12.08.2013

Steinbrück (SPD): Unter Schwarz-Gelb wurden in 4 Jahren nur 9.000 Pfleger eingestellt – Stimmt nicht

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kritisiert die Pflegepolitik der schwarz-gelben Regierung. Er wirft ihr in puncto Pflegeausbau vier verlorene Jahre vor, in dieser Legislaturperiode seien nur 9000 neue Pfleger eingestellt worden. Das #ZDFcheck-Fazit: Stimmt nicht.

Zitat: „Wir haben vier Jahre erlebt, dieser schwarz-gelben Regierung, die vier verlorene Jahre für die Pflege sind. [...] Wir werden insbesondere für die Pflegerinnen und Pfleger etwas unternehmen müssen. Ich gebe Ihnen eine Zahl: In diesen vier Jahren der schwarz-gelben Bundesregierung sind insgesamt in Deutschland 9000 Pflegerinnen und Pfleger eingestellt worden.“

Bisherige Rechercheergebnisse:

So funktioniert's

Was checken wir?

Wir checken, wie viele Pflegerinnen und Pfleger seit 2009 im Pflegebereich neu eingestellt wurden.

Was genau meint Steinbrück?

Peer Steinbrück spricht in seinem Zitat von „9000 Pflegerinnen und Pflegern“ und zwar „insgesamt in Deutschland“. Das enthält keine Einschränkung und keine weitere Präzision. Es vermittelt deshalb dem Zuhörer den Eindruck, dass Steinbrück hier von einer umfassenden Definition ausgeht.

Wie üblich hat #ZDFcheck den Zitatgeber um seine Definition gebeten, veröffentlicht hier aber schon einmal die offiziell gültige:  Unter Pflegekräften subsumiert das Bundesgesundheitsministerium die Berufsgruppe Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege.

Bislang gab es drei unterschiedliche Ausbildungswege: 

Gesundheits- und Krankenpfleger/in, bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger ist laut Bundesagentur für Arbeit eine jeweils bundesweit einheitlich geregelte schulische Ausbildung an Berufsfachschulen für Krankenpflege. Die Ausbildung dauert jeweils drei Jahre. Auch Altenpfleger/in ist eine bundesweit einheitlich geregelte Ausbildung, deren schulischer Teil an Berufsfachschulen für Altenpflege und deren praktischer Teil in Altenpflegeeinrichtungen durchgeführt wird. Die Ausbildung dauert in Vollzeit drei Jahre und in Teilzeit bis zu fünf Jahre.

In Deutschland gab es laut statistischem Bundesland 2011 insgesamt 2,5 Millionen Pflegebedürftige im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI), das heißt Menschen mit Pflegestufe 1-3. Sie werden entweder von Angehörigen zu Hause versorgt, von Angehörigen mit Hilfe von Pflegediensten, allein von Pflegdiensten oder vollstationär in Pflegeheimen.

Stimmt es, dass in den vergangenen vier Jahren 9000 neue PflegerInnen eingestellt wurden?

Auf die Anfrage von #ZDFcheck meldet sich nach mehreren Tagen Peer Steinbrücks Pressesprecher Rolf Kleine. Er räumt ein, dass die Aussage des Kandidaten nicht stimmt:

„Die Aussage, dass die Bundesregierung in der vergangenen Legislaturperiode nur 9000 Stellen in der Pflege geschaffen habe, ist so nicht zutreffend. Peer Steinbrück hat in freier Rede einen Zusammenhang vertauscht wiedergegeben. Vielmehr ging es darum aufzuzeigen, dass bereits heute jeweils in dieser Größenordnung Stellen in der Kranken- und Altenpflege unbesetzt sind (8000 Stellen in der Krankenpflege und 10000 Stellen in der Altenpflege) und die Bundesregierung im Gegensatz zur SPD keine erkennbare Strategie hat, dies und den sich verschärfenden Fachkräftemangel abzuwenden. Die SPD will mit einer Job-Offensive 125.000 zusätzliche Jobs in der Pflege schaffen.“

 

Doch wie viele neue Pfleger und Pflegerinnen sind im Pflegesektor denn nun in der vergangenen Legislaturperiode eingestellt worden?

Der #ZDFcheck ergibt: Die aktuellste Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes ist von 2011. Neuere Erhebungen als die von 2011 gibt es nicht. Insofern hätte Steinbrück gar keine vollständige Aussage darüber machen können, wie viele Pfleger in dieser Legislaturperiode unter der schwarz-gelben Bundesregierung eingestellt worden sind.

Der Blick in diese Statistik zeigt:

Bei den ambulanten Pflegediensten und in Pflegeheimen gibt es im Bereich Pflege und Betreuung 2011 gegenüber 2009 einen Zuwachs von 38.660 Arbeitsplätzen. Die Zahl der geschaffenen Fachkräftestellen ist 2011 gegenüber 2009 um 8.370 Pflegerinnen und Pfleger gestiegen.

Zu den in der Statistik aufgeführten Pflegefachkräften kommen noch die neu geschaffenen Jobs aus dem Pflegestellenförderprogramm, wie das auch einige User recherchiert hatten. Das Programm, das für 2009 bis 2011 aufgelegt war, sollte den massiven Stellenabbau in der Pflege in Krankenhäusern entgegenwirken. Laut Statistischem Bundesamt soll es dadurch einen Zuwachs von 9.200 Pflegevollkräfte, also Pflegern, gegeben haben.

Steinbrück hat damit doppelt unrecht: Zum Einen gibt es keine Zahlen für den Zeitraum von 2009 bis 2013 und zum Anderen liegt die Zahl der neu eingestellten Pflegekräfte allein 2009 bis 2011 höher als die von ihm genannten 9000.

Das #ZDFcheck-Fazit

#ZDFCheck hat ein Argument des Kanzlerkandidaten der SPD geprüft. Eine massive Kritik an der Pflegepolitik der Bundsregierung untermauerte Peer Steinbrück ganz wesentlich mit dem Argument, dass in den vergangenen vier Jahren von der Koalition "nur 9.000 Pfleger" eingestellt worden seien. Dieses Argument ist eindeutig falsch. Das zeigen nicht nur die recherchierten Zahlen. Das hat auch sein Sprecher in einem Schreiben an #ZDFcheck eingeräumt. Das Fazit der Redaktion lautet deshalb: "Stimmt nicht".

Zwar verweist sein Sprecher darauf, Steinbrück habe in "freier Rede" etwas "vertauscht" – und versucht den Fehler nicht zu verschleiern. Dennoch bleibt bemerkenswert, dass das Argument immerhin vor der Hauptstadtpresse bei einer offiziellen Pressekonferenz im Willy- Brandt-Haus vorgebracht wurde. Viele Medien haben Steinbrücks Argumente in der Berichterstattung später - offensichtlich ungeprüft - übernommen. Der Check zeigt deshalb einmal mehr, wie ungenau wahlkämpfende Politiker mit Zahlen agieren und wie sorgsam Argumente zu prüfen sind, die sich auf statistische Angaben stützen.

Jenseits des Checks bleibt es dennoch eine Tatsache, dass in Deutschland ein Fachkräftemangel in der Pflege herrscht. Aufgrund der demografischen Lage wird die Personalsituation in Zukunft eine immer größere Herausforderung. Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es allein im Juli dieses Jahres 9.700 freie Stellen in der Krankenpflege und 13.000 in der Altenpflege gemeldet. Mit dem Fachkräftedilemma wird sich die Politik beschäftigen müssen.

Dieser #ZDFcheck wurde beendet. Die Redaktion hat ein Fazit gezogen. Vielen Dank an alle Helfer für die Hinweise und Beteiligung.

Insgesamt 20 Hinweise

  1. Wie bei anderen Fragen ergibt sich auch bei dieser das Grundsatzproblem der Zurechenbarkeit. Die Ausbildung zum Altenpfleger dauert mindestens drei, in Teilzeit sogar bis zu fünf Jahren: http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/?dest=profession&prof-id=9065 Diese Verzögerung bedingt, dass ein Teil der mutmaßlich geringen Zuwachsrate bis 2013 de facto noch aufs Konto der Großen Koalition geht. Um diesen Faktor zu minimieren, müsste man sich eigentlich jene Altenpfleger nehmen, die seit Beginn der letzten Legislaturperiode neu ausgebildet und nachfolgend eingestellt wurden. Hinzurechnen müsste man dann noch jene, die in Teilzeit seit Beginn der Legislaturperiode ausgebildet wurden/werden und entweder schon einbgestellt wurden oder ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben. Bei Letzteren müsste man die Anzahl um eine nach bestimmten Richtwerten geschätzte Abbrecherquote bereinigen. Erst dann hätte man zusammengerechnet eine Zahl, die die Entwicklung im Verlauf der Legislaturperiode einigermaßen angemessen quantifiziert.

    • Für die sich derzeit noch in Vollzeit in Ausbildung Befindenden gilt natürlich auch, dass diese um eine wahrscheinliche Abbrecherquote bereinigt noch in die Gesamtbilanz einfließen müssten. Den Gesamtzeitraum, der dann ja über vier Jahre umfasst, müsste man dann noch auf einen Vier-Jahreszeitraum umrechnen, indem man den jährlichen Durchschnitt des Gesamtzeitraums mit vier multipliziert.

  2. Nur mal ne Randbemerkung (nicht zur eigentlichen Faktenprüfung, aber zu einer weiteren Aussage Steinbrücks bei seiner Pressestellungnahme):
    Herr Steinbrück redet im Video davon, dass man für die Ausbildung zum Kranken- oder Altenpfleger bezahlen müsse. Dies passt aber meines Erachtens nicht zur geltenden Rechtslage, nach der die Schüler eine Ausbildungsvergütung erhalten müssen:

    § 17 AltPflG
    (1) Der Träger der praktischen Ausbildung hat der Schülerin oder dem Schüler für die gesamte Dauer der Ausbildung eine angemessene Ausbildungsvergütung zu zahlen, soweit nicht bei beruflicher Weiterbildung Ansprüche auf Arbeitslosengeld nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch, auf Arbeitslosengeld II nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch oder auf Übergangsgeld nach den für die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben geltenden Vorschriften bestehen.

    § 12 KrPflG
    Ausbildungsvergütung
    (1) Der Träger der Ausbildung hat der Schülerin und dem Schüler eine angemessene Ausbildungsvergütung zu gewähren.

    (Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de)

  3. 1) Es wäre zu differenzieren, ob sich Statistiken auf die allgemeine Krankenpflege oder die Altenpflege beziehen. Teilweise wird sich das wohl nicht so ganz trennen lassen.
    2) Dann müsste geklärt werden, ob und wie Pflegekräfte in Voll- und/oder Teilzeit gezählt werden. Dabei könnten natürlich die Vollzeitäquivalente herangezogen werden.
    3) Wichtig wäre aus meiner Sicht, auch zu berücksichtigen, ob geringfügig Beschäftigte oder reguläre sozialversicherungspflichtige Stellen gemeint sind.

    • Außerdem sollte eine Differenzierung nach Qualifizierung erfolgen. Man kann nicht einfach minderqualifizierte Pflegehelfer oder andere Qualifikationen einbeziehen. Staatlich anerkannte Alten- oder Krankenpfleger würden sich das zurecht auch verbitten. Der Kontext (s. Hintergrund) ist ja: „Fachkräftemangel“. Überdies geht es wohl speziell um Altenpfleger (vgl. ebd.). Der von PatrickFederhen geposteten Destatis-Veröffentlichung nach betrug der Zuwachs an staatlich anerkannten Altenpfleger 2011 gegenüber 2009 12,9 %, was 7.706 Altenpflegern entspricht.

    • Nachzulesen ist das übrigens auf der Seite 14. Auf der Folgeseite lässt sich die Steigerung nach Vollzeitäquivalenten nachfollziehen: Danach betrug der Zuwachs 2011 zu 2009 sogar lediglich 6.593 staatlich anerkannte Altenpfleger.
      Da Steinbrück sich auf vier Jahre bezieht, muss man jedoch auch eine andere Datengrundlage, die tatsächlich weitestgehend den Zeitraum der Legislaturperiode abdeckt, nehmen.

  4. Ich hab bei DESTATIS etwas gefunden: Seite 11 letzter Absatz. Bezieht sich auf den Zeitraum 2011 verglichen mit 2009. +8000 Vollzeitbeschäftigte in der Pflege.
    Sind das absolute Netto-Zahlen? Also auch Stellen-Abbau berücksichtigt?

    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001119004.pdf?__blob=publicationFile

    • Hallo Herr Federhen,
      das sind Nettozahlen, aber die beziehen sich nur auf die Pflegedienste, dort stieg die Vollzeitbeschäftigung (von 2009 zu 2011) um 7.791 Beschäftigte auf 79.755, ersichtlich auch in der von Ihnen verlinkten Statistik auf Seite 24 Mitte in Tabelle 4, oder in meiner, als drittes, verlinkten Übersicht des Statistischen Bundesamtes.

      MfG
      Hans Kurz

    • Die 8000 Vollzeitstellen (dazu noch 15000 Teilzeitstellen) betreffen aber nur die ambulanten Pflegedienste. Dazu kommt in dem Bericht noch die stationäre Pflege (+40000 Stellen, davon 36000 Teilzeit und 5000 Vollzeit).

    • @ josephmue

      Ohne Berücksichtigung von Vollzeitäquivalenten ergibt sich entsprechend der Tabelle auf Seite 24 folgendes Gesamtbild für den Zeitraum 15.12.2009-15.12.2011: Zuwachs an staatl. anerkannten Altenpflegern (ambulant und stationär): 14.109, Abbau von Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflegerstellen (ambulant und stationär): 5.739, per Saldo: 8.370 neu geschaffene Pflegerstellen.

    • 8.370 neu geschaffene Pflegerstellen – als Ersatz für Leute, die aus Altersgründen ausgeschieden sind, müssten doch noch einige hinzukommen, die neu eingestellt worden sind.

    • @ istegalis

      In der Gesamtzahl von 8.370 Pflegerinnen und Pflegern sind saldiert schon alle Pflege(fach)kräfte nach obiger Definition (also: Gesundheits- und Krankenpfleger/in bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger/in) – sowohl ambulant als auch stationär – enthalten. Der Einstellung von zusätzlich 14.109 Altenpfleger_innen steht allerdings ein Abbau von Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger_innen von 5.739 im selben Zeitraum gegenüber. Denkbar wäre, dass ein Teil der Letztgenannten womöglich auch im Bereich Altenpflege nach-/weiterqualifiziert wurde und ein weiterer Teil aus Alters-/Überlastungs- oder sonstigen Gründen ausgeschieden ist und die vorherigen Stellen anschließend in dem Bereich nicht neu besetzt wurden. Nur die neu als Altenpfleger_innen Eingestellten zu zählen, jedoch den Stellenabbau/-wegfall bei Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger_innen nicht gegenzurechnen ergibt keinen Sinn. Noch weniger sinnvoll wäre es, nur neu geschaffene Stellen zählen zu wollen. Wenn z. B. eine Altenpflegerin ausscheidet und das Heim oder der ambulante Pflegedienst, bei dem sie zuvor gearbeitet hat, zunächst keine Wiederbesetzung der Stelle vornimmt, aber nach einem Jahr zu dem Entschluss kommt, eine neue Altenpflegerstelle zu schaffen, dann wäre dies zwar formal die Neuschaffung einer Altenpfleger(innen)stelle. Gebracht im Sinne einer Erhöhung der Pfleger(innen)anzahl hat dieses back and forth gegenüber dem Zustand von vor einem Jahr allerdings nichts. Daher ist nur bedeutsam, wie sich die Situation in einem Zeitraum x insgesamt entwickelt hat. Genau genommen müsste man dann auch noch die Steigerung an Vollzeitäquivalenten betrachten, da nur diese einen Aufschluss über den tatsächlichen Zuwachs geben. Wenn z. B. aus zwei Tausend vollen Stellen vier Tausend halbe Stellen werden, hat sich die Pflegesituation nicht verbessert, obwohl mehr Menschen in der Pflege arbeiten, da die Relation von Pflegenden und Gepflegten bei gleicher Anzahl Pflegebedürftiger unverändert geblieben ist.

    • @ Slapsticker und istegalis,

      ich verstehe Ihr Problem nicht. Es ist doch ganz einfach. Sie müssen doch nur schauen wieviele Vollzeitstellen gab es 2009 im gesamten Pflegebereich, (also Landeseigen über Krankenhäuser betrieben, über Private Pflegeheime und Private Pflegedienste) und wieviele Vollzeitstellen gibt es heute. Dann subtrahieren sie dieses beiden Zahlen voneinander und schwups wissen Sie wieviel mehr oder weniger Vollzeitstellen es in diesem Zeitraum gibt.

      Und nach den Statistiken, die ich in meinem Post vom 12.08.2013 | 12:16 Uhr verlinkt habe sind das insgesamt (im Zeitraum 2009 bis 2011) 22.281 mehr Vollzeitstellen.
      Um nun also zu überprüfen was in den letzten beiden Jahren des von Steinbrück angesprochenen Zeitraums passiert ist, bräuchten wir weitere Statistiken, die mir nicht vorliegen, aber wer suchet der findet.
      Aber es ist nicht davon auszugehen das von den 22.281 mehr an Vollzeitstellen wieder 13.281 Stellen gestrichen wurden in 2012 und 2013. Also es wurden schon allein bis 2011 weit mehr als 9.000 Vollzeitstellen im Pflegebereich geschaffen. Steinbrück hat mit seiner Aussage also nicht Recht. Er hat schlicht und einfach die Privaten Pflegeheime und -dienste vergessen. Tja, wer den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. *grins*

    • @ Hans Kurz
      Steinbrück sprach nicht von Vollzeitstellen im Pflegebereich, sondern im Kontext des FACHkräftemangels (vgl. Hintergrundinfo) von „Pflegerinnen und Pfleger[n]“. Was darunter zu verstehen ist, ist oben ausgeführt: „Gesundheits- und Krankenpfleger/in[] bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger[/in]“ und staatl. anerkannte „Altenpfleger/in“. Nicht gemeint sind also damit alle anderen Arbeitskräfte, die irgendwo im pflegerischen Bereich tätig sind. Zu prüfen ist also, wie sich die Zahl der Fachkräfte mit diesen drei Berufsbildern seit Ende 2009 entwickelt haben. Das Qualifikationsniveau zu unterschreiten und einfach nach Gutdünken alle möglichen angelernten/minderqualifizierten Kräfte in die Rechnung einzubeziehen ist unangebracht, da Steinbrück nicht von Angestellten im Pflegebereich, sondern ausdrücklich von Pfleger(inne)n sprach. Da deren bloße Anzahl noch nichts über die Quantität der durch sie leistbaren Pflegetätigkeit aussagt, wäre zudem ein Umrechnen in Vollzeitäquivalente sinnvoll. Nur Pfleger(inne)n in Vollzeit einzubeziehen wäre daher genauso fragwürdig.
      P.S.: Dass die bisher vorliegenden Daten nicht hinreichend sind, um Steinbrücks Aussage auf Richtigkeit zu überprüfen ist klar. (Das hatte ich aber auch bereits angemerkt (s. o.).)

    • @ Slapsticker
      Hallo Slapsticker,
      ich möchte hier keinen Streit über die Zahlen beginnen, daher bin ich jetzt mal der klügere und gebe nach. Sie haben vollkommen Recht, aber mit der Überprüfung lasse ich Sie alleine.
      Entscheidend für mich ist eine andere Zahl. Herr Steinbrück möchte im gesamten Pflegebereich, also staatlich wie Privat, 125.000 zusätzliches qualifiziertes Personal schaffen. Das ist doch mal eine Aussage für die Zukunft und verglichen mit dieser Zahl sehen selbst 22.000 neue Stellen wenig aus. Von daher kann ich dem Grundtenor der Aussage von Herrn Steinbrück recht geben, ja im Pflegebereich muss mehr getan werden. Daher sollte Herr Steinbrück vielleicht auch nicht auf dem Versagen der Merkelregierung rum reiten, das die schlecht ist wissen wir alle selbst.
      Jetzt kommt aber das entscheidene, kann Steinbrück und die SPD dieses Vorhaben schaffen? Und hier ist jeder Wähler selbst gefragt dies für sich zu entscheiden.
      Also ich kritisiere nicht die Forderung von Herrn Steinbrück, sondern sein Rumreiten auf Zahlen der Vorgängerregierung. Das sollte er weglassen und einfach nur sagen das er und die SPD im Pflegebereich mehr tun wollen, nämlich 125.000 zusätzlich qualifizierte Menschen einstellen.
      P.S. Übrigens auch im Rettungsdienst muss man seine Ausbildung z.T. immernoch selbst bezahlen, auch das gehört gänzlich abgeschafft.
      P.P.S. Ach ja und der SPD traue ich es nicht zu 125.000 Stellen, auch im Privaten Pflegebereich, zu schaffen. Wenn man die Genossen da ran lässt, dann endet das immer in Verstaatlichung, also Sozialismus, daher werde ich auf keinen Fall SPD wählen, aber was alle anderen machen, liegt in deren Verantwortung!

    • @slapsticker: Wir haben zwei vorliegende Statistiken. Die eine ist die Pflegestatistik des statistischen Bundesamtes. Hier werden die von ihnen errechneten 8370 Pflegerstellen in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten erwähnt. Die andere ist der Abschlussbericht des GKV-Spitzenverbandes, den Hans Kurz verlinkt hat. Dieser weist 9200 neue Pflegerstellen in Krankenhäusern aus. Macht nach Adam Ries 17500 neu eingestellte Pflegekräfte bis Ende 2011, also knapp das doppelte der von Steinbrück erwähnten Zahl. Eine Differenzierung nach Voll- und Teilzeitstellen erscheint mir nicht nötig, da wir hier über den Hintergrund Fachkräftemangel reden und eine Fachkraft eine Fachkraft ist, ob sie jetzt 20% arbeitet oder 100%.

  5. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich hab mal drauf los recherchiert und bin auf folgenden Artikel der Süddeutschen gestossen:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/sonderprogramm-fuer-krankenhauspersonal-krankenschwestern-und-pfleger-eingestellt-1.1714936
    Weiter hier der Link, zu dem im Artikel erwähnten, Abschlussbericht des GKV:
    http://www.gkv-spitzenverband.de/presse/pressemitteilungen_und_statements/pressemitteilung_61888.jsp
    Und ein Link zum Statistischem Bundesamt, mit einer Übersicht der Pflegekräfte in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten:
    http://www.gbe-bund.de/oowa921-install/servlet/oowa/aw92/dboowasys921.xwdevkit/xwd_init?gbe.isgbetol/xs_start_neu/&p_aid=3&p_aid=88037873&nummer=569&p_sprache=D&p_indsp=5090&p_aid=41141221

    Also demnach stimmt die Aussage von Herrn Steinbrück bis zum Jahr 2011, für den Bereich Krankenhäuser. Denn bis dahin wurden laut Abschlussbericht der GKV 9.200 Pflegekräfte in Krankenhäusern neu eingestellt, aber wie es in dem Bericht auch heißt, ist unklar ob die immernoch Beschäftigt sind, da eine Nachweispflicht über diese Arbeitplätze 2011 endete.
    Auch die Übersicht des Pflegepersonals in Pflegeheimen und ambulanten Diensten endet 2011. Aber nach der Statistik wurden von 2009 bis 2011 insgesamt 13.081 neue Vollzeitstellen in Pflegeheimen (5.290) und ambulanten Pflegediensten (7.791) geschaffen, das wären dann also mit den 9.200 Stellen in Krankenhäusern 22.281 neue Pflegekräfte in Vollzeit.

    Also stimmt die Aussage von Herrn Steinbrück nur auf Krankenhäuser bezogen, im gesmten Pflegebereich wurden mehr als 9.000 Stellen geschaffen und das nur im Zeitraum 2009 bis 2011. Was ab 2012 passiert ist, lässt sich mit diesen Statistiken nicht klären.

Steinbrück (SPD): Unter Schwarz-Gelb wurden in 4 Jahren nur 9.000 Pfleger eingestellt – Stimmt nicht - Stimmt nicht

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