06.05.2013

Ursula von der Leyen (CDU): Einkommensschere schließt sich wieder – Stimmt so nicht

Sorgt Schwarz-Gelb für soziale Gerechtigkeit? Die Opposition verweist auf wachsende Unterschiede zwischen Arm und Reich. Doch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sagt: „Die Einkommensschere schließt sich seit drei Jahren wieder.“ Ihre Aussage lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Das Fazit: Stimmt so nicht.

Zitat:

"Die Einkommensschere schließt sich seit drei Jahren wieder."

Bisherige Rechercheergebnisse:

So funktioniert's

Was checken wir genau?

Wir prüfen, ob sich die Unterschiede zwischen den höchsten und niedrigsten Einkommen in den vergangenen drei Jahren (2012-2010) verkleinert haben.

Stützen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes die Aussage?

Eine erste Recherche führt uns zu den Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Das Statistische Bundesamt gibt zwei Messgrößen an, mit denen die Ungleichheit der Einkommensverteilungen festgestellt werden kann: Die S80 / S20-Rate und der Gini-Koeffizient.

Die S80 / S20-Rate:
„Der Quotient stellt das Verhältnis zwischen dem Gesamteinkommen des oberen Fünftels und dem des unteren Fünftels der Einkommensverteilung dar.“

Der Gini-Koeffizient:
„Der Gini-Koeffizient ist eine Maßzahl für die Ungleichheit der Einkommensverteilung. Die Werte des Koeffizienten bewegen sich zwischen 0 und 100% (je ungleicher die Verteilung ist, desto mehr nähert sich der Wert 100%).“

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt:

Erstens: Die aktuellsten verfügbaren Zahlen stammen aus dem Jahr 2011. Man kann also nur Aussagen über die Jahre 2009-2011 treffen.

Zweitens: In diesem Zeitraum hat sich die S80 / S20-Rate nicht verändert (4,5). Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich unter dem Durchschnitt von 5,1 Prozent.

 

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  • Einkommen_mit_Durchschnitt

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Der Gini-Koeffizient lag 2009 bei 29,1, stieg 2010 auf 29,3 und sank 2011 auf 29,0.

Das bedeutet: Mit den Messzahlen des Statistischen Bundesamtes lässt sich nicht belegen, dass sich die Einkommensschere in den vergangenen drei Jahren geschlossen hat. Für diese Zwischenfrage zeigt also unser Symbol rot.

Könnte es sein, dass Frau von der Leyen einen anderen Zeitraum meint? Und verfügt die Ministerin vielleicht über andere Zahlen? Das wollen wir im nächsten Rechercheschritt überprüfen.

Kann man die Entwicklung der Einkommensschere in den letzten drei Jahren überhaupt beurteilen?

Da dem Statististischen Bundesamt nur Daten für die Jahre bis 2011 vorliegen, fragen wir im Ministerium nach: Auf welchen Zeitraum bezieht sich Frau von der Leyen?

Ihr Sprecher Christian Westhoff nennt als Quelle „die Ergebnisse von Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die maßgeblich auch in den jüngsten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung eingeflossen sind“.

Diese  Ergebnisse hat das DIW in seinem Wochenbericht zur Einkommensungleichheit (Nr. 43/2012) veröffentlicht. Ihnen liegen allerdings nur Zahlen bis zum Jahr 2010 zugrunde.

Die Entwicklung der Einkommensschere lässt sich demnach nur bis zum Jahr 2010 beurteilen und nicht – wie von der Ministerin gesagt – für die letzten drei Jahre (2010-2012). Für diese Zwischenfrage zeigt also unser Symbol rot.

Hat sich denn die Einkommensschere in den Jahren 2008-2010 geschlossen?

Die DIW-Publikation, auf die sich die Ministerin nach Angaben ihres Sprechers bezieht, nennt als aktuellen Bezugszeitraum nicht die Jahre 2008 bis 2010, sondern 2005 bis 2010.

Auf Seite 7 der oben verlinkten DIW-Publikation schreiben die Autoren:

„Von 2005 an hat im Zug der konjunkturellen Besse­rung und der damit einhergehenden Aufhellung der Lage auf dem Arbeitsmarkt die Einkommensungleich­heit in Deutschland abgenommen. Diese Entwicklung war in Ostdeutschland stärker als Westdeutschland. Der Gini-Koeffizient ist dort um knapp neun Prozent, im Westen um drei Prozent gesunken. In beiden Lan­desteilen ist die Ungleichheit bei den Markteinkommen auf den Stand vom Beginn des vergangenen Jahrzehnts zurückgegangen.“ (Anmerkung: Das Statistische Bundesamt weist den Gini-Koeffizienten mit Werten von 0 bis 100 Prozent, das DIW mit Werten von 0 bis 1 aus.)

Weiter heißt es:

„Die Entwicklung seit 1991 kann grob in drei Phasen ein­geteilt werden. Von 1991 bis 2000 änderte sich die Un­gleichheit in der Verteilung der verfügbaren Haushalts­nettoeinkommen kaum, danach nahm sie aber bis 2005 signifikant zu (Abbildung 4). Damit hat sich die Un­gleichheit vom Beginn der 90er Jahre bis 2005 gemessen am Gini-Koeffizienten in beiden Landesteilen um knapp 20 Prozent vergrößert. Von 2005 bis 2010 ist die Un­gleichheit der verfügbaren Einkommen in Westdeutsch­land parallel zur Entwicklung bei den Markteinkommen zurückgegangen (Gini-Koeffizient: –4 Prozent […]). Statistisch signifikant ist diese Entwicklung allerdings nur bei der Wahl eines etwas engeren Konfi­denzbandes mit nur 90-prozentiger (statt 95-prozenti­ger) Robustheit gegenüber statistischen Zufallsfehlern.“

Die Autoren stellen damit klar, dass es sich bei den Ergebnissen der statistischen Berechnungen für die Jahre 2000 bis 2010 nur um eine Tendenz handelt. Die Entwicklung der Jahre 2008 bis 2010 lässt sich – getrennt nach Ost- und Westdeutschland – an einer Grafik ablesen, bei der die Entwicklung des Gini-Koeffizienten von 1991 bis 2010 dargestellt wird. Die dort dargestellte leichte Abnahme des Koeffizienten bewegt sich im Bereich von 0,01 bis 0,02 Indexpunkten.

Markus Grabka, DIW-Sozialwissenschaftler und Mitautor der DIW-Studie, auf die sich Ursula von der Leyen bezieht, interpretiert die Zahlen positiv. „Zentrales Ergebnis unserer Studie ist, dass die Schere zwischen armen und reichen Bevölkerungsteilen seit 2005 endlich wieder leicht zusammengeht“, sagte er im November 2012.

Der Vorstandsvorsitzende des DIW Berlin, Prof. Dr. Gert G. Wagner,  stellt zur Aussagekraft von Einkommens- und Armutsstatistiken am Ende des Berichts allerdings fest: „Die Veränderungen seit 2005 sind aber so gering, dass man nicht sicher sagen kann, ob Ungleichheit und Armutsgefährdung wachsen oder sinken.“

Weiter schreibt Wagner: „Über den empirischen Befund kann man trefflich politisch streiten. Man kann mit guten Gründen sowohl für mehr als auch für weniger Ungleichheit gute Argumente anführen.“

Aus den Daten des DIW-Berichts lässt sich also nicht schließen, dass sich die Einkommensungleichheiten in den Jahren 2008 bis 2010 verringert haben.

Wir geben dem Arbeitsministerium die Gelegenheit, zu unseren Rechercheergebnissen Stellung zu nehmen. Ministeriumssprecher Christian Westhoff bestätigt uns, dass Zahlen nur bis zum Jahr 2010 vorliegen, darüber hinaus gebe es „vereinzelte“ Daten. Nach Ansicht des Ministeriums „bestätigen sie den Trend“. Westhoff weiter: „Maßgeblicher Grund für die Abnahme der Einkommensspreizung ist die gute und sich verbessernde Lage am Arbeitsmarkt.“

Das #ZDFcheck-Fazit

Nimmt man die Ministerin beim Wort, lässt sich Ihre Aussage nicht zweifelsfrei belegen. Das gilt vor allem für ihren Zeitbezug "in den letzten drei Jahren". Für diesen Zeitraum gibt es keine aktuellen Zahlen. Die Daten des Statistischen Bundesamtes reichen bis zum Jahr 2011 und zeigen nicht, dass sich die Einkommensschere schließt. Die Aussage der Bundesarbeitsministerin stützt sich nach Angaben ihres eigenen Ministeriums auf DIW-Daten, die allerdings nur die Jahre 2005-2010 analysieren. Und selbst diese alten Daten werden vom DIW sehr unterschiedlich interpretiert. Für die Schlussfolgerung von Ursula von der Leyen finden sich deshalb hier keine hieb- und stichfesten Belege. Deshalb das Fazit: stimmt so nicht.


Neben dem Faktencheck stellt sich die Frage des politischen Kalküls hinter der Aussage von Frau von der Leyen. Dazu eine Einschätzung von Thomas Walde, stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios:


 


Dieser #ZDFcheck wurde beendet. Die Redaktion hat ein Fazit gezogen. Vielen Dank an alle Helfer für die Hinweise und Beteiligung.

Insgesamt 24 Hinweise

  1. Die Einkommen sind zumindest für Deutschland nicht real zu erfassen.
    Die Möglichkeiten der Steuerminderung(kleines Beispiel: bei Einkommen aus Mietwohnungen/-häusern: Gartengeräte, Werkzeuge etc. wirken sich steuermindernd aus, werden aber auch für den Privatgebrauch eingesetzt), zur Mehrung bzw. zum Erhalt diverser Einkommen werden m.E. hierbei nicht berücksichtigt.
    Da viele Abschreibungsmöglichkeiten für Personen mit „geringen“ Einkommen nicht möglich sind, stellt sich mir die Frage, ob Steuerminderungen zum Erhalt beziehungsweise zur Mehrung des Vermögens -aus dem sich wiederum Einkommen erzielen lassen-, in irgendeiner Statistik berücksichtigt werden/wurden (was ich bezweifle).
    Ich folgere: Es kann demnach keine ehrliche Aussage erfolgen!

  2. Der Anteil unter erheblicher materieller Deprivation leidenden Personen schwankte in den Jahren 2007 – 2011 bei leicht steigender Tendenz zwischen 4,8% und 5,5%. Das Widerspräche der These von Frau von der Leyen. Ich stelle mir aber die Frage inwieweit solche statistischen Erhebungen einzelner Faktoren aussagekräftig sind.
    Quelle: Eurostat; http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/refreshTableAction.do?tab=table&plugin=1&pcode=t2020_53&language=de

  3. Der Prozentsatz der „von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen“ fiel zwischen 2007 und 2011 von 20,6% auf 19,9%. Minimum 2010 bei 19,7%. Das würde die Aussage von Frau von der Leyen stützen. Ob das allerdings statistisch signifikant ist kann ich nicht beurteilen.
    Quelle: Eurostats;
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/income_social_inclusion_living_conditions/data/main_tables

  4. Hier eine sehr interessante Tabelle zur Ungleichheit der Einkommen in der EU:

    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&init=1&language=de&pcode=tsdsc260&plugin=1

    Gefunden auf dieser HP:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/income_social_inclusion_living_conditions/data/main_tables

    Dort kann man auch die direkten Daten der Statistiken beantragen, sollte für das ZDF ja machbar sein, also viel Spaß beim weiter recherchieren.

    Vielleicht haben die ja bei Eurostat auch schon Daten für 2012, die der Fau von der Leyen schon vorliegen, aber das weiß ich nicht. Aber laut der Tabelle stimm die Aussage von Frau von der Leyen ja auch nicht, es sei denn 2012 geht der Wert zurück.

  5. Wenn man sich mal die zahlen des statistischen Bundesamtes nimmt (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VerdiensteArbeitskosten/RealloehneNettoverdienste/Tabellen/Nominallohn.html), sieht man, dass die Gehälter der Menschen in leitender Stellung (ich spekuliere mal, dass sind die Besserverdienenden) seit 2007 um 15,5% gestiegen sind, während die unteren Einkommensklassen (wozu ich mal die ungelernten Arbeitskräfte zähle) sich nur um 9,8% gesteigert haben. Das spricht für mich eher für ein weiteres Öffnen der Schwere zwischen Besser- und Schlechterverdienenden

  6. Ein Hinweis zur Seite allgemein: Es wäre gut wenn sich die Links in den Hinweisen in einem neuen Fenster/Tab öffnen würden. So ließe sich die Recherche einfacher strukturieren.

    • Guter Hinweis, danke. Haben wir gerade weitergegeben und müsste im Laufe des Tages funktionieren. VG

  7. Eine Irreführung der Ministerin,die Schere geht eher noch weiter auseinander. Aber es sind ja bald Wahlen, also muß man was Positives sagen um wieder gewählt zu werden.

    • Hallo Herr Fijuck,

      danke für Ihren Beitrag. Toll wäre es, wenn Sie zu der Aussage „…, die Schere geht eher noch weiter auseinander“ noch Belege verlinken oder nennen würden. Denn wir wollen hier ja Fakten checken. 😉

      Viele Grüße

      ZDFcheck-Team

  8. Gib hier nur Fakten des Handelsblattes wieder- http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/reaktionen-auf-armutsbericht-steuerzahler-bezahlen-fuer-gier-und-spekulation/7886202.html zeigt mal wieder – diese Gesellschaft geht auseinander. Hinzu kommt das die Regierung mit Immigranten einen weiteren sozialen Unfrieden betreibt- das gilt auch für die Opposition

  9. Wie wird denn das normale Einkommen berechnet?
    Gehören Gewinne aus Spekutionen, immobilien auch dazu?

    • Hallo Herr Kujanek,

      auch hier hat uns der Weg zum statistischen Bundesamt geführt: Ja, die Einnahmen aus Vermögen, also Zinsen, Dividenden aus Aktien oder Mieteinnahmen gehören mit hinzu. Da es aber um Durchschnittswerte geht, werden Einmaleffekte wie beispielsweise der Verkauf von Immobilien oder Aktienpaketen nicht berücksichtigt – dies fällt unter die Rubrik „Ersparnisbildung“.

      Viele Grüße

      ZDFcheck-Team

  10. http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=e8e2ec5471344a6cca6fb26990312312&tx_t3blog_pi1daxBlogListshowUid=12913

    Ich denke die Aussage ist nicht richtig, da ( siehe oben) es noch nie so viele Menschen gab, die zu einer TAFEL gehen müssen, die Schere wird meiner Meinung nach noch größer.

    • das sagt aber nichts über die statistische Verteilung aus. Tatsache ist, dass die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse auf einem Rekordhoch ist.

  11. Seit 1990 ist die Einkommensschere in Deutschland laut OECD-Studie weiter auseinander gegangen.

    [http://www.welt.de/wirtschaft/article13751800/Einkommensschere-geht-in-Deutschland-auseinander.html OECD-Studie: Einkommensschere geht in Deutschland auseinander], Die Welt, 5.12.2011

    Die Untersuchung bezieht sich auf das Jahr 2008 gegenüber dem Jahr 1990.

  12. Von der Leyen beruft sich auf eine Studie des DIW, die besagt dass die realen Markteinkommen der privaten Haushalte von 2005 bis 2010 deutlich gestiegen seien und parallel dazu habe die Ungleichheit in der Verteilung der Einkommen sowohl in Westdeutschland als auch in Ostdeutschland abgenommen. http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.410475.de/12-43-1.pdf
    Empirische Grundlage sind die vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit TNS Infratest Sozialforschung erhobenen Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP). Das Sozio-oekonomische Panel ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung von über 12.000 Privathaushalten in Deutschland. Die Befragung wird im jährlichen Rhythmus seit 1984 immer bei denselben Personen und Familien durchgeführt.
    Diese Basis halte ich für nicht seriös. Diese Familien sind seit 1984 stark gealtert und repräsentieren längst nicht mehr die heutige Gesellschaft. Auch berücksichtigt sie z.B. nicht den gestiegenen Einwandereranteil.

  13. Die Äußerung gehlt wohl auf eine Pressemeldung zurück. Diese bezieht sich aber nur auf den Vergleich zwischen den Jahren 2009 und 2010. [http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur/trotz-krise-auf-wachstumskurs-einkommensschere-in-deutschland-schliesst-sich-erstmals-wieder_aid_846339.html “Trotz Krise auf Wachstumskurs: Einkommensschere in Deutschland schließt sich erstmals wieder“], Focus, 25.10.2012: „Die verfügbaren Einkommen der unteren 40 Prozent der Bevölkerung legten im Jahr 2010 im Vergleich zu 2009 real um etwa zwei Prozent zu, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seiner am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung feststellte. Die mittleren und oberen verfügbaren Einkommen stagnierten dagegen.“

  14. Hab hier ein Hinweis zum Gini Index von 2012 gefunden:
    http://sciencefiles.org/tag/gini-koeffizient/

  15. Das Problem dabei ist: Von welcher Einkommensschere reden wir überhaupt? Männer und Frauen, reich und arm, jung und alt, . . .

    Je nachdem wie der Schwerpunkt gesetzt wird, kann diese Aussage stimmen und gleichzeitig auch wieder nicht stimmen.

    • Wenn man sich auf arm+reich bezieht, dann gibt diese Grafik darüber Aufschluss:

      http://www.infoboard.de/uploads/pics/Einkommensverteilung_DE_gesamt_2011.jpg

      Legt man dabei diese Grafik dazu, welche den Unterschied zw. Entwicklung von Vermögens- und Unternehmenseinkommen zu Arbeitnehmerentgelten zeigt:

      http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2013/02/Depardieu-1.jpg

      So muss man Fr. v. d. Leyen fragen: Was genau sich schliesse und worauf sie Bezug nimmt.

      Tatsächlich scheinen zwar die Unternehmens- und Vermögensgewinne zurückzugehen und gleichzeitig die Löhne anzusteigen. Hierzu sollte man jedoch die Inflation hinzuziehen: Viele Arbeitnehmer haben einen Reallohn, der stetig sinkt, wenn gleich der Nettolohn immer höher wird.

      Deshalb gilt es bei dieser These wohl erst einmal die Bezugsparameter und die Begrifflichkeiten zu klären, bevor man überhaupt an die Auswertung herangehen kann.

    • Hallo Frau Heder,

      wir haben uns zur Definition der Arm-Reich-Schere beim Statistischen Bundesamt schlau gemacht und dort zwei Definitionen gefunden: Die S80/S20-Rate und den Gini-Koeffizienten.

      Die S80/S20-Rate:
      “Der Quotient stellt das Verhältnis zwischen dem Gesamteinkommen des oberen Fünftels und dem des unteren Fünftels der Einkommensverteilung dar.”

      Der Gini-Koeffizient:
      “Der Gini-Koeffizient ist eine Maßzahl für die Ungleichheit der Einkommensverteilung. Die Werte des Koeffizienten bewegen sich zwischen 0 und 100% (je ungleicher die Verteilung ist, desto mehr nähert sich der Wert 100%).”

      Sie können das auch unter dem Punkt „Stützen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes die Aussage?“ detailliert nachlesen.

      Grüße

      ZDFcheck-Team

    • Hallo Frau Heder,

      die Definition erfolgte über den S80/S20-Index und den Gini-Koeffizienten. Firmen spielen keine Rolle, es geht um die Verteilung der Haushaltseinkommen in Deutschland.

      Viele Grüße

      ZDFcheck-Team

    • leider kann man nicht auf die Stellungnahme von #ZDFcheck direkt antworten. Ich halte die Hinweise von Fr. Heder als gerechtfertigt. Wie im Introvideo zu diesem Service hingewiesen wird, beziehen sich die Aussagen von Politikern gerne auf eine Statistik dafür werden andere weggelassen.
      Um so mehr wäre es schön herauszfinden auf welcher Basis die Aussage von Fr. von der Leyen fußt … das könnte man sicherlich auch in einer der nächsten Pressekonferenzen unterbringen.

    • Hallo Gerryh,

      die Aussagen von Frau von der Leyen beziehen sich nach Aussage ihres Ministeriums auf eine DIW-Studie (Wochenbericht 43/2012). Wir haben den Wochenbericht unter dem Punkt „Kann man die Einkommensentwicklung in den letzten drei Jahren überhaupt beurteilen?“ verlinkt.

      Viele Grüße

      ZDFcheck-Team

Ursula von der Leyen (CDU): Einkommensschere schließt sich wieder – Stimmt so nicht - Stimmt so nicht

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