie so viele Kinderbetreuungsplätze, noch nie so viele Lehrer und noch nie so wenig Straftaten wie heute.“

Bisherige Rechercheergebnisse:

So funktioniert's

Was checken wir genau?

Wir checken, ob die Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel stimmt, nach der es in Hessen noch nie so viele Arbeits-, Ausbildungs- und Kinderbetreuungsplätze, noch nie so viele Lehrerstellen und noch nie so wenig Straftaten wie heute gegeben hätte.

Worauf bezieht sich Merkel genau?

Der #ZDFcheck fragt am 27. August bei der CDU nach den Quellen für Merkels Aussage. Die Rückmeldung kommt am 3. September. Ein CDU-Pressesprecher schickt per Mail folgende Quellenhinweise:

Erwerbstätige: http://www.statistik-hessen.de/PresseWeb/pm_46.html 

Lehrerstellen: https://kultusministerium.hessen.de/presse/pressemitteilung/hessens-schulen-haben-so-viele-lehrkraefte-wie-noch-nie-fuer-individuelle

Kriminalitätsstatistik: https://www.hessen.de/presse/pressemitteilung/innenminister-rhein-aufklaerungsquote-auf-rekordhoch-straftaten-erneut

Kinderbetreuung: https://hsm.hessen.de/presse/pressemitteilung/familienminister-stefan-gruettner-zum-rechtsanspruch-auf-einen-krippenplatz

Ausbildungsplätze: http://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/Aktuell/ausbildungsmarkt/zr-jahr-ausbm/zr-jahr-ausbm-d-0-xls.xls

Die CDU fügt folgende Erläuterung an: Im Jahr 2012 gab es auf jeden noch unversorgten Bewerber mehr als zwei frei gemeldete Ausbildungsstellen. 2011 waren die Zahlen und das Verhältnis noch höher. Dies zeigt: Unter der CDU-geführten Landesregierung steht Hessen bei den Ausbildungsplätzen sehr gut da.

 

Stimmt es, dass es in Hessen noch nie so viele Arbeitsplätze gegeben hat?

Wir nähern uns Merkels Aussage Wort für Wort und beginnen mit ihrer Aussage zum Arbeitsmarkt. Laut Statistischem Landesamt sind im Jahre 2012 so viele Menschen in Hessen einer Arbeit nachgegangen wie nie zuvor.

Eine Statistik des Hessischen Statistischen Landesamtes führt die Erwerbstätigen in Hessen seit 1950 auf. Zugrunde gelegt ist hier der jeweilige Mikrozensus: Nach dieser Statistik war die Zahl der Erwerbstätigen in Hessen 2012 die höchste seit 1950. Außerdem ermittelt das Statistische Landesamt die Erwerbstätigenquote seit 1961. Die Erwerbstätigenquote spiegelt die Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wider. Mit 49,6 Prozent war sie 2012 so hoch wie noch nie.

Blickt man auf die vom „Arbeitskreis Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder“ veröffentlichten Zahlen der Erwerbstätigen in Deutschland von 1991 bis 2012 geordnet nach Bundesländern, so wird auch hier die Aussage von Frau Merkel gestützt. Demnach gab es am Arbeitsort Hessen 2012 im Jahresdurchschnitt 3,229 Millionen Erwerbstätige, 1991 waren es noch 2,947 Millionen.

Der User Slapsticker weist allerdings auf die Statistik der geleisteten Arbeitsstunden hin. Denn das Arbeitsvolumen am Arbeitsort Hessen war z.B. 2001 und 2002 noch größer als 2012. So kann es sein, dass sich weniger Arbeit auf mehr Köpfe verteilt.

Nach Statistiken der Bundesagentur für Arbeit lag der hochgerechnete vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen im Juni 2013 bei 2.291.500, das ist der höchste Wert für diesen Zeitraum seit 1987. Um die Zahl der Beschäftigten mit der hessischen Einwohnerzahl in Relation zu setzen, schauen wir uns den Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an der Bevölkerungsgruppe der 15- bis 65-Jährigen an. Auch diese Beschäftigungsquote befindet sich auf Höchststand. Sie ist seit 2001 abrufbar und weist 2012 mit 52,5 Prozent den höchsten Wert aus.

Dennoch hinke Hessen im Vergleich zu Gesamtdeutschland und Westdeutschland tendenziell der Entwicklung hinterher, bemängelt die Bundesagentur für Arbeit. Mit einem Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um 0,8 Prozent im Juni 2013 im Vergleich zum Vorjahr zeigen sich für Hessen keine deutlichen Veränderungen in der Beschäftigungsentwicklung. Der Bund hatte im Juni dagegen einen Anstieg um 1,2 Prozent und Westdeutschland um 1,3 Prozent.

 

Nachtrag 05.09.:

Stellt man diesen Recherche-Ergebnissen die Quellenangaben der CDU-Bundesgeschäftsstelle gegenüber, ergibt sich im Kern kein Widerspruch. Bei den Erwerbstätigen bezieht sich Merkel auf das 4. Quartal 2012. Das Statistische Landesamt hatte gemeldet: “Noch nie wurden so viele Erwerbstätige in Hessen in einem Quartal statistisch nachgewiesen.”

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass in der von der CDU angeführten Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes auch darauf hingewiesen wird, dass die positiven Zuwachsraten bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sich im Jahresverlauf 2012 merklich abschwächten. An der Richtigkeit des von der Kanzlerin behaupteten Fakts ändert das zunächst nichts.

Auch bei der Erwerbstätigenquote und der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat Frau Merkel nach Recherchen des #ZDFchecks in Hessen recht. Zur Wirklichkeit gehört an dieser Stelle auch die Angabe der Bundesagentur für Arbeit, wonach Hessen bei dem Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen im Bundesvergleich hinterher hinkt. Die Richtigkeit der Kanzlerin-Aussage ändert das an der Stelle nicht.

Das Zwischenergebnis zeigt deshalb grün.

Stimmt es, dass es in Hessen noch nie so viele Ausbildungsplätze gegeben hat?

Die Zahlen des Statistischen Landesamtes Hessen geben einen Überblick über die Zahl der Auszubildenden in dem Bundesland seit 1980. Im Jahr 2012 gab es 102.505 Azubis in Hessen, im Vorjahr allerdings 970 mehr, nämlich 103.475. Blickt man weiter zurück, wird klar, dass es Anfang der 80er Jahre wesentlich mehr Auszubildende in Hessen gab als aktuell: Für 1985 hat das Statistische Landesamt 156.810 Azubis verzeichnet.

Da Merkel von „Ausbildungsplätzen“ spricht, helfen die Zahlen weiter, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erhebt. Dort werden die vom BIBB selbst erhobenen Daten mit den Ausbildungsmarktstatistiken der Bundesagentur für Arbeit kombiniert und das „Ausbildungsplatzangebot“ dargestellt – das ist die Addition aus neuen Ausbildungsverträgen und den unbesetzten Ausbildungsplätzen. Hier werden also „Plätze“ und keine „Köpfe“ gezählt: 2012 gab es danach ein Ausbildungsplatzangebot von rund 42.200. Hier bestätigt sich der Trend, der bei den „Köpfen“ zu beobachten war: Im Jahr 2011 war das Angebot noch um 1.693 höher als 2012. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist also sogar rückläufig, was die Bundesagentur für Arbeit alarmiert. Wegen des Doppeljahrganges G8/G9 hatte die Bundesagentur 2012 eigentlich sogar mit sehr viel mehr Auszubildenden gerechnet. Und auch der Blick weiter zurück bestätigt Merkels These nicht: Für das Jahr 1992 verzeichnet das BIBB ein Ausbildungsplatzangebot von rund 51.200.

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  • Ausbildungsplaetze

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Nachtrag 05.09.:

Die CDU-Pressestelle gibt als Quelle für Merkels Behauptung Daten der Bundesagentur für Arbeit an, die sich auf die Jahre 2008/2009 bis 2012/2013 beziehen. Allerdings belegen deren Daten für das 2011/2012 mehr Ausbildungsplätze als im aktuellen Jahr. Die Jahre vor 2008 hat die CDU nicht miteinbezogen. In den 90er Jahren gab es aber deutlich mehr Ausbildungsplätze in Hessen als jetzt.

Deshalb stimmt die Aussage von Merkel, dass es „noch nie so viele Ausbildungsplätze“ in Hessen gegeben hat wie jetzt, nicht. Das Zwischenergebnis zeigt rot.

Stimmt es, dass es in Hessen noch nie so viele Kinderbetreuungsplätze gegeben hat?

Das Statistische Landesamt Hessen erhebt im März eines Jahres, wie viele Kinder sich in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege in Hessen befinden.  Die Kurve steigt kontinuierlich an: 2006 wurden 225.059 Kinder in einer Tageseinrichtung oder Kindertagespflege betreut, 2012 schon 246.500. Das stützt Merkels Aussage.

Das Statistische Landesamt teilt dem #ZDFcheck mit, dass es vor 2006 keine Angaben zu betreuten Kindern gibt. Allerdings wurden die verfügbaren Plätze, also die Plätze laut Betriebserlaubnis der Einrichtungen, erhoben. Um die Daten (mit Einschränkungen) miteinander vergleichen zu können, hat das Statistische Landesamt dem #ZDFcheck eine Zeitreihe der genehmigten bzw. verfügbaren Plätze in Kindertageseinrichtungen erstellt. Danach gibt es 2013 in Hessen bisher 262.481 genehmigte Plätze. Seit 2006 ist hier ein kontinuierlicher Anstieg zu sehen.

Davor wurden die Erhebungen ab 1982 im 4-jährigen Turnus durchgeführt. Auch hier stimmt Merkels Aussage: Jedes Jahr gibt es mehr Plätze in Kindertageseinrichtungen als im Vorjahr. Die ältesten vorliegenden Daten sind laut Statistischem Landesamt von 1974. Hier ist nur die weiter eingeschränkte Angabe aus der Personalstrukturerhebung in der Jugendhilfe 1974 verfügbar. 1974 gab es demnach 155.073 Plätze.

Jenseits der reinen Zahlen weisen die User karolus1 und Slapsticker darauf hin, dass Quantität nicht gleich Qualität ist und beschreiben die Veränderungen beim Betreuungsschlüssel. Eine Prüfung der Veränderung der Kinderbetreuungssituation in Hessen seit Gründung der Bundesrepublik ist spannend, würde aber den Rahmen dieses Checks sprengen. karolus1 hat auf seiner eigenen Seite eine Prüfung unternommen.

 

Nachtrag 05.09.:

Die CDU verweist in ihrer Argumentation auf die Aufstockungen, die das Land in den vergangenen Jahren in Sachen Krippenplätze unternommen hat, um den Rechtsanspruch zu erfüllen: https://hsm.hessen.de/presse/pressemitteilung/familienminister-stefan-gruettner-zum-rechtsanspruch-auf-einen-krippenplatz

Gestützt auf die Daten des Statistischen Landesamtes vergibt der #ZDFcheck deshalb hier ein „grün“ als Zwischenfazit.

Stimmt es, dass es in Hessen noch nie so viele Lehrer gegeben hat?

Die Tabellen, die uns das Statistische Landesamt zur Verfügung stellt, listen die Zahl der voll- und teilbeschäftigten Lehrer und der Schüler auf, getrennt nach allgemeinbildenden und beruflichen Schulen von 1970 bis heute.

Demnach ist die Zahl der Lehrer an allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2012/13 verglichen mit dem vorherigen leicht zurückgegangen, allerdings auch die Zahl der Schüler. Errechnet man den Quotienten, so zeigt sich, dass das Verhältnis Schüler zu Lehrer minimal gestiegen ist.

Ein anderes Bild ergibt sich bei den Berufschulen. Hier ist die Zahl der Schüler gesunken, die der Lehrer leicht gestiegen, so dass sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis verbessert hat. Addiert man die Lehrer an Berufs- und Allgemeinbildenden Schulen, zeigt sich, dass es im Schuljahr 2011/2012 rund 800 Lehrer mehr gab als im vergangenen Schuljahr 2012/2013. Damit hat Merkel in absoluten Zahlen nicht recht, das Schüler-Lehrer-Verhältnis verändert sich allerdings nahezu nicht (von 14,01 auf 14,06).

 

Nachtrag 05.09.:

Das Hessische Kultusministerium übermittelt dem #ZDFcheck die Zahlen der Lehrerstellen 1998 bis heute. Darunter sind besetzte Planstellen zu verstehen. Eine Stelle bedeutet eventuell mehrere Köpfe, wenn Lehrer in Teilzeit arbeiten.

Die vorgelegten Zahlen zeigen die vom hessischen Kultusministerium jeweils zu Beginn des Schuljahres ermittelten Stellen. Aktueller Stand: 50.538,5 Lehrerstellen. Im Schuljahr 1998/1999 waren es dagegen nur 43.803,5 Stellen. Damals kam auf 19 Schüler ein Lehrer. Im letzten Schuljahr waren es im Schnitt 15 Schüler auf einen Lehrer.

Auf Grundlage dieser Daten und jener des Statistischen Landesamtes kann der behauptete Fakt, Hessen habe so viele Lehrer wie noch nie, als korrekt betrachtet werden.

Das Zwischenfazit zeigt grün.

Stimmt es, dass es in Hessen noch nie so wenig Straftaten gegeben hat?

In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden registrierte Straftaten gezählt. Nicht enthalten sind Staatsschutz- und Verkehrsdelikte sowie Ordnungswidrigkeiten. Seit 1971 bringt das Landeskriminalamt Hessen die PKS EDV-gestützt heraus, diese Zahlen hat das hessische Landeskriminalamt dem #ZDFcheck zur Verfügung gestellt.

Viele User weisen allerdings darauf hin, dass die PKS in ihrer Aussagekraft unzureichend sei. Zum Beispiel könnte die Dunkelziffer der Straftaten viel höher sein, weil Fälle nicht registriert sind. Slapsticker weist darauf hin, dass ein verändertes Anzeigeverhalten auch die Kriminalstatistik beeinflusse. Da wir nicht die Dunkelziffer, verändertes Anzeigeverhalten oder dergleichen überprüfen können, beschränkt sich der #ZDFcheck auf die PKS.

Die neuesten Fallzahlen der PKS sind von 2012. Im vergangenen Jahr gab es demgemäß 395.625 Straftaten. Allerdings waren es in den Jahren von 1971 bis 1981 weniger. So wurden beispielsweise 1971 nur 229.114 Taten gezählt und 1976 nur 282.913.

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Entscheidend jedoch ist: Die Straftaten werden im Verhältnis zur Einwohnerzahl (ohne Touristen und Personen mit ausländischem Wohnsitz) gewichtet.  Dazu wird eine sogenannte Häufigkeitszahl ermittelt. Sie gibt die Zahl der bekannt gewordenen Fälle insgesamt, errechnet auf 100.000 Einwohner, an.

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Für 2012 lag die Häufigkeitszahl bei 6494. Es gab jedoch Jahre, in denen sie niedriger war, das hatte auch der Wikipedianer Mathias Schindler für den #ZDFcheck recherchiert: „Die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel, noch nie habe es so wenig Straftaten gegeben, lässt sich mit den Angaben des LKA widerlegen: In den Jahren 1971 bis 1979 lagen die Häufigkeitszahlen niedriger als 2012.“ Von 1971 bis 1979 lagen die Häufigkeitszahlen, also die Straftaten pro 100.000 Einwohner, zwischen 4224 und 6039.

Nachtrag 05.09.:

Die Quelle für Merkels Aussage ist laut CDU eine Pressemitteilung vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport. Demnach ist die Aufklärungsquote auf Rekordhoch. „Im Gegensatz dazu [zu den Straftaten] stieg die Aufklärungsquote auf eine neue Höchstmarke von 58,8%, der beste Wert seit Einführung der EDV-gestützten PKS im Jahr 1971. “

Hätte Frau Merkel in ihrem Zitat von der Aufklärungsquote gesprochen, so hätte sie recht gehabt. In Bezug auf die Straftaten stimmt ihre Aussage nicht.

Betrachtet man also die offiziellen Fall- und Häufigkeitszahlen, hat Angela Merkel nicht recht mit ihrer Aussage, dass es in Hessen noch nie so wenig Straftaten gegeben habe. Das Zwischenergebnis zeigt rot.

Das #ZDFcheck-Fazit

Selten legt Angela Merkel sich mit Aussagen so genau fest, wie in diesem Zitat. Das ist ungewöhnlich für sie. Jedoch hat sie nur in drei von fünf Punkten wirklich recht: Es hat tatsächlich noch nie so viel Arbeitsplätze in Hessen, noch nie so viele Lehrer und noch nie so viele Kinderbetreuungsplätze gegeben wie heute. In zwei Punkten liegt sie nach Recherchen vom #ZDFcheck falsch: In den 90er Jahren gab es mehr Ausbildungsplätze als aktuell. Und die registrierten Straftaten sind zwar in den letzten Jahren in Hessen gesunken, die Aufklärungsquote auf einem Rekordhoch, doch es gab in Hessen schon Zeiten mit weniger Kriminalität.


Daher fällt das Fazit für Merkels Aussage zu Hessen gemischt aus: Stimmt teilweise.


Dieser #ZDFcheck wurde beendet. Die Redaktion hat ein Fazit gezogen. Vielen Dank an alle Helfer für die Hinweise und Beteiligung.

Insgesamt 78 Hinweise

  1. Es ist zumindest sehr warscheinlich, denn die Regierung aendert immer mehr Gesetze zugunsten der Arbeitgeber, da gibt es dann mehr Stellen aber die Angestellten haben immer weniger davon ( weniger Geld, schlechterer Kuendigungsschutz, Befristung, usw )
    Das wuerde dann aber heissen dass hier sehr geschickt ‚gemogelt‘ wird
    weil zwar die Aussage stimmt ( mehr Stellen ) es ‚uns‘ aber dadurch garnicht besser geht wenn viele gerademal Hartz-iv niveu verdienen …

  2. Interessant erscheint mir auch noch, dass der Zuwachs an „[g]enehmigten Plätze in Kindertageseinrichtungen in Hessen“ zwischen 31.12.2002 und 15.3.2013 insgesamt 32.787 Plätze und zwischen 31.12.1990 und 31.12.2002 insgesamt 57.608 Plätze betrug. Die durchschnittliche jährliche Steigerung der kalendarisch in etwa vergleichbaren Daten dieses Zeitraums betrug 2.732,25 Plätze. Die durchschnittliche jährliche Steigerung der kalendarisch vergleichbaren Daten des Zeitraums 2007 bis 2013 betrug ca. 2.529 Plätze. Obwohl also im Jahre 2007 der Rechtsanspruch für Kleinkinder zwischen einem und drei Jahren festgezurrt wurde, hat sich die Zuwachsrate seither nicht gegenüber dem Zeitraum 1990-2002 erhöht. Der Ausbau hat sich in Hessen sogar eher etwas verlangsamt.

  3. Liebe Checker,
    meiner Meinung nach hätte das sehr interessante Paper, das kaorlus1 unten (Posting vom 30.08.2013 | 13:59 Uhr) verlinkt und auch aufwändig erstellt hat, eine Verlinkung im Zwischenschritt-Text mehr als verdient. Ansonsten auch noch ein Lob an euch, da ihr euch wirklich erkennbar um Differenzierung bemüht und gute Recherche leistet. Das mit dem Lehrer-Schüler-Quotienten ist eine gute Idee. Dass das Statistische Landesamt keine VZÄ-Zeitreihe hat, verwundert mich ein wenig. Aber vielleicht ergibt ja die Anfrage beim Kultusministerium mehr. Das Arbeitsvolumen wäre womöglich schon ein Ansatzpunkt. Die ehedem verlinkte „Erwerbstätigenrechnung“ (2000-2012) ist da leider viel zu ungenau, da sie keine speziell auf Lehrer bezogene Daten ausweist. Ministeriumsdaten haben natürlich den Nachteil, womöglich etwas biased zu sein. Vielleicht hat ja auch der AK ETR entsprechende Daten. LG
    P.S.: Ein Hinweis auf die veränderte Demografie wäre, da sie im Hinblick auf die Statistik eine nicht unbedeutende Rolle spielt (s. PKS Hessen 2001), m. E. auch bei den Erläuterungen zur PKS nicht verkehrt. Verzichte gerne auf die Credits, da es mir um die Sache geht.

    • :)
      Karolus verlinke ich morgen. Ist vom Handy aus gerade zu kompliziert. Vg

    • @ Sonja Schünemann,
      Gute Sache! Denn das Paper von karolus1 widmet sich einem zentralen Problem. LG
      Zum Demografie-Faktor bzw. den „Veränderungen in der Altersstruktur“, wie es in der hwssischen PKS von 2001 heißt, noch der Hinweis, dass diese den Effekt haben, dass diese sich allein schon in Bezug auf die Häufigkeitszahlen, also den Straftaten pro 100.000 Einwohner positiv auswirken, weil sich das Verhältnis von öfter kriminell werdenden Jungen zu weniger durch Straftaten in Erscheinung tretenden Alten im Zeitverlauf zugunsten Letztgenannter verschiebt. Dies hat einen bezogen auf die Häufigkeitszahlen deutlich kriminalitätssenkenden Effekt.

  4. Vielleicht noch der Hinweis, dass es eigentlich m. E. korrekter wäre, wenn man nicht – wie in der oben angeführten Statistik – die Erwerbstätigen mit Wohnsitz in Hessen zur Grundlage machte, sondern die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsplatz/-ort in Hessen. Merkel sprach ja schließlich auch von „Arbeitsplätze[n] in Hessen. Die Statistik des Landesamtes ist daher irreführend, da sie sich doch wohl auf Erwerbstätige, die in Hessen ihren Wohnsitz haben, bezieht. Die Daten ab 2000 hatte ich ja verlinkt. Es sollte aber sicherlich auch ältere Daten dazu geben.

  5. Doch noch eine Übersicht:
    ————————————
    2000: 4529,3 — 2,751 — 1646,419484
    2001: 4523,1 — 2,807 — 1611,364446
    2002: 4473,8 — 2,784 — 1606,968391
    2003: 4402,0 — 2,743 — 1604,812249
    2004: 4421,1 — 2,702 — 1636,23242
    2005: 4389,4 — 2,761 — 1589,786309
    2006: 4371,9 — 2,803 — 1559,721727
    2007: 4408,4 — 2,832 — 1556,638418
    2008: 4434,0 — 2,872 — 1543,871866
    2009: 4356,7 — 2,882 — 1511,693269
    2010: 4425,7 — 2,903 — 1524,526352
    2011: 4499,5 — 3,011 — 1494,354035
    2012: 4508,9 — 3,026 — 1490,052875
    ————————————

    Erste Spalte: Arbeitsstunden in Millionen (alle Wirtschaftsbereiche!)
    [Quelle: http://www.statistikportal.de/statistik-portal/ETR_R1B2_2012.pdf
    Zweite Spalte: Erwerstätige in Millionen
    [Quelle: http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/erwerbstaetigkeit/landesdaten/mikrozensus-erwerbstaetigkeit/erwerbstaetige-stellung-im-beruf/index.html
    Dritte Spalte: Arbeitsstunden pro Arbeitnehmer im Durchschnitt
    ————————————————————–
    Es hat sich also zwischen 2000 und 2012 das Arbeitsvolumen je Arbeitnehmer in Hessen KONTINUIERLICH verringert!

    • Langsam mit den jungen Pferden – hier die korrigierte Fassung der Übersicht:
      ————————————-
      2000: 4529,3 — 3,0724 — 1474,189559
      2001: 4523,1 — 3,1015 — 1458,358859
      2002: 4473,8 — 3,0876 — 1448,957119
      2003: 4402,0 — 3,0521 — 1442,285639
      2004: 4421,1 — 3,0587 — 1445,417988
      2005: 4389,4 — 3,0468 — 1440,659052
      2006: 4371,9 — 3,0526 — 1432,188954
      2007: 4408,4 — 3,0926 — 1425,467244
      2008: 4434,0 — 3,1228 — 1419,879595
      2009: 4356,7 — 3,1375 — 1388,589641
      2010: 4425,7 — 3,1450 — 1407,217806
      2011: 4499,5 — 3,1938 — 1408,823345
      2012: 4508,9 — 3,2289 — 1396,419833
      ————————————-

      Erste Spalte: Arbeitsstunden in Millionen (alle Wirtschaftsbereiche!)
      [Quelle: http://www.statistikportal.de/statistik-portal/ETR_R1B2_2012.pdf – S. 10]
      Zweite Spalte: Erwerbstätige in Millionen (alle Wirtschaftsbereiche!) [Ebd., S. 30]
      Dritte Spalte: Arbeitsstunden pro Arbeitnehmer im Durchschnitt
      ————————————-
      Die Korrektur war nötig, da hier das sog. „Inlandskonzept (Erwerbstätige am Arbeitsort)“ (ebd., S. 8) verwendet wurde. — Da es immer mal wieder gewisse Schwankungen gibt, da es in manchen Jahren ein paar mehr oder weniger Arbeitstage gibt, kann man sagen, dass das Arbeitsvolumen im Zeitraum zwischen 2000 und 2012 bestenfalls in etwa konstant geblieben ist – trotz einer deutlichen Steigerung der Erwerbstätigenzahlen.

    • Rechnet man die ganze Chose noch auf Arbeitstage um, ergibt sich folgendes Bild:
      —————
      5,873265174
      5,810194656
      5,772737525
      5,746157926
      5,646164016
      5,694304554
      5,705932086
      5,679152368
      5,612172313
      5,488496606
      5,5185012
      5,56847172
      5,541348545
      jeweils Arbeitsstunden im Durchschnitt pro Arbeitstag und Erwerbstätigem
      —————
      (Zugrundegelegt wurde einheitlich eine Arbeitswoche von Montag bis Freitag -> http://www.schnelle-online.info/Arbeitstage-berechnen.html?arbeitstag=0&arbeitstag=1&arbeitstag=2&arbeitstag=3&arbeitstag=4&state=Hessen&from=01.01.2012&to=31.12.2012# (Beispiel))

    • Die Abfolge der Daten ist natürlich ebenfalls chronologisch.

    • Ineressant ist vielleicht auch die Differenz zwischen Erwerbstätigen mit Arbeitsplatz in Hessen und Erwerbstätigen mit Wohnort in Hessen zu bilden:
      ———–
      321,4
      294,5
      303,6
      309,1
      356,7
      285,8
      249,6
      260,6
      250,8
      255,5
      242
      182,8
      202,9
      jeweils in Tsd.
      ———–
      Dann sieht man, dass die Attraktivität des Standorts Hessen sogar im Zeitverlauf tendenziell abgenommen hat. Wäre sie nämlich gleich geblieben, hätte die Zunahme an Erwerstätigen mit Arbeitsort Hessen mit der Zunahme der Erwerbstätigen mit Wohnsitz Hessen Schritt halten müssen.

    • Noch zur Verdeutlichung: Die Zahl der Erwerbstätigen mit Wohnsitz in Hessen stieg von 2000 auf 2012 um 275.000, die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Hessen stieg von 2000 auf 2012 aber um lediglich 156.500!

  6. @ Slapsticker.
    Bzgl. der Betreuungsplätze möchte Ihnen gerne widersprechen. Geprüft werden soll hier doch, ob die Aussage von Merkel stimmt, es habe in Hesse noch nie so viele Betreuungsplätze gegeben. Das ist doch unbestritten der Fall!?
    Dass das auch in anderen Ländern so ist, hat sie mit keinem Wort geleugnet. Sie hätte auch sagen können „in Hessen ist das Gras grün“ – und hätte dafür an dieser Stelle ein klares „stimmt“ erhalten. Es ist doch nicht die Aufgabe dieses Forums, eine politische Bewertung der Aussagen vorzunehmen – das kann nie objektiv sein – sondern, Druck auszuüben auf Politiker, die bewusst die Unwahrheit sagen.

    Auch Ihr Argument vom veränderten Bedarf ist hier nicht zielführend. Ich hätte für meine Tochter auch gerne eine Betreuungsplatz gehabt und ich bin mir sicher, dass es vielen alleinerziehenden Müttern ähnlich ging – nur hat das die Politik damals nicht interessiert.

    Also: Aussage: es gab noch nie so viele Betreuungsplätze: stimmt.
    https://hsm.hessen.de/presse/pressemitteilung/familienminister-stefan-gruettner-zum-rechtsanspruch-auf-einen-krippenplatz

    • Vorweg: Es empfielt sich immer, neutrale Quellen anzugeben.
      Man muss sich entscheiden, ob man Aussagen nur auf das, was wortwörtlich gesagt wurde, überprüfen will oder ob man Politiker-Aussagen auf ihren Gehalt hin überprüfen will. Letzteres ist deshalb sinnvoller, weil Politiker oft mit irreführenden Suggestionen arbeiten. Motto meistens: Ist doch alles supi! Aber auch: Ist doch alles ganz gruselig! In beiden Fällen ist es nötig zu differenzieren und zu kontextualisieren. So auch hier. Merkel bezweckt ja mit ihrer Aussage, den Eindruck zu erwecken, dass Hessen gleichsam unter Schwarz-Gelb gleichsam zum ‚gelobten Land‘ geworden sei in puncto Arbeits-, Ausbildungs-, Kinderbetreuungsplätze und Kriminalitätsprävention und noch nie so gut dastand wie heute. Diese Aussageintention muss Teil des Faktenchecks sein. Mal ein simples Beispiel zur Verdeutlichung: In Niederneudorf ist die Zahl der Erwerbslosen um 60 % gesunken. Der Bürgermeister verkündet dies genau so auf dem Dorffest drei Wochen vor der Kommunalwahl, bei der er zur Wiederwahl antritt. Was er verschweigt: Von den ehemals 100 im Ort ansässigen Erwerbslosen sind 40 verrentet worden und 30 abgewandert, weil sie in Niederneudorf keine Chance auf einen Arbeitsplatz mehr sahen; 20 Personen haben sich nach erfolgloser Arbeitsplatzsuche bei der Agentur für Arbeit abgemeldet und sind nun ausschließlich Hausfrauen/-männer. Des Weiteren wurde kein einziger neue Arbeitsplatz geschaffen, sondern der holzverarbeitende Betrieb im Ort musste schließen, 30 Stellen fielen allein dadurch weg. Darüber hinaus arbeiten jetzt 50 Leute mehr als zuvor nur noch in Mini-Jobs, 30 weitere nur noch in Ein-Euro-Jobs. Beide Gruppen fallen jedoch aus der Arbeitslosen-Statistik.
      Ist dies alles nun ein Erfolg? Wohl kaum. Daher muss man genauer hinschauen. Allein die veränderte Demografie führte schon zu einer Senkung der Arbeitslosenrate. Wären keine 40 Personen verrrentet worden, sähe die Bilanz nämlich ganz anders aus. Dann wäre die Zahl der Arbeitslosen nämlich noch auf dem selben Stand, obwohl Menschen abgewandert sind und sich vom Arbeitsmarkt verabschiedet haben. Hätte es auch noch keine Abwanderer gegeben, wäre sie sogar gestiegen. Summa summarum hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Trotzdem stimmt die Behauptung des Bürgermeisters vom Wortlaut her. Wenn man dann auch noch weiß, dass im benachbarten Oberneudorf zur gleichen Zeit 50 neue Arbeitsplätze entstanden sind, 20 ehemalige Minijobber nun Vollzeitstellen haben und sowohl die Zahl der Erwerbspersonen als auch die Anzahl der Erwerbstätigen gleichermaßen gestiegen sind, dann kann man ermessen, dass doch trotz der 60 %igen Senkung der Zahl der Erwerbslosen in Niederneudorf einiges schief gelaufen ist.
      Daher sind Differenzierung und Kontextualisierung so wichtig. Und daher ist es auch keine Petitesse, dass zwar die Zahl der Erwerbstätigen in Hessen nominal deutlich von 2000 gegenüber 2012 gestiegen ist, das Arbeitsvolumen pro Erwerbstätigem jedoch deutlich gesunken ist. Und daher spielt es auch eine Rolle, dass der Betreuungsschlüssel in Kindergärten zulasten der Kinder verändert wurde oder dass schon allein durch die veränderte Alterstruktur Kriminalität zurückgeht. Etc. pp.

      P.S.: Nach Ihnen hätte der Wiesehügel-Check klar das Ergebnis „Stimmt“ haben müssen, denn dem Wortlaut entsprechend hat er recht.

    • Sorry, vertippt und verrechnet! Es müssen 40 neue Erwerbslose durch die Schließung hinzukommen. Dann beträgt die Arbeitslosenquote bei zunächst 1000 Einwohnern im Erwerbsalter Erwerbsalter zunächst 10 % und später 9,7 %, wäre also ohne die Neurentner grosso modo auf dem gleichen Stand. Die Senkung der Zahl der Erwerbslosen, die sich der Bürgermeister auf die Fahnen schreibt, ist dann ’nur‘ 50 %.

    • @GisE
      Für das Fazit am Rande des reinen Faktenchecks:
      …“noch nie so viele Betreuungsplätze“, aber mit Verschlechterungen der Qualitätsstandards erkauft.
      Siehe auch:
      http://zdfcheck.zdf.de/faktencheck/merkel-hessen/#comment-706
      http://www.udo-brechtel.de/kifoeg/Mathematische_Untersuchung_zum_KifoeG.pdf

    • @ Karolus1: Wieder einmal hervorragende Arbeit! Habe dein Paper erst grade entdeckt. Scheint mir schlüssig. LG

      P.S.: Werde mich bei Gelegenheit mal durch deine Website wühlen 😉

  7. Nun mische ich mich auch mal bei den Ausbildungsplätzen ein.

    Aussage: Es gab in Hessen noch nie so viele Ausbildungsplätze.

    Argumentation: Die Aussage ist verkürzt, aber belegbar.
    In Hessen gibt es so viele Ausbildungsplätze wie noch nie, weil im September 2012 (das ist der korrekte Referenzmonat, da viele Ausbildungsplätze erst dann angetreten werden) auf jeden noch unversorgten Bewerber (966) mehr als zwei frei gemeldete Ausbildungsstellen (1.945) entfielen. Im September 2011 lag die Zahl sogar noch höher. In der beigefügten Tabelle http://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/Aktuell/ausbildungsmarkt/zr-jahr-ausbm/zr-jahr-ausbm-d-0-xls.xls
    sind die genannten Zahlen nachzulesen.

    Das bedeutet: Junge Menschen in Hessen hatten noch nie so gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz.

    Fazit: Die Aussage von Frau Merkel ist verkürzt, was man bei einer Wahlkampfrede akzeptieren muss. Schließlich geht es hier nicht um einen Vortrag über Statistik und eine exakt zu quantifizierende Aussage, sondern um eine zugespitzte Aussage, die qualitativ richtig sein muss. Das ist definitiv der Fall. „Noch nie hatten junge Menschen in Hessen so gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz“ oder „Noch nie kamen auf einen unversorgten Bewerber so viele Ausbildungsplätze“ wären die gänzlich korrekten Aussagen gewesen.

    Also: Die Aussage ist nicht ganz falsch: stimmt teilweise!

    • „Im September 2011 lag die Zahl sogar noch höher.“ Eben! P.S.: In anderen Bundesländern ist dieser Rückgang 2012 nicht zu verzeichnen (s. BIBB-Statistik).

  8. Zum Arbeitsvolumen gibt es doch was: http://www.statistikportal.de/statistik-portal/ETR_R1B2_2012.pdf Dort ist unter „1 Geleistete Arbeitsstunden in den Ländern 2000 bis 2012 nach Stellungen im Beruf 1.0 Alle Wirtschaftsbereiche“ nachzulesen, dass im Jahr 2000 in Hessen 4.529,3 Mio. Arbeitsstunden geleistet wurde, im Jahr 2012 jedoch 4.508,9 Mio. (S. 10). Im selben Zeitraum stieg jedoch die Zahl der Erwerbstätigen von 2,751 Mio. im Jahr 2000 auf 3,026 Mio. im Jahr 2012. Das durchschnittliche Arbeitsvolumen pro erwerbstätigem/r Hessen/Hessin hat sich also deutlich von 1646,4 Stunden im Jahr 2000 auf 1490,1 Stunden im Jahr 2012 verringert, was einem Rückgang um 9,5 % entspricht. Man erkennt also ganz klar, dass der Zuwachs der Erwerbstätigenzahl mitnichten zu einem Zuwachs an Arbeit führte, sondern die vorhandene Arbeit einfach auf mehr Erwerbstätige verteilt wurde, wobei die Arbeit pro Erwerbstätigem 2012 gegenüber 2000 in Hessen sogar erheblich zurückgegangen ist. Dies halte ich schon für erwähnenswert.

    • Selbst wenn man die durchschnittlichen Arbeitsstundenzahlen pro Erwerbstätigem durch die jeweilige Anzahl der jährlichen Arbeitstage teilt, bleibt noch eine deutliche Differenz:
      2000: 6,43 Arbeitsstunden pro Arbeitstag und Erwerbstätigem
      2012: 5,91 Arbeitsstunden pro Arbeitstag und Erwerbstätigem
      Prozentuale Differenz: 8,1

    • Liebe Checker,
      mir erscheint der Rückgang des Arbeitsvolumens pro Erwerbstätigem 2012 im Vergleich zu 2000 doch ein Befund, der im Check-Abschnitt 3 Erwähnung finden sollte. Er zeigt nämlich eindeutig, dass die Zahl der Erwerbstätigen kein besonders aussagekräftiger Indikator ist.

    • Liebe/r Slapsticker, wir schauen uns die Daten nochmals an.

    • Liebe Sandra,
      find‘ ich gut! LG

  9. Das Hessische LKA veröffentlicht seit 1953 eine jährliche Kriminalitätsstatistik, seit 1971 erfolgt die Auswertung elektronisch.

    Nach Auskunft des Hessischen LKA lauten die Häufigkeitszahlen der polizeilich erfassten Straftaten seit 1971 wie folgt:

    Jahr HZ
    1971 4224
    1972 4360
    1973 4300
    1974 4456
    1975 4725
    1976 5098
    1977 5509
    1978 5675
    1979 6039
    1980 6563
    1981 6780
    1982 7155
    1983 7354
    1984 7121
    1985 7408
    1986 7770
    1987 8246
    1988 7742
    1989 7696
    1990 7509
    1991 7563
    1992 8187
    1993 8348
    1994 7919
    1995 7749
    1996 7677
    1997 7589
    1998 7409
    1999 7089
    2000 6936
    2001 6746
    2002 7099
    2003 7462
    2004 7590
    2005 7246
    2006 7013
    2007 6925
    2008 6708
    2009 6711
    2010 6629
    2011 6541
    2012 6494

    Die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel, noch nie habe es so wenig Straftaten gegeben, lässt sich aus den Angaben des LKA widerlegen: In den Jahren 1971 bis 1979 lagen die Häufigkeitszahlen niedriger als 2012. Bei allen Einschränkungen, die man bei der Ableitung der Gesamtzahl geschehener Straftaten auf die Zahl der von der Polizei erfassten Straftaten machen muss, hat Angela Merkel hier den Faktencheck klar gerissen. Es ist denkbar, dass auch in den Jahren 1952 bis 1970 die Häufigkeitszahlen niedriger waren als 2012, ein Blick in das LKA-Archiv würde hier Klarheit schaffen.

    • Dem Wortlaut nach stimmt Merkels Behauptung schon einmal nicht. Allerdings müsste man diese Daten m. E – der Fairness halber – noch in Relation zu demografischen Daten setzen. Einerseits ist nämlich die Bevölkerung gewachsen (du hast ja selbst dankenswerterweise darauf hingewiesen), sodass immer noch die Zahl der Delikte pro 100.000 Einwohner im letzten Jahr die niedrigste jemals gemessene sein könnte. Andererseits ist natürlich der kriminalitätsaffine Teil der Bevölkerung nicht unbedingt gewachsen, da weniger Junge ’nachgewachsen‘ sind, was natürlich eine Deliktquote bezogen auf die Gesamtbevölkerung erheblich verzerrt. Selbst wenn diese Deliktquote die niedrigste je eruierte wäre, ist das also nicht unbedingt aussagekräftig. Hinzu kommt ein verändertes Anzeigeverhalten. Selbst wenn es also gelänge, den Demografie-Effekt rauszurechnen, dazu müsste man im Prinzip für jedes Jahr alterspezifische Kriminalitätsquoten bilden und diese anschließend mitteln und erst danach vergleichen (oder so ähnlich), wäre die resultierende Statistik immer noch nicht verlässlich im Hinblick auf das jeweilige Ausmaß an Kriminalität. Auf die Vergleichbarkeit von Deliktgruppen hattest du ja auch schon hingewiesen. Wenn man’s wirklich sauber rechnen will, wird’s also ziemlich kompliziert. LG

    • @Slapsticker und Natürlich müsste man auch die Zahle der eingesetzten Polizei- und Steuerbeamten kennen. Denn viele Straftaten werden nur durch Polizei und Steuerfahndung aufgeklärt. Hat man also weniger Beamte kann man in der Regel auch nur weniger Straftaten aufklären. Man sieht die Statistik ist von vielen Einflussgrößen abhängig.

    • Sorry für das Missverständnis die sog. Häufigkeitszahl beinhaltet ja schon die Umrechnung auf die Bevölkerung. Hatte ursprünglich vermutet, dass da einfach der Faktor weggelassen wurde. Dann ist also die Deliktquote gerechnet auf 100.000 Einwohner schon niedriger gewesen. Unter Berücksichtigung der veränderten Alterstruktur würden sich also höchstwahrscheinlich noch ungünstigere Werte für 2012 im Vergleich zu den anderen Jahren ergeben. Nix für ungut! LG
      P.S.: Bitte poste zukünftig auch den Link zur Quelle, dann kann man einfacher nachvollziehen, was es mit den daten genau auf sich hat.

    • Wir haben oben im Zwischenschritt auch die Datei verlinkt, die wir aus Hessen bekommen haben. VG

  10. Doch noch eine Anmerkung zur Erwerbsquote. Diese umfasst auch alle, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Gemessen wurde in der verlinkten Statistik lediglich die Beteiligung der Bevölkerung am Erwerbsleben: „Danach sind Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) und Nichterwerbspersonen zu unterscheiden (so genanntes „Erwerbskonzept“).“ Erwerbslose, also gemeldete Arbeitslose (s. u.), werden also mitgezählt. Daher ist diese Statistik – obwohl sie den Bevölkerungszuwachs einrechnet – nichtssagend. Eine Statistik zur Erwerbstätigkeit, die demografische Entwicklungen reflektiert, müsste 1. nur die tatsächliche Erwerbstätigen (nicht jedoch die Erwerbslosen) einbeziehen und diese 2. auch nicht auf die Gesamtbevölkerung, sondern auf die 15- bis 64-Jährigen umrechnen. Die ‚Formel‘ könnte also beispielsweise lauten: Erwerbstätige pro 100 Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Alles andere ergibt keinen Sinn. Daher würde ich vorschlagen, einfach noch einmal nachzufragen, ob das Landesamt für Statistik nicht auch solche Daten bereitstellen kann. Außerdem ist der Text hier missverständlich: „Auch die Erwerbsquote in Hessen (Erwerbspersonen je 100 Einwohner) , die seit 1950 erhoben wird, ist 2012 mit 52 Prozent auf einen Höchststand geklettert. Als Erwerbstätige werden alle Personen gezählt, die eine auf Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben, unabhängig von der geleisteten Arbeitszeit und der Bedeutung dieser Tätigkeit für den Lebensunterhalt.“ Denn es wird durch die Aufeinanderfolge der beiden Sätze suggeriert, dass die Erwerbsquote sich nur auf Erwerbstätige bezieht, was jedoch nicht der Fall ist (s. o.).
    Bemerkenswert an der verlinkten Erwerbsquoten-Statistik erscheint mir, dass bei steigender Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben die Erwerbsquote (umfassend Erwerbstätige und Erwerbslose) der Männer mit nur noch 57,3 % im letzten Jahr gegenüber dem Höchststand von 64,6 % im Jahr 1961 deutlich zurückgegangen ist. Da ja auch gemeldete Arbeitslose mitgezählt wurden, ist dies ein deutliches Anzeichen für den demografischen Wandel, da es augenscheinlich mehr Nichterwerbspersonen (insb. „Nur-Rentner, Nur-Hausfrauen“, denn bei geringeren Geburtenraten kann es an den „Schulkinder[n]“ nicht gelegen haben) gibt.
    Lange Rede, kurzer Sinn: So, wie es oben formuliert wurde, ist es irreführend, da nicht die Erwerbstätigen in Relation zu den Personen im Erwerbsalter (15-64) als Grundlage genommen wurde. Diese allein wäre jedoch im Hinblick auf die Langfristentwicklung aussagekräftig!

    • Sorry, bitte das „Nur-Hausfrauen“ streichen! Sonst ergibt’s keinen Sinn.

    • Dass man auch aussagekräftige Statistiken zur Erwerstätigkeit erstellen kann, zeigt folgendes Beispiel der OECD: http://tiny.cc/b37k2w (Habe einen URL-Shortener benutzt, da die Seite ansonsten fragwürdig ist.) Dargestellt ist die – in dem Fall geschlechtsspezifische, aber das spielt in diesem Kontext keine Rolle) – ErwerbsTÄTIGENquote in Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren (sprich: im Erwerbsalter). Die Erwerbstätigenquote der 15- bis unter 65-Jährigen wird auch bundesländerspezifisch erhoben, wie man hier nachlesen kann: http://www.statistik-portal.de/ArbeitsmErwerb/Indikatoren/ET_erwTaetigenQuote.asp Auch ältere Daten als von 1991 sollten eigentlich vefügbar sein. Aber Achtung: „Durch eine Anpassung der Definition des Erwerbsstatus an internationale Vorgaben (geänderte Behandlung von Personen, die mehr als drei Monate vom Arbeitsplatz abwesend sind) ist die zeitliche Vergleichbarkeit mit den Jahren vor 2010 eingeschränkt.“ Man muss wohl in dem Fall davon ausgehen, dass die Kriterien eher aufgeweicht worden sind, sodass die Zahlen ab 2011 höher ausfallen, als wenn man sie nach einheitlichen Kriterien wir zuvor berechnet hätte. Gleichwohl dürfte es ja auch aktuellere Daten nach alter Definition geben oder mindestens Rohdaten nach alter Klassifikation. Im Grunde wollte ich mit den Beispielen zunächst nur veranschaulichen, dass es auf Personen im Erwerbsalter bezogene Erwerbstätigenquoten, die auch bundesländerspezifisch erhoben werden, gibt.

    • Hallo Slapsticker,
      vielen Dank für den Hinweis, wir nehmen die Erwerbsquote aus der Argumentation heraus.Tatsächlich könnte diese Statistik missverstanden werden.

  11. Was die Betreuungsplätze angeht, erscheint mir den Hinweis von Karolus1 zum veränderten Betreuungsschlüssel gewichtig. Des Weiteren sollte m. E. zumindest erwähnt werden, dass diese Entwicklung keine hessenspezifische ist, sondern eine, die in allen westdeutschen Ländern – ganz gleich, wie sie regiert wurden/werden – stattgefunden hat und angesichts eines veränderten Bedarfs ganz normal ist. Diese Informationen, wie auch die, dass der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur in der Hand der Kommunen, die – wie beispielhaft gezeigt – unterschiedlich regiert werden, liegt, gehören meiner Meinung nach zur Kontextualisierung von Merkels Aussage dazu. Des Weiteren halte ich eine Differenzierung der Daten nach Plätzen in Kindertageseinrichtungen, wo ausgebildete und fachlich qualifizierte Erzieher/innen („Die Aus- bzw. Weiterbildung dauert 2 bis 4 Jahre.“ http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/?dest=profession&prof-id=9162_9159) arbeiten und Plätzen in der Kindertagspflege, für Tagesmütter/-väter reicht schon eine Eigungsfeststellung (http://www.handbuch-kindertagespflege.de/3_wissenswertes_fuer_tagesmuetter/34_erlaubnis_zur_kindertagespflege/dok/61.php), es bedarf jedoch keiner weitergehenden Qualifikation in (frühkindlicher) Bildung und Erziehung, für sinnvoll. Denn viele Kommunen habe einfach, um den Bedarf vor Ort zu decken und vor Elternklagen gewappnet zu sein, die Plätze mittels Tageseltern hochgefahren. Es könnte also sein, dass in Hessen einfach als bequemer Ausweg die Option, verstärkt Tagesmütter einzusetzen, gewählt wurde, um die Unterdeckung im Bereich Kitas zu kompensieren. So wurde es etwa in Köln gemacht: http://www.koeln.de/koeln/nachrichten/koeln_kompakt/streit-um-kleinkinder-betreuung-gericht-gibt-stadt-koeln-recht_750789.html Dies nur als ein Beispiel von mutmaßlich vielen.

  12. Zweierlei Maß: Warum nähert ihr euch „Merkels Aussage Wort für Wort“, obwohl ihr in anderen Checks aus guten Gründen davon abgewichen seid? Offen gestanden sehe ich darin eine Ungleichbehandlung. Bislang war die Prüfung auf Vollzeitäquivalente die – wie eine ZDF-Checkerin schrieb – „harte Währung“. Gründe, auf VZÄ zu prüfen, gibt es angesichts der Splittung von Stellen, auf die ich mit einer Statistik für Gesamtdeutschland bereits hingewiesen hatte, genug. Auch steht fest, dass das Hessische Landesamt und auch andere Institute Daten zu VZÄ erheben. Auf Nachfrage wären diese Daten sicher leicht zu recherchieren gewesen. Zweifelsfrei lässt sich die Substanz einer Aussage über die Erwerbssituation erst ermessen, wenn man die VZÄ in den Blick nimmt. Mit Verlaub, aber hier drängt sich auf, dass es einen Kanzlerinnen-Bonus gibt. Die Konsequenz eures Vorgehens ist klar: Jeder Regierungsvertreter, der nun anhand der Erwerbstätigenzahlen behauptet, dass es noch nie so viele Arbeitsaplätze gegeben hat, bekäme dann höchstwahrscheinlich ein „Stimmt“, obwohl das Arbeitsvolumen einfach auf mehr Köpfe verteilt wurde, indem es eine umfangreiche Aufsplittung von Normalarbeitsverhältnissen/Vollzeitstellen in Minijobs und Teilzeitbeschäftigung gegeben hat (Quelle: s. u.). Daher frage ich euch ernsthaft, warum vom Goldstandard der VZÄ, die sonst immer auch als solcher angesehen wurden, nun abgewichen werden soll. Bitte veröffentlicht diese Begründung in der Sache, sofern es sie denn gibt, hier im Thread. Die Redaktionsentscheidung von der sonst üblichen Prüfung nach Aussageintention in diesem Fall abzuweichen, erschließt sich mir nicht und vermutlich vielen anderen auch nicht. Und, nein, es ist kein hinreichender Grund darauf hinzuweisen, dass eine andere Teilaussage schon dem Wortlaut nach nicht stimmt. Ziel des ZDF-Checks ist es doch mithin auch zu überprüfen, ob eine Aussage dahingegehend irreführend ist, dass sie Wählern etwas Falsches suggeriert. Oder irre ich mich hier? Merkels Statemenmt bzgl. der Arbeitsplätze, deren nominales Maximum erreicht wurde, ist aber in der Weise wahrscheinlich irreführend, dass das nominale Stellenmaximum eben keineswegs impliziert, dass es auch die meiste Arbeit (gemessen im Arbeitsvolumen oder Vollzeitäquivalenten) gibt. Daher erscheint mir und sicher auch vielen anderen, die sich am Check beteiligen, eine Prüfung Wort für Wort (noch einmal: IM UNTERSCHIED zu bisherigen Gepflogenheiten) nicht gerechtfertigt. Gründe dafür habe ich dargelegt.

    • Hallo Slapsticker,
      es gibt leider keine Vollzeitäquivalentberechnung, die man heranziehen könnte. Das hatten wir natürlich angefragt.

      Das hessische Statistische Landesamt schrieb uns, es gebe derzeit nur die Zahlen für 2008-2010. http://aketr.de/tl_files/aketr/DATA/Tabellen/KR_VZ.pdf Die Zahlen für 2011 und 2000-2007 sind in Vorbereitung. Weitere Zahlen aus der Vergangenheit wird man nicht berechnen.

      Die Bundesagentur für Arbeit schrieb uns: „Aufgrund der Umstellung der Erhebungsinhalte hinsichtlich der Angaben zur Tätigkeit („Arbeitszeit“, „Ausbildung“ und „ausgeübte Tätigkeit (Beruf)“) erstellt die Statistik der BA nach dem 30.06.2011 keine Erhebungen zu Vollzeit/Teilzeit.“
      Daher haben wir uns entschieden, für diesen Check nicht weiter auf die Vollzeitäquivalente einzugehen, da sie nicht seriös verglichen werden können.

    • Liebe Sandra Aring,
      das ist eine transparente und plausible Begründung. Sowohl VZÄ als auch Arbeitszeitvolumina sind allerdings vom IAB zumindeast ab 2000 bis einschließlich 2012 ausgewiesen worden, wie die Stellungnahme der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Linken, die ich weiter unten verlinkt hatte, belegt. Da wäre also eine kleine Anfrage eurerseits sicher Erfolg versprechend, zumal die IAB-Forscher auch Regionaldaten erheben. Somit gäbe es hier noch die Option für tiefergehende Recherchen. Für den o.g. Zeitraum stimmte Merkels Behauptung, wenn Gesamtdeutschland Hessen wäre, da im letzten Jahr von Erwerbstätigen 193 Arbeitsstunden mehr geleistet wurden als im Jahr 2000 (s. Tab. 3 (S.6) und es 2012 262 VZÄ mehr als 2000 gab, was zwar beides minimale Differenzen sind (im Vergleich des Rests des Zeitraums verhält es sich auch kaum anders), aber dennoch würde das Merkels These stützen, wenn es in Hessen auch solche Minimaldifferenzen gäbe. Allerdings ist der Zeitraum unbefriedigend. Womöglich gibt es aber auch eine deutlich längere Zeitreihe, da das IAB schon 1967 gegründet worden ist. Zumindest für das Arbeitsvolumen, was auch ein guter Indikator ist, erscheint mir das wahrscheinlich. MfG

    • Aus dem genannten Dokument geht hervor, dass dem IAB ebenfalls keine Zahlen zur Entwicklung der Erwerbstätigkeit (absolut und in VZÄ) auf Basis der Länder vorliegen: „Entsprechende Daten auf Ebene der Bundesländer liegen beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nicht vor.“ (http://dokumente.linksfraktion.de/inhalt/130312-antwort-breg-ka-agenda2010.pdf, S. 7). Sicherheitshalber fragen wir aber nochmals beim IAB an – danke für den Hinweis!

    • Edit: „da im letzten Jahr von Erwerbstätigen 193 Arbeitsstunden mehr geleistet wurden als im Jahr 2000 (s. Tab. 3 (S.6)) und es 2012 262 VZÄ mehr als 2000 gab (s. Tab. 4 (S. 6))“

    • Die Publikationen des IAB zum Themenkomplex Arbeitszeit und Arbeitsvolumen reichen übrigens mindestens bis ins Jahr 1977 zurück: http://www.iab.de/320/section.aspx/Thema/304

    • Eine Publikation des IAB weist Daten zu Arbeitszeit und Arbeitsvolumen ab 1970 aus: http://www.iab.de/389/section.aspx/Publikation/k031104401

    • Danke für den Hinweis und das Engagement in der Sache! – So weit hatte ich gar nicht gelesen, muss ich gestehen. Zumeist schaut man sich ja nur selektiv die Tabellen und Datenreihen an. – Bin jedenfalls gespannt auf die Antwort des IAB. Was mich allerdings wundert, ist, dass es auf die letzte Stelle präzise Daten für Gesamtdeutschland gibt, aber keine Daten – nicht einmal Rohdaten – für Länder und oder Kommunen geben soll. Ob die ausgewiesenen Daten am Ende aus Stichprobenerhebungen extrapoliert sind? – Zuversichtlicher bin ich jedenfalls, was die VZÄ für Lehrer angeht. Eine entsprechende Zeitreihenstatistik des statistischen Landesamtes für im Landesdienst stehende Beamte und Richter sowie für Angestellte im Landesdienst hatte ich ja bereits unten verlinkt. Zumindest für Schulen, die nicht in freier Trägerschaft stehen, müsste es also eigentlich auch berufsspezifische Aufschlüsselungen, die in der Summe ja dann das unten Angegebene ergeben, geben. MfG

  13. Beim Thema Wirtschaft kann man das auch anders sehen. Recht gut dargestellt und mit Fakten hinterlegt bei den GRÜNEN Hessen: http://www.gruene-hessen.de/landtag/pressemitteilungen/wirtschaftliche-entw/ und als kurze Animation: http://www.youtube.com/watch?v=KqUgCSvlmME

    • Hallo Till Haupt, wir halten uns an das Zitat von Angela Merkel und konzentrieren uns ausschließlich auf die Bereiche Arbeits-, Ausbildungs- und Kinderbetreuungsplätze, Lehrerstellen und Straftaten. Viele Grüße aus Berlin!

  14. Bei den Kita-Plätzen spielt das Thema Qualität und Betreuungsschlüssel eine wichtige Rolle:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Betreuungsschl%C3%BCssel

    Das Mehr an Kita-Plätzen wird in Hessen durch einen Abbau an Qualität erkauft.
    Alles begann 2012 mit der Verfassungsklage von 39 Städten und Gemeinden gegen die Mindestverordnung (MVO), die bisher den Personalschlüssel in Kitas regelte. Es wird zwar gerne behauptet, es sei dabei nur um die Kostenforderung nach dem Konnexitätsprinzip gegangen. Tatsächlich hatte die Klage aber zum Ziel, die MVO für verfassungswidrig erklären zu lassen, um so größere Gruppen zu ermöglichen.
    Quelle:
    Urteilstext, Seite 9: „Die Antragstellerinnen beantragen,
    die Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder vom 17. Dezember 2008, in Kraft getreten am 1. September 2009, für nichtig bzw. für unvereinbar mit der Verfassung des Landes Hessen zu erklären.“ http://www.staatsgerichtshof.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HMdJ_15/Staatsgerichtshof_Internet/med/412/41228516-5bf7-7317-9cda-a2b417c0cf46,22222222-2222-2222-2222-222222222222
    Nach Klageabweisung durch den Staatsgerichtshof am 6. Juni 2012 wurde dann eben die Verschlechterung des Personalschlüssels mit dem so genannten „Kinderförderungsgesetz“ (KiföG) beschlossen.
    Im Vorfeld gab es heftige Diskussionen über den Abbau von Qualitätsstandards:
    Quelle 1:
    http://www.fr-online.de/frankfurt/kifoeg-kinderfoerderungsgesetz-stressfaktor-gruppengroesse,1472798,22792796.html
    Quelle 2:
    http://www.entdecker-voraus.de/

    In der Statistik der Kinder- und Jugendhilfe ist ablesbar, dass die mittleren Gruppengrößen bei den über Dreijährigen aktuell noch bei 21 bis 22 Kindern liegen.
    Quelle:
    Tabellen 23 bis 25, Seite 47 bis 49 aus https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Soziales/KinderJugendhilfe/TageseinrichtungenKindertagespflege5225402127004.pdf?__blob=publicationFile
    und eigene Berechnungen.

    Das KiföG setzt künftig das Ziel, mit dem gleichen Personal Gruppengrößen von durchschnittlich 25 Kindern zu realisieren. Dies ist aus den in zahlreichen Diskussionsveranstaltungen von den betroffenen Trägern und Erzieherinnen vorgetragenen Gründen jedoch praxisfern. Ähnliches gilt auch für die Kinder unter 3 Jahren.
    Quelle beispielsweise:
    http://www.echo-online.de/region/darmstadt-dieburg/gross-umstadt/-Handwerkliche-Fehler;art1289,3860393
    Allein die natürliche Fluktuation sorgt schon dafür, dass eine solche Durchschnittsgröße unerreichbar ist. Daher führt das KiföG künftig zu einer Verschlechterung des Personal- bzw. Betreuungsschlüssels.

    Also: Mehr Plätze mag evtl. sein, aber mit Qualitätsverschlechterung erkauft. :-(

    • Ein wesentlicher Punkt! Ergänzen will ich dazu noch – falls nun redaktionsseitig darauf abgehoben werden sollte, dass es bei Betreuungsplätzen um Plätze für Kinder unter drei ginge -, dass durch eine Veränderung des Personalschlüssels in anderen Bereichen natürlich Kapazitäten – zulasten der Kinder – verlagert werden können.

  15. Noch eine MegaBaustelle: Betreuungsplätze!
    Zu den unten bereits geäußerten Bedenken im Hiblick auf den Mangel an Aussagekraft gesellen sich noch weitere Schwierigkeiten. Der Ausbau der Kinderbetreuung für Unter-3-Jährige liegt in der Hand der Kommunen, die ganz unterschiedlich regiert werden, so wird z. B. die größte Stadt Hessens Schwarz-Grün regiert und hat mittlerweile (seit 2012) einen SPD-Bürgermeister. Die Betreuungsquote der Stadt liegt bei knapp 38 %, das Land Hamburg aber z. B. bei 43 %: http://www.taz.de/!119724/ Ohnehin ist der Bedarf und z. T. infolgedessen auch der Ausbau in Großstädten größer als in ländlichen Regionen, wobei Kommunen mit Nothaushalten wie etwa Essen, die Stadt wurde ebenfalls in sehr unterschiedlichen Konstellationen regiert (wobei man in dem Fall eigentlich fragen müsste, unter wem v. a. die horrenden Schulden aufgetürmt wurden) natürlich oft gar nicht das Geld haben, großzügig die Betreuungsinfrastruktur zu investieren. Dies lässt an einem Bundesländervergleich um so mehr zweifeln, da die Strukturen (Stadt-Land etc.) in den Bundesländern ganz unterschiedlich sind. Hinzu kommt, dass die Betreuungsrelationen ganz unterschiedlich sind. So kommt Bremen mit 3,1 Kita-Kinder pro Erzieher(in) auf den bundesweit besten Schnitt im Ländervergleich, während z. B. in Sachsen-Anhalt die Relation bei 1 zu 6,5 liegt: http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_117073.htm Es geht also bei einem aussagekräftigen Vergleich nicht bloß um die reine Zahl neu geschaffener Betreuungsplätze, sondern auch um das Wie. Wenn nun in einem Bundesland sich die Zahl der Betreuungsplätze verdoppelt hätte, aber sich die Kinder pro Erzieher(in) auch, dann könnte man dies schwerlich als wirklichen Fortschritt bezeichnen. Auch im Längsschnitt eines Bundeslandes wie Hessen ergibt sich also wegen der kommunalen Zuständigkeit sowohl das Problem der Zuschreibbarkeit, als auch das Problem der tatsächlichen Entwicklung (hier verdeutlicht am Beispiel der Betreuungsrelation). Wenn man’s genau nimmt, schließt sich noch ein weiteres Problem an, nämlich das der Qualifizierung der Betreuenden. Eine Tagesmutter mit ein wenig Weiterbildung ist sicher nicht mit einer Fachkraft mit mehrjähriger Ausbildung vergleichbar.
    Kurzum: Auch bei den Betreuungsplätzen ist die Behauptung Merkels aus den unten und hier genannten Gründen, selbst wenn sie zutrifft (was man angesichts des Ausbaus der Betreuungsinfrastruktur in der gesamten Republik wohl als gesichert annehmen kann), ziemlich nichtssagend.

    • Hallo Slapsticker, wir wollen das Merkel-Zitat überprüfen. Auch wenn es spannend wäre einen bundesweiten Vergleich all dieser Themen anzustellen: Das würde jetzt unseren Rahmen sprengen. Schlage vor, wir konzentrieren uns hier auf Hessen und checken die Punkte einzeln ab.

    • Hallo Sonja, meine Argumentation bezog sich, was vielleicht wegen der nebenher angestellten Bundesländer- und Städtevergleiche etwas in den Hintergrund gerückt ist, keineswegs nur auf solche Querschnittsvergleiche, sondern auch auf die Probleme bei der Prüfung des Längsschnitts EINES Bundeslandes wie z. B. der Entwicklung in Hessen.

    • Gut. Dann haben wir uns missverstanden. Für mich las sich das wie ein Plädoyer für einen bundesweiten Vergleich. Könnte an der Menge der Wörter gelegen haben… ;;-)

  16. Zur Kriminalstatistik:
    —————————
    http://de.wikipedia.org/wiki/Polizeiliche_Kriminalstatistik_%28Deutschland%29
    insbesondere der Abschnitt Aussagekraft:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Polizeiliche_Kriminalstatistik_(Deutschland)#Aussagekraft

    BMI: Polizeiliche Kriminalstatistik 2012
    http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2013/PKS2012.pdf?__blob=publicationFile
    Die Seite des Bundeskriminalamtes:
    http://www.bka.de/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/pks__node.html
    Ob da auch was über die Länder zu finden ist?

    Die Presse:
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article116100401/Frankfurt-Main-deutsche-Hauptstadt-des-Verbrechens.html

    Einerseits:
    „Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich (CDU) hat am Mittwoch in Berlin die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2012 vorgestellt aus der hervorgeht, dass Wiesbaden die drittsicherste Stadt Deutschlands ist. An erster Stelle steht München, gefolgt von Augsburg. In Hessen ist die Landeshauptstadt die sicherste Stadt.“
    http://www.wiesbaden112.de/?p=8743
    Andererseits:
    Das sind Deutschlands gefährlichste Städte
    u.a. Wiesbaden:
    „In Wiesbaden, der hessischen Landeshauptstadt, registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 8288 Fälle pro 100.000 Einwohner. Die Aufklärungsquote in Hessen liegt bei 58,8 Prozent. Rainer Wendt von der Polizeigewerkschaft erklärt, warum die Polizei gerade bei Einbrüchen so hinterherhinkt: „Es werden Tausende DNA-Spuren gesichert, aber nicht ausgewertet, weil wir uns erst um die schweren Straftaten kümmern müssen.“ Auch André Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, betonte, Einbruchsserien seien nur aufzuklären, wenn man die Handschrift des Täters entziffern könne.“
    http://www.wiwo.de/politik/deutschland/kriminalstatistik-das-sind-deutschlands-gefaehrlichste-staedte/8208158.html?slp=false&p=3&a=false#image

    Also, irgendwie ist das alles sehr unübersichtlich und widersprüchlich. :-(

  17. Zur Kriminalitätsstatistik noch folgende Hinweise:
    1. Das hessische Landeskriminalamt gibt in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Landes Hessen von 2001 – http://www.polizei.hessen.de/icc/internetzentral/nav/355/broker.jsp?uMen=15570ee1-825a-f6f8-6373-a91bbcb63046 – eine Reihe wertvoller Hinweise (s. Kp. 1). So heißt es etwa: Veränderungen in der Altersstruktur der deutschen Bevölkerung wirken sich […] aus. Welche Bedeutung der demografische Wandel hat, lässt sich ganz gut erahnen, wenn man weiß, dass fast die Hälfte der polizeilich erfassten, mutmaßlichen Straftäter des Jahres 2012 (vgl. http://www.polizei.hessen.de/icc/internetzentral/nav/1f9/1f970e29-e7ff-ec31-f6c7-d9d70ef798e7.htm) unter 30 Jahre alt waren (Tatverdächtigen im Alter bis 29 Jahre: 47.235; Tatverdächtigen: 100.431). Auf die 60 Jahre Alten und Älteren entfielen lediglich 8.569 Tatverdächtige, auf die Unter-18-Jährigen hingegen 13.227.
    2. Nimmt man nur die PKS-Straftaten der Jahre 1984 (s. erste Quelle: 3.1) und 2012 (s. zweiter Link) dann ergibt sich folgendes Bild: 396.257 (1984), 395.625 (2012). Demnach ist also die Zahl der erfassten Straftaten nahezu identisch. Nimmt man nun die Bevölkerungszahl mit ca. 5,6 Mio. im Jahr 1984 – http://www.giessen.de/loadDocument.phtml?ObjSvrID=1894&ObjID=278&ObjLa=1&Ext=PDF (vgl. S. 4) – und ca. 6 Mio. im Jahre 2012 hinzu, dann vergrößert sich der Abstand zugunsten von 2012 (erfasste Straftaten pro Nase: 0,071 (1984), 0,066 (2012). Allerdings liefert auch dies ein verzerrtes Bild, da die Neigung, Straftaten zu begehen – wie bereits unter 1. erläutert – recht unterschiedlich ausgeprägt ist. So waren in Deutschland (ähnlich wird es wohl in Hessen gewesen sein) 1980 noch 26,8 % der Bevölkerung unter 20 Jahre alt und nur 19,4 % 60 Jahre oder älter, während 2010 nur noch 18,4 % unter 20 und 26,3 % 60 oder älter waren: http://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/04%20Bevoelkerungsentwicklung%20und%20Altersstruktur.pdf Die mutmaßlichen Straftäter unter 21 werden in der hessischen PKS von 2012 mit 23.405 beziffert (Quelle: s. o.). Bei gleichem Anteil jugendlicher Straftäter (unter 21) etwa drei Jahrzehnte früher wäre der anzusetzende Faktor auf die erste Nachkommastelle gerundet: 1,5! D. h.: Die Zahl der Straftäter unter 21 Jahren hätte zu Beginn der 1980er Jahre nominal fast das Anderthalbfache betragen können, um die gleiche Jugenstraftäterquote wie 2012 zu betragen. Ausgeblendet wird dabei natürlich noch das veränderte Anzeigeverhalten etc. pp. (s. erste Quelle).
    Dies sollte nur zeigen, dass weder der Nominalwert erfasster Straftaten noch eine Quote nach Bevölkerungszahl im Hinblick auf die Entwicklung der Straftaten aussagekräftig sind. Um das Ausmaß an Straftaten im Zeitverlauf einigermaßen korrekt zu erfassen, bräuchte man fundierte kriminologische Studien, die auf wirklich vergleichbaren Daten beruhen. Alles andere ist Kappes!

    • Hoppla, jetzt hab ich die Tüddelchen doch glatt selbst vergessen. Also, das Zitat lautete: „Veränderungen in der Altersstruktur der deutschen Bevölkerung wirken sich […] aus.“

    • Um ermessen zu können, wie es um Hessens Straftaten bestellt ist, könnte man auch Vergleiche wie folgenden anstellen:

      Rückgang/Zunahme der Straftaten je 100.000 Einwohner gegenüber dem Vorjahr 2012:
      Berlin: – 0,99 %
      Bremen: – 6,74 %
      Hamburg: – 1,26 %
      Nordrhein-Westfalen: – 0,47 %
      Sachsen-Anhalt: + 1,98 %
      Brandenburg: 0,98 %
      Mecklenburg-Vorpommern: – 0.91 %
      Sachsen: + 6,61 %
      Schleswig-Holstein: – 3,65 %
      Saarland: + 5,64 %
      Niedersachsen: + 0,96 %
      Rheinland-Pfalz: 2,52 %
      Hessen: – 0,72 %
      Thüringen: + 2,92 %
      Baden-Württemberg: – 1,9 %
      Bayern: + 0,16 %
      Errechnet nach folgenden Daten: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/3459/umfrage/bundeslaender-nach-haeufigkeitszahl-von-straftaten-seit-2007/
      Nach diese allerdings nicht wirklich aussagekräftigen Statistik läge Hessen auf Rang 9.

    • Hallo Slapsticker,

      schauen Sie doch mal kurz in Ihre Mails. Sie haben Post.

      Viele Grüße
      Ihr #ZDFcheck-Team

    • Korrektur:
      Bei Rheinland-Pfalz fehlt das Minuszeichen, da die Straftaten je 100.000 Einwohner 2012 um 2,52 % gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind.

  18. http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/bildung-kultur-rechtspflege/landesdaten/bildung/lehrerinnen-lehrer/lehrer-innen-an-allgemeinbildenden-beruflichen-schulen/index.html

    Die Anzahl der Lehrer in Hessen. Wobei es sich hierbei um gesamt Stellen handelt. Die Stellen in Vollzeit-Äquivalenten sollte so um 50900 (2011/2012) liegen. Im Jahr 1999 waren es 43740 VÄ Stellen!

    • Freihändige Schätzungen zu Vollzeitäquivalenten sind problematisch, denn es besteht nicht notwendigerweise eine Korrelation zwischen Anzahl der Lehrer und deren VZÄ. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Die Zahl der Erwerbstätigen ist von 36,604 Mio. im Jahr 2000 auf 39,869 Mio. im Jahr 2011 gestiegen. Das Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen ist jedoch nahezu unverändert geblieben und sogar minimal gesunken: 57.922 Mio. (2000) -> 57.887 Mio. (2011). Quelle: http://dokumente.linksfraktion.de/inhalt/130312-antwort-breg-ka-agenda2010.pdf (Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken) Daher kann man nicht einfach von der Anzahl der Stellen auf VZÄ rückschließen. Der Tabelle ist zunächst zu entnehmen, dass die Anzahl der Lehrerstellen im Schuljahr 2012/13 niedriger war als in den beiden Vorjahren. Dies konterkariert Merkels Behauptung, sofern nicht im laufenden Schuljahr 2013/14 die Werte des Schuljahres 2011/12 übertroffen werden.

  19. Mit den Arbeitsplätzen hat Merkel Recht, wenn man sich die geleisteten Arbeitsstunden in Hessen anschaut…

    In Hessen wurden im Jahr 2012 von den rund 3,23 Millionen Erwerbstätigen 4,5 Milliarden Arbeitsstunden geleistet. Wie das Hessische Statistische Landesamt auf Basis neu berechneter Zahlen mitteilt, waren dies 9,4 Millionen Arbeitsstunden oder 0,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dies ist der dritte Anstieg in Folge seit 2010. Bundesweit betrug der Anstieg 0,4 Prozent.

    Die rund 3,18 Millionen Erwerbstätigen in Hessen arbeiteten im Jahre 2011 insgesamt 4,49 Milliarden Stunden. Wie das Hessische Statistische Landesamt nach vorläufigen Berechnungen mitteilt, waren dies knapp 80 Millionen Arbeitsstunden oder 1,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dieser Zuwachs wurde zum einen durch die Erhöhung der Zahl der Erwerbstätigen um knapp 47 000 Personen oder 1,5 Prozent, zum anderen durch die steigende Zahl von Personen, die einer Nebenbeschäftigung nachgingen, hervorgerufen. Im Jahr 2011 lag die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 1,4 Prozent über dem Niveau von 2008, also dem Jahr vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise. Im Jahr 2010 wurde dieses Niveau noch knapp verfehlt.

    http://www.statistik-hessen.de/PresseWeb/pm_131.html

    Das es noch nie so viele Ausbildungsplätze gegeben hat, ist das bei 13.071 Jugendlichen, für die es keine Lehrstellen gab, nicht gerade der größte Verdienst.

    Ausbildungsmarkt: Weniger Ausbildungsstellen als Bewerber/innen
    Bis zum Juli 2013 meldeten sich 41.163 Bewerberinnen und Bewerber bei den Agenturen für Arbeit in Hessen. Damit sind es fast so viele wie im letzten Jahr. Als unversorgt gelten junge Frauen und Männer. Ihnen gegenüber stehen noch 9.253 unbesetzte Lehrstellen. Insgesamt wurden bis jetzt 31.064 Lehrstellen bei den Agenturen für Arbeit in Hessen gemeldet, 9,1 Prozent weniger als im Ausbildungsjahr 2011/2012.

    http://www.arbeitsagentur.de/nn_7694/Dienststellen/RD-H/RD-H/A01-Allgem-Info-Seiten-Presse-Statistik/Pressemitteilungen/2012-2013/2013-35-PI-AM,mode=print.html

    Bei Kinderbetreuungsplätze wird Merkel wohl auch recht haben. Werden wohl kaum weniger nach dem Kita-Ausbau geworden sein…

    • Woher kommt die Zahl von 3,23 Millionen Erwerbstätigen für das Jahr 2012? Bei 3,176 Mio. Erwerbspersonen und 3,026 Erwerbstätigen im Jahr 2012 (Quellen: s. u.) scheint die zuerst genannte Zahl so nicht nachvollziehbar. Auch fehlt eine Quelle, die diese Zahl belegen würde.

      P.S.: Bitte setze Zitate in Anführungsstriche!

  20. Ein erstes Indiz für die Vermutung, dass die Zahl der Lehrerstellen in Hessen nicht die höchste seit Beginn der Bundesrepublik könnte, liefert die folgende Statistik: http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/finanzen-personal-steuern/landesdaten/finanzen-personal/land/personal-des-unmittelbaren-landesdienstes-in-hessen/ Demnach hat sich die Zahl der Vollzeitäquivalente der unmittelbaren Landesbediensteten Beamten und Richter – wobei die Gesamtzahl wohl überwiegend aus Lehrern bestehen dürfte – zwischen 1998 und 2011 um 4.470 verringert. (Die Zahl der Vollzeitäquivalente anderer Landesbediensteter ist noch weitaus deutlicher zurückgegangen.) Dies ist natürlich noch kein stichfester Beweis, da die angeführte Statistik zu unscharf ist, aber sie zeigt zumindest, dass das Statistische Landesamt Vollzeitäquivalente erhebt und daher auch über Daten zu den Vollzeitäquivalenten von Lehrern verfügen dürfte oder diese zumindest aus den Rohdaten errechnen könnte. Lehrer sind ja nicht immer, wenn auch wohl meistens verbeamtet. Zusätzlich ergibt sich hier die Komplikation einer Zunahme im Privatschulsektor. Der Boom dort könnte die mutmaßliche Reduktion von Vollzeitäquivalenten auch überkompensieren.

  21. Es gibt eine Unmenge an Statistiken und Ansichten was nun gut oder schlecht ist.
    Hier nur ein Beispiel.
    Die Landesverschuldung ist in den Letzten 10 Jahren um ca. 50% gestiegen, zugegeben 2010 wurden die Erhebungskriterien geändert, jedoch sollte dies das Ergebnis nicht um Größenordnungen verschieben.
    Dies muss ja nicht negativ sein, sofern entweder das BIP im selben Zeitraum gleich gewachsen ist oder sich der Lebensstandard äquivalent entwickelt hat.

    Das BIP ist 2012 17% höher als 2002. (Ob Nominales oder Reales ist nicht ersichtlich)
    Der Lebensstandard bzw. die Lebensqualität lässt sich schwer quantifizieren, das BIP pro Kopf halte ich für jedoch KEIN hinreichendes Kriterium, dass Pro Kopf BIP sagt nichts über die Verteilung aus, die Schuldenstandsquote aber sehr wohl.

    Die Schlüsse kann jeder selber ziehen…..

    Quellen:
    http://www.haushaltssteuerung.de/verschuldung-land-hessen.html
    http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/gesamtwirtschaft-konjunktur/landesdaten/bip-wirtschaftsbereichen/grundzahlen-bruttoinlandsprodukt-bruttowertschoepfung/

    • Hallo Bluescreen_o_D,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir checken das oben stehende Zitat von Angela Merkel, d.h. wir prüfen, ob es in Hessen noch nie so viele Arbeits-, Ausbildungs- und Kinderbetreuungsplätze, noch nie so viele Lehrerstellen und noch nie so wenig Straftaten wie heute gegeben hat.

      Viele Grüße aus Berlin
      Ihr #ZDFcheck-Team

  22. Kleine Recherche zu den Straftaten.
    In Hessen gab es im Jahre 2012, 395.625 Fälle, die von den Strafverfolgungsberhörden bearbeitet wurden, so die Kriminalstatistik. Das sind laut derselben Statistik, die niedrigsten Werte seit 1979, also nicht seit immer, wie nun die Zahlen vor 1979 aussahen weiß ich nicht, aber 1979 waren sie also schon einmal niedriger.
    http://www.polizei.hessen.de/icc/internetzentral/nav/455/45570ee1-825a-f6f8-6373-a91bbcb63046&uCon=5fa70e29-e7ff-ec31-f6c7-d9d70ef798e7&uTem=bff71055-bb1d-50f1-2860-72700266cb59.htm
    Zu den Erwerbtätigkeitszahlen habe ich auch eine Statisik zu bieten:
    http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/erwerbstaetigkeit/landesdaten/mikrozensus-erwerbstaetigkeit/ueberblick-zur-erwerbstaetigkeit/index.html
    Demnach gab es 2012 in Hessen 3.176.000 Erwerbspersonen, wieviele das in all den anderen Jahren waren, weiß ich nicht.

    • Vorsicht bei dem Begriff Erwerbspersonen. Wie im Check andernorts ja bereits erläutert fallen unter Erwerbspersonen auch: mithelfende Familienangehörige (Beispiel damals: Frau Mayer, die einen Abend in der Woche in der Gastwirtschaft ihres Mannes Bier zapft), geringfügig Beschäftigte, Azubis sowie gemeldete Arbeitslose. Heeresangehörige u. Ä. fallen hingegen nicht darunter. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Erwerbspersonen_%28Labour-Force-Konzept%29 Daher hilft die Zahl der Erwerbspersonen mit oder ohne Zeitvergleich nicht weiter. Wegen der unten genannten Gründe (btw: sorry für die Tippfehler) wären allenfalls die bereinigte ErwerbsTÄTIGENquote in Vollzeitäquivalenten ansatzweise aussagekräftig.
      Zu 1979: Das kann auch schlicht bedeuten, dass die Statistik vorher nicht länderspezifisch erhoben wurde. Grundsätzlich tun sich aber auch hier andere Probleme auf (s. u.). MfG

    • Was die Kriminalstatistik angeht, erweist sich der Hinweis von Mathias als goldrichtig. Man denke etwa an die Abschaffung des Paragrafen 175 StGB, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts und Sodomie unter Strafe stellte. Um Vergleichbarkeit im Längsschnitt herzustellen, muss man also auch einheitliche Deliktgruppen/Straftatbestände als Grundlage nehmen, ansonsten ergibt’s keinen Sinn.

    • Hier findet man eine Übersicht des Hessischen Statistischen Landesamtes zur Erwerbstätigkeit:
      http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/erwerbstaetigkeit/index.html

      Tabelle: „Erwerbsquoten in Hessen“
      Wie @Slapsticker bereits erwähnte, sind das nicht die Erwerbstätigen, sondern die „Erwerbspersonen“ (Erwerbstätige plus Erwerbslose).
      Quelle:
      http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/erwerbstaetigkeit/landesdaten/mikrozensus-erwerbstaetigkeit/erwerbsquoten-in-hessen/index.html

      Tabelle: „Erwerbstätige nach der Stellung im Beruf in Hessen“
      Das sind nun wohl die richtigen „Erwerbstätigen“.
      Soweit ich das überblicke, gab es nach dieser Statistik 2012 tatsächlich die meisten Erwerbstätigen seit 1950. Allerdings weiß man jetzt nicht, wie die Vollzeitäquivalente aussehen! Und auch die Quote gemessen an der Bevölkerung fehlt völlig!
      Quelle:
      http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/erwerbstaetigkeit/landesdaten/mikrozensus-erwerbstaetigkeit/erwerbstaetige-stellung-im-beruf/index.html

      Ein kleiner Schönheitsfehler findet sich in der
      Tabelle: „Arbeitslose im Jahresdurchschnitt 1986 bis 2012“
      Arbeitslosenquote:
      1990 = 5,7 %
      1991 = 5,1 %
      1992 = 5,5 %
      2012 = 6,4 %
      Demnach war die Arbeitslosenquote schon mal besser.
      Quelle:
      http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/erwerbstaetigkeit/landesdaten/arbeitsmarkt-sv-beschaeftigte/arbeitslose-jahresdurchschnitt/index.html

      Interessant vielleicht auch noch:
      „Erwerbstätige in Hessen 2012 nach der Stellung im Beruf und Einkommensgruppen“
      Quelle:
      http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/erwerbstaetigkeit/landesdaten/mikrozensus-erwerbstaetigkeit/erwerbstaetige-einkommensgruppen/index.html

    • @ Karolus1:
      Gute Arbeit! – Die VZÄ werden ja zumindest vom Statistischen Landesamt erhoben, auf Nachfrage bekommt man die bestimmt. Diese erscheinen mir unabdingbar zur Einschätzung der wirklichen Lage in Hessen, denn – wie bereits oben gezeigt – es gab auf Bundesebene einen Trend zur Splittung von Stellen, von dem Hessen höchstwahrscheinlich nicht ausgenommen ist. Die schiere Zahl Erwerbstätiger ist folglich wenig aussagekräftig. Wenn man nämlich beispielsweise 10 volle Stellen durch 20 halbe ersetzt, dann steigert man zwar die Anzahl der Erwerbstätigen um 100 %, hat aber im Grunde nichts bewirkt. Daher muss der Check auf – wie eine ZDF-Checkerin mal so treffend schrieb – die ‚harte Währung‘ (sprich: VZÄ) prüfen.
      Die Arbeitslosenquoten, die du netterweise noch rausgesucht hast, zeigen zudem, dass man in Hessen keineswegs im ‚Goldenen Zeitalter‘ lebt. Auch dies sollte m. E. zumindest im Fazit Erwähnung finden.
      Die Wahlkampfaussage Merkels scheint mir ein gutes Beispiel dafür zu sein, wie man per Rosinen-Picken einen mutmaßlich irreführenden Eindruck erwecken kann. LG
      P.S.: Welche Position vertrittst du eigentlich im Hinblick auf die Kriminalitätsstatistik, bei der es ja – wie Mathias richtig bemerkt hat – „[g]anz besonders wackelig wird“?

  23. Die bloßen Nominalwerte sind unerheblich und nicht aussagekräftig. Dass die Zahl der Kinderbetreuungsplätze so hoch sind wie noch nie, dürfte auf alle (west)deutschen Bundesländer zutreffen. Die Politik hat schließlich über Jahrzehnte das Thema vernachlässigt und eine Änderung erst seit einigen Jahren vollzogen. Wichtiger ist daher die Frage, ob der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur dem tatsächlichen Bedarf entspricht. Auch die bloße Zahl der Arbeitsplätze ist nicht aussagekräftig. Allenfalls die Beschäftigungsquote aller in Hessen ansässigen Menschen im erwerbsfähigen Alter gemessen in Normalarbeitsverhältnissen oder Vollzeitäquivalenten (sozialversicherungspflichtig Beschäftigter) hat einen Aussagewert. Auch die Zahl gemeldeter Ausbildungsplätze ist recht nichtssagend. Aussagekräftig wäre allein eine Quote, die die in nicht institutioneller Ausbildung Befindlichen zur Anzahl der Ausbildungswilligen ins Verhältnis setzt. Abstellen müsste man zudem auf Erstausbildungen, da sich die Zahl der Umschüler und in Fort- oder Weiterbildung sich Befindenen natürlich durch den Wandel der Arbeitsmärkte/Qualifikationserfordernisse stetig erhöht. In puncto Straftaten muss man Dunkelfeldeffekte und das veränderte Anzeigeverhalten berücksichtigen. Des Weiteren ist der demografische Faktor entscheidend, da Straftaten überwiegend von jungen Männern unter dreißig oder sogar nur bis zum Alter von 25 Jahren verübt werden. In einer älter werdenden Gesellschaft verringert sich allein dadurch schon die absolute Zahl der Straftaten. Mathias hat überdies recht, wenn er eine Differenzierung von Straftaten nach Schweregrad/Deliktfeldern einfordert.
    Kurz: Aussagekräftig sind Daten nur dann, wenn unter wohlerwogenen Kriterien Quoten berechnet werden. So hätte man dann z. B. auch die Bevölkerungszunahme, auf die Mathias dankenswerterweise hingewiesen hat, mit drin. Ziel muss es m. E. sein, Merkels Aussage wirklich auf ihren Kern zu prüfen. Die Kanzlerin suggeriert ja: Hessen ging es noch nie so gut wie heute. Das erweist sich allerdings erst im Lichte relationaler Daten. Solche zu recherchieren, daran führt aus meiner Sicht kein Weg vorbei.
    Für Lehrerstellen gilt natürlich auch, dass eine Umrechnung in Vollzeitäquivalente erfolgen muss. Aber das reicht noch nicht. Denn: Im Rahmen des Ganztagsschulprogramms hat es ja eine Ausweitung von Lehrerstellen gegeben, wobei die Zahl wirklicher Ganztagschulen in Hessen lt. Aussage von einer Diskussionsteilnehmerin der ARD-Sendung „Überzeugt uns!“ – http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/ueberzeugt-uns/index.html – anscheinend eher gering ist. Gleichwohl muss man dies einbeziehen. Auch hier spielt natürlich der demografische Wandel eine nicht unwesentliche Rolle, da die Alterskohorten von Kindern/Jugendlichen im schulpflichtigen Alter zahlenmäßig geringer werden. Sinnvoller erscheint es mir außerdem, die Zahl der durch fehlende Fachlehrer bedingten ausgefallenen Fachunterrichtsstunden im Regelunterricht als Maßsstab zu nehmen. Gemeinhin nennt man das, glaube ich, Unterrichtsversorgung, die ein einigermaßen aussagekräftiges für die Schulpolitik der Landesregierung darstellen würde. Wenn man’s genau nimmt, müsste man eigentlich auch noch die Auswahl auf fachlich qualifiziertes Lehrpersonal mit erstem und zweitem Staatsexamen beschränken und minderqualifizierte Quereinsteiger sowie Lehrer, die fachfremd (also in Fächern, für die sie nicht ausgebildet wurden / qualifiziert sind) unterrichten, außen vor lassen. Dann hätte man eine sinnvolle Bilanz, die auch ansatzweise etwas über die Leistung der Landesregierung aussagt. Die bessere Finanzsituation des Geberlandes Hessen, die ja vieles erst ermöglicht, wäre dann zwar immer noch nicht eingepreist (die Zusatzeinnahmen durch Ankauf von Steuer-CDs, die Landesregierungsvertreter kritisierten, aber ihnen dennoch zugute kamen, gehören auch dazu), aber die Rechnung wäre so schon einigermaßen solide.

    • Noch zwei Ergänzungen:
      Bei den Arbeitsplätzen ist natürlich auch noch bedeutsam, dass aufgrund der sukzessiven Absenkung des Rentenniveaus viele Arbeitnehmer schon jetzt später als geplant in Rente gehen. Allein dieser Effekt hat schon Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze, da viele in Altersteilzeit verbleiben. Auch deshalb sind Vollzeitäquivalente als Grundlage für eine Quote unumgänglich. Die nach Vollzeitäquvalenten berechnete Erwerbstätigenquote erscheint mir da ganz brauchbar. Überdies müsste man m. E. alle Ein-Euro-Jobber rausrechnen. Denn diese können natürlich fast beliebig von einem finanzkräftigen Geberland wie Hessen aufgestockt werden. Über den Umfang selbsttragender Beschäftigungsverhältnisse sagen sie jedoch nichts aus.

    • Grundsätzlich habe ich nichts zu bemängeln, in einem Punkt widerspreche ich Ihnen aber: Dass Straftaten im Wesentlichen von jungen Männern verübt werden ist falsch. Dies trifft nur auf Gewalttaten zu und wird in den medialen Fokus gesetzt. Mit dem demographischen Wandel ändert sich vielmehr die Verteilung der Straftaten hin zu Diebstählen, Betrug usw.
      Neubestimmungen zwischen Straftaten, Bagatelldelikten und straffreien Handlungen haben dabei wesentlich größere Auswirkungen.

    • @ Markus Kraus: Siehe mein Posting von 16:09 Uhr bzw. direkt hier: http://www.polizei.hessen.de/icc/internetzentral/nav/1f9/binarywriterservlet?imgUid=aba70e29-e7ff-ec31-f6c7-d9d70ef798e7&uBasVariant=11111111-1111-1111-1111-111111111111 Von insgesamt 100.431 mutmaßlichen Straftätern waren 35.584 Männer unter 30 – also mehr als ein Drittel von allen. Die Frauen gleichen Alters brachten es gerade einmal auf 11.615. Das ist ein knappes Viertel aller Straftäter(innen) dieser Altersgruppe. Auch bei der Gesamtzahl stellen die Frauen mit 24.970 weniger als ein Viertel. Es gibt also sowohl beim Alter als auch beim Geschlecht ein deutliches Übergewicht.
      Zieht man noch die 2.107 männlichen Straftäter unter 14 Jahren ab, dann entfällt auf die Gruppe der männlichen Straftäter zwischen 14 und 29 Jahren ein stolzer Anteil von exakt einem Drittel bei einer Alterspanne von lediglich 15 Jahren. Wie man’s dreht und wendet: Da knubbelt sich’s.

  24. Die Aussage von Angela Merkel ist wahr, wenn es noch nie so viele Arbeitsplätze, so viele Kinderbetreuungsplätze, so viele Lehrer und noch nie so wenig Straftaten in Hessen gab wie heute.

    Vermutlich wird man den Zeitraum begrenzen können auf die Zeit seit Gründung des Bundeslandes Hessen im Jahre 1945.

    Offen ist, ob man hier auf die absoluten Zahlen abzielen will oder auf relative Angaben, da die Bevölkerung von Hessen in den 1980ern 10% niedriger lag als heute.

    Ganz besonders wackelig wird es bei der Zahl der Straftaten, weil diese in der Regel gar nicht erfasst wird, sondern eher die Zahl der Anzeigen oder die Zahl der Ermittlungsverfahren. Ein geändertes Meldeverhalten käme hier zu anderen Ergebnissen, auch wenn die Zahl der Straftaten gleich bleibe. Gleichzeitig sind seit der Gründung des Bundeslandes eine Reihe von neuen Straftatbeständen hinzugekommen und andere weggefallen. Eine umfassende Entkriminalisierung würde die Zahl der Straftaten senken. Auch eine Landesregierung kann die Zahl der durch die Zahl an Ermittlungsverfahren gemessenen „Straftaten“ steuern, indem sie z.B. die Anweisung erteilt, z.B. bei Steuerbetrug gar nicht mehr zu ermitteln. Und zuletzt bleibt die Frage, ob man einfach wild „Straftaten“ zusammenzählen will: Sind 10 Diebstähle und ein Mord nun mehr Straftaten als 8 Diebstähle und zwei Morde?

    Man kann es sich auch einfach machen und sagen: Angela Merkel hat unrecht, wenn nur eine der einzelnen Kriterien nicht stimmt, die sie oben genannt hat.

    • Lieber Mathias, vielen Dank für deine Hinweise! Wir werden die einzelnen Punkte (insb. die Frage, ob wir die Zahlen absolut nehmen oder relativ betrachten wollen) vor der weiteren Recherche diskutieren. Viele Grüße, Tim, #ZDFcheck

Angela Merkel (CDU): Hessen steht in vielen Bereichen so gut da wie noch nie – Stimmt teilweise - Stimmt teilweise

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